Bildhauer Karsten Klingbeil lebt in Wannsee seinen Traum

Er kam an einem Sonntag zur Welt - und ein Sonntagskind ist er geblieben. Denn Karsten Klingbeil , der am Dienstag 80 Jahre alt wird, hat das Glück selten verlassen in seinem langen und aufregenden Leben. Viele verbinden seinen Namen zuerst häufig mit dem Bau-Tycoon Klingbeil. Denn die von ihm 1967 gegründete und bis 1985 geleitete Klingbeil-Gruppe mit mehr als 20 Unternehmen und einem Investitionsvolumen von 500 Millionen Mark jährlich galt einst mit rund 150 Objekten und 3000 Wohnungen als größter Bau-Träger der Stadt; Karsten Klingbeil avancierte zum erfolgreichsten Bauunternehmer Berlins.

Doch den Begriff "Bau-Löwe" hört er nicht besonders gern. "Diese Zeit wird überbewertet, sie betrug schließlich nur 18 Jahre meines Lebens", betont Klingbeil, der schon vorher beruflich Erfolgserlebnisse aufzuweisen hatte: Neben dem Studium der Bildhauerei an der TU Berlin verkaufte er am Kurfürstendamm Zeitungen und gründete1949 einen studentischen Zeitungsvertrieb, außerdem war er Mitbegründer der Tusma (Arbeitsvermittlung von Studenten). Weitere Unternehmungen des Unternehmungslustigen waren Schau-Aquarien in Westerland auf Sylt, am Timmendorfer Ostseestrand und in Oberstdorf/Allgäu (1957-1964).

Doch seiner wahren Berufung folgt Karsten Klingbeil erst mit 60 Jahren - er verschreibt sich den schönen Künsten, wird endgültig Bildhauer, was er seit seinem 14. Lebensjahr werden wollte.

Beim Gespräch in seinem Atelier in Wannsee, mit Blick auf verschiedene Kunstwerke, wie die Plastik von Hollywoodstar Tony Curtis ; auf Gußformen für große Plastiken und fertige Bronzestatuen sagt er: "Nach dem Verkauf meiner Baufirma habe ich mir endlich meinen Lebenstraum erfüllt. Meine Frau Ulla hat vor 20 Jahren zu meinem 60. Geburtstag gesagt, ich solle jetzt mein Leben ändern, sonst würde ich es nie mehr tun. Es war die richtige Entscheidung zur rechten Zeit." Seine Bildhauer-Arbeiten haben ihm nicht nur Preise eingebracht (darunter die Goldmedaille für Kunst der Stadt Paris); seine Skulpturen stehen in Deutschland, Frankreich, Belgien, Italien, Monaco, England und Amerika.

Die wichtigste Entscheidung seines Lebens war indes die Hochzeit mit seiner Ulla 1972, die sich mittlerweile einen Namen als Benefiz-Lady gemacht hat. "Meine vierte, aber endlich die richtige Frau!" Das Paar hat drei erwachsene Kinder. Sie wurden bodenständig erzogen. Kein Wunder bei einem Vater, der ehrlich sagt: "Ich empfinde nichts dabei, eine Auster zu essen oder einen Löffel Kaviar. Meine Lieblingsgerichte sind Kohlrouladen, Rührei mit Bratkartoffeln oder eingelegte Heringe."

Barbara Jänichen