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Wolfgang Joop vertraut seinen Schutzengeln

Seine Zeichnungen und Skizzen sind Kunstwerke. Wer Wolfgang Joop einmal dabei beobachten durfte, wie er auf dem Teakholztisch auf seiner Terrasse am Heiligen See in Potsdam - zwischen Apfelkuchen und Kaffee - seine Gedanken zu Papier bringt, der weiß: Der Modeschöpfer ist ein Kreativer im allerbesten Sinn.

Auch in seinem Atelier um die Ecke, der Villa Wunderkind, zeichnet Joop, scheinbar zwischen Tür und Angel, neue Skizzen für Kleider, die er seinen Schneiderinnen vorlegt, wenn ihm eine Änderungsidee eingefallen ist. Solche Skizzen, zumal in der spontanen Präzision, sind Sammlerstücke geworden, die, gerahmt und signiert, als absolute Hingucker neben manchem Meisterwerk bestehen können. Mit einer Sonderausstellung ermöglicht die Galerie Lumas an ihren Sitzen in Berlin und München einen Einblick in das grafische Werk des Designers Wolfgang Joop. Der Potsdamer mit Weltrenommee wollte ursprünglich Maler werden, studierte aber Werbepsychologie, Kunst und Kunsterziehung. 1982 präsentierte er seine erste Prêt-à-Porter-Damenkollektion, der 1985 eine Herrenkollektion folgen sollte. In den 90er-Jahren gelang es ihm, ein Service für die Meißener Porzellan-Manufaktur zu entwerfen. Joop war immer mehr als ein Modeschöpfer, auch wenn er heute als Inhaber von "Wunderkind" als Erstes mit exklusiven Kleidern in Verbindung gebracht wird.

In der Werksauswahl, die ab dem 10. September (bis 6. Oktober) in der Lumas-Galerie Berlin Hackesche Höfe und München (ab 18. September, Brienner Straße) gezeigt wird, befinden sich skizzenhafte Entwürfe aus den Jahren 1973 bis 2007. Für Joop sind "Kunst und Mode dann am eindrucksvollsten, wenn die Objekte eine Aura der Absichtslosigkeit haben. Oder die Absicht, sich ganz selbst zu genügen". Eine der Skizzen zeigt seine frühere Muse und heutige enge Freundin Nadja Auermann mit einem Schoßhund und Engelsflügeln.

Engel haben eine große Bedeutung in Joops Leben, sie finden sich auch an vielen seiner Skulpturen. Das habe mit einer Sehnsucht nach der Kindheit zu tun. "Ich habe sie auf dem Potsdamer Friedhof Bornstedt verbracht. Das war mein Spielplatz. Im Krieg drehte sich alles nur um Tod, Verlust. Wir Kinder spielten dort immer Beerdigung, haben tote Vögel mit großem Singsang beerdigt. Der Tod war mir immer vertraut. Es gab dann noch die Kirche, die wunderschönen Engel ..."

Joop glaubt an Schutzengel als Vermittler zwischen Himmel und Erde. "Mich verbindet zu Engeln eine ewige Liebe", sagte Joop einmal. Nun also Nadja Auermann mit Engelsflügeln - eine Hommage an die Zeiten, als das Potsdamer Topmodel engelsgleich über die internationalen Laufstege schwebte. Das Bild nennt Joop "Heaven save my dog" - Der Himmel rette meinen Hund.

Eine weitere Skizze von 1975 zeigt den inzwischen verstorbenen, französischen Modeschöpfer Yves Saint Laurent, den Joop gut kannte und verehrte. Er zeichnete in den 70er-Jahren die Modelle Saint Laurents vom Laufstegrand aus. Der Franzose habe Safari, Trench und Jeans neu erfunden, sagt Joop, als Erster orientalische Folklore mit kühlem Großstadt-Stil kombiniert und den Smoking für Frauen salonfähig gemacht. Joop ließ sich von Yves Saint Laurent inspirieren. Viele der Joop-Skizzen sind nun in limitierter Auflage über www.lumas.de zu erwerben.