Thomas Morris

Der Mann, der in zwei Welten lebt

Er hat in Steven Spielbergs Jahrhundert-Epos "Schindlers Liste" neben Ralph Fiennes als dessen Adjutant vor der Kamera gestanden, mit Burt Reynolds und Rob Lowe den Actionfilm "Crazy Six" gedreht, wirkte in dem von Ridley Scott produzierten historischen Epos "Tristan & Isolde" mit, ist aber auch in Tom Tykwers "The International" zu sehen oder in deutschen Produktionen wie "Tatort", "Der Bulle von Tölz", "Die Schatzinsel" und "Polizeiruf 110"

: Schauspieler Thomas Morris (42) lebt sechs Monate im Jahr in seiner Charlottenburger Altbauwohnung, die andere Hälfte des Jahres in Los Angeles. Ein Mann, der in zwei Welten lebt - auch beruflich.

Zuletzt drehte er den amerikanischen Thriller "Illuminati", eine Verfilmung des Dan-Brown-Bestsellers "Angels and Demons" mit den US-Stars Tom Hanks und Ewan McGregor, Regie führte Oscar-Preisträger Ron Howard ("A Beautiful Mind"). Außer von Morris und Armin Mueller-Stahl waren am Set keine deutschen Töne zu hören, allenfalls musikalische - der in Hollywood lebende Komponist Hans Zimmer hat die Musik geschrieben. Thomas Morris: "Es war die mit Abstand angenehmste Produktion, die ich in den vergangenen 20 Jahren gedreht habe. Wir hatten die schönsten Hotels und das beste Catering. Die Stimmung war sehr ausgeglichen, denn Hanks und Regisseur Howard sind beide harmoniebedürftige Menschen", schwärmt der Schauspieler beim Espresso macchiato im Journalistenclub im 19. Stock des Verlagshauses Axel Springer.

"Illuminati" hat am 4. Mai in Rom Weltpremiere und läuft ab 14. Mai weltweit in den Kinos. Was ist anders beim Drehen in den USA? "Die Amerikaner sind Meister in der Mitarbeiter-Motivation. Und sie bringen Privates und somit ihre Stimmungen nicht mit zur Arbeit. Aufnahmeleiter sind auch nach 16 bis 18 Stunden am Set freundlich. Außerdem hat jeder für sich einen Wohnwagen, um sich in den Drehpausen zurückzuziehen." Das Budget erlaubte zudem eine Drehdauer von vier Monaten.

In dem Thriller "Illuminati" geht es um den Mord an einem Nuklearwissenschaftler des CERN (Europäische Organisation für Kernforschung) in Genf. Die Aufklärung des Mordes an dem früheren Theologen führt Professor Robert Langdon (Hanks) nach Rom und zur Entdeckung eines Geheimbundes, der den Vatikan zerstören will. Thomas Morris verkörpert den Chef der Schweizer Gardisten (Wache des Papstes). "Ich trage allerdings keine bunte Uniform, wie sie die Touristen in Rom zu sehen bekommen, sondern agiere wie ein FBI-Mann im schwarzen Anzug."

Wenn Morris (der bis Ostern mit dem Stück "Mörderische Fantasien" auf Theatertournee ist) nicht vor der Kamera steht, schreibt er Gedichte und Geschichten. In seinem zweiten Buch "Ganz weit draußen" (Magic Buchverlag) beschreibt er auch Dreharbeiten mit Tieren aus dem Jahr 2006. "Die Arbeit mit Tieren vor der Kamera ist nicht einfach. Zum einen stehlen sie einem immer die Show, zum anderen sind sie obendrein auch noch gefährlich. Ich drehe zurzeit eine Gastrolle in eine Serie, in der die Hauptrolle von einem Affen gespielt wird. Alles, was er macht, ist niedlich und witzig. Er wirkt, als könne er kein Wässerchen trüben. In Wahrheit ist er ein wildes Tier. Er ist so gefährlich, dass ich unterschreiben musste, ihm nicht zu nahe zu kommen, ihn nicht zu berühren, ja, ihn nicht einmal anzusehen. Der ist ärger als Marlene Dietrich!"

Privat ist Thomas Morris seit sieben Jahren fest liiert. Wichtig ist für ihn in der Partnerschaft "Vertrauen" und eine Freundin, "die entspannt genug ist, wenn ich längere Zeit weg bin". Beim Dreh im Ausland besucht sie ihn oft. Über seine Schwäche sagt er: "Ich kann mir zwar Telefonnummern merken, aber sehr schlecht Namen von Menschen."