Loni von Friedl

"Seit 40 Jahren rede ich nicht mehr mit Götz George"

Wo soll sie nur anfangen? Erinnerungen an ihre Berliner Momente sprudeln nur so aus dem Theater- und Filmstar Loni von Friedl heraus. Alle großen politischen Umbrüche habe die Österreicherin in dieser Stadt erlebt. Nun kehrt sie mit ihrer Paraderolle "Solo für Bette", einer Hommage an die Hollywood-Diva Bette Davis, die sie zusammen mit Horst Königstein erarbeitet hat, zurück und feiert am 5. August in dem Berliner Kieztheater "O-TonArt" an der Kulmer Straße Premiere.

"Meine Mama war Berlinerin", erzählt sie. Allein durch sie spüre sie eine Verbindung. Doch die Eltern verließen die Stadt aus Angst vor den Bomben und gingen kurz vor ihrer Geburt im Juli 1943 in die Heimat des Vaters nach Wien. 1961 kehrte Loni von Friedl, die 1958 jüngstes Ensemblemitglied am Wiener Burgtheater wurde und längst ein gefeierter Star war, für Dreharbeiten des Films "Zwei unter Millionen" mit Hardy Krüger zurück. Die Liebesgeschichte in schwarz-weiß, für den die Hauptdarsteller mit Preisen überhäuft wurden, sei dank seiner Entstehungszeit während des Mauerbaus heute zu einem Dokument der Zeitgeschichte geworden, erinnert sich die Friedl. "Wenn ich den Film heute ansehe, kann ich es nicht glauben, wie sich die Stadt verändert hat." Regelmäßig habe sie seit dieser Zeit an allen Berliner Häusern gespielt. Zuletzt war sie 1983 am Schillertheater in "Die Katze auf dem heißen Blechdach" zu sehen. Auch im Spätsommer 1989 arbeitete sie zufällig in Berlin: "Ich habe hier den Mauerfall miterlebt." Trotzdem ist sie auch nach der Wende in ihrer Wahlheimat München geblieben. Wenn sie jetzt von August an und dann noch für zwei weitere Spielzeiten im Oktober und November nach Berlin kommt, will sie sich die Stadt neu erobern. "Ich werde sie mir erlaufen, auch wenn ich wegen der Größe wohl hin und wieder den Bus nehmen muss."

Die 66-Jährige sprüht vor Lebenslust und Energie. Sie sieht gut aus, jünger. Es geht ihr wieder gut. Sie erinnert sich aber auch voller Schmerz an die schlimmen Jahre ihres Lebens. So nennt sie die Phase nach dem Tod ihres Mannes, Schauspieler Jürgen Schmidt, der 2004 an Leukämie starb. "Die Trauer kam in Schüben. Ich war tage-, manchmal wochenlang verloren", erinnert sie sich an die Zeit, in der sie bis Mitte 2006 wie gelähmt war. "Im Sommer hatte ich noch mal so einen schlimmen Anfall. Ich war ganz tief parterre und völlig verzweifelt", aber langsam kehrten ihre Kraft und ihr Lebenswille wieder zurück.

Zu ihrem Retter wurde Horst Königstein. Ihr Mentor, wie sie ihn nennt, hatte ihr bereits 2005 eine Sammlung von Dokumenten, Texten und Überliefertem von US-Diva Bette Davis übergeben und angeregt, einen Monolog über ihr Leben zu entwickeln. Es wurde eine mühsame Arbeit, aber Loni von Friedl machte sie gern. "Ich nahm Jürgens Füllfederhalter und schrieb den ersten Teil auf." So war ihr geliebter Mann bei ihr. Es folgte der zweite Teil, und dann musste das handschriftliche Manuskript in eine Maschinenform übertragen werden. Die Schauspielerin lacht: "Ich hatte Internet gelernt, also konnte ich das selbst machen. Aber es hat mich mehr Schweiß gekostet, als den gesamten Text zu lernen."

Als sie fertig war, fiel eine Last von ihr: "Ich war beglückt, ich war befreit." Doch auch die Inszenierung musste sie selbst in die Hand nehmen. Königstein fand zwar mit dem St.-Pauli-Theater ein Haus, wo sie ihr Stück spielen konnte. Es war aber kein Geld da, um es auf die Bühne zu bringen. Sie handelte kurz entschlossen und übernahm die Finanzierung persönlich. "Ich brauchte keine neue Küche, kein neues Auto." Was sie brauchte, war die Bühne. Seit dem Tod ihres Mannes hatte sie nicht mehr gespielt, wusste nicht, "ob ich den Beruf noch ausüben konnte". Aber sie konnte. Die Kritiken in Hamburg waren bei der Premiere im Sommer 2007 überwältigend. Sie sagt heute: "Dieses Projekt gehört mir. Ich kann damit machen, was ich will. Dass mir diese Freiheit geschenkt würde, damit habe ich nicht gerechnet."

Ihre neue Unabhängigkeit gibt ihr auch die Kraft mit den großen Rückschlägen ihres Lebens abzuschließen. Wer sie auf ihre Ehe mit Götz George anspricht, das Paar war von 1967-77 verheiratet, erhält ein knappes "Mit Herrn George habe ich seit 40 Jahren nicht gesprochen" als Antwort. Wer wissen will, ob die gemeinsame Tochter Tanja zur Premiere komme, erhält die Auskunft, diese sei nach Australien ausgewandert. Das Mutter-Tochter-Verhältnis ist zerrüttet. "Ich kann froh sein, wenn Freunde den Weg aus Hamburg oder München nach Berlin finden", sagt sie nur.

Freunde ersetzen die Familie. Freunde, die sie auch unter den Machern des Ö-Tonart-Theaters gefunden hat. Sie bewundert den Einsatz von Bernd Boßbach und André Fischer , die ohne Subventionen ihr Haus mit 81 Plätzen liebevoll eingerichtet und in den Kiez integriert haben. Ein ganz alter Freund steht gerade wieder in Berlin vor der Kamera. Hardy Krüger dreht den Zweiteiler "Die Familie - Blut ist dicker als Wasser". Friedl erzählt: "Er kam mit einem großen Blumenstrauß zur Hamburger Premiere und war begeistert." Wenn er Zeit hat, ist er am 5. August bestimmt wieder dabei.