Naturkatastrophe

Maybrit Illner moderiert für Haiti

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"Haiti - Ein Land stirbt" titelte der "Spiegel" vor drei Wochen. Gestern Abend wurde im Kino Babylon am Rosa-Luxemburg-Platz vom Gegenteil gesprochen. "Haiti lebt!" hieß der bunte Abend, der zugunsten von Waisenkindern in Jacmel veranstaltet wurde.

Künstler wie Muriel Baumeister, Hans Werner Meyer und Gayle Tufts wollten mit ihrem Engagement auf der Bühne Geld sammeln für den Wiederaufbau des "Zentrums für obdachlose Kinder Jacmel". Das wurde bei dem verheerenden Erdbeben am 12. Januar zerstört, wie 70 Prozent der 40 000 Einwohner-Stadt. Die ist zwar 8188 Kilometer entfernt von Berlin, war gestern aber plötzlich ganz nah. Durch Filme, Musik und Texte.

Rike Schmid sprach zum Beispiel einen bewegenden Text über ein Begrüßungssprichwort haitianischer Frauen "Nouled nou la": "Das ist sicher nur ein geringer Teil, den man beiträgt. Aber ich finde es selbstverständlich, zu helfen", sagte die 30 Jahre alte Schauspielerin. Sie nutzte den Abend auch, um selbst mehr über das Land, die Leute und die haitianische Kultur zu erfahren. Simon Licht las einen englischen Text über die zwei haitianischen Kinderfiguren "Bouki und Malice". "Ich habe erst vor einem Jahr in der Karibik gedreht. Ich bin kein Typ, der immer gleich die Brieftasche aufmacht, aber hier nimmt man als Künstler richtig teil." Nicht nur auf der Bühne. Schauspielerin Jytte-Merle Böhrnsen verkaufte ganz uneitel Tombola-Lose im Foyer: "Es gibt alles zu gewinnen, vom selbst gestrickten Schal bis hin zum Wellness-Tag. Jeder Euro hilft", animierte sie das Publikum zum Kauf. Auch Maybrit Illner hat "keine fünf Sekunden überlegt", als sie gefragt wurde, ob sie den Abend moderieren würde. "Man kann nicht genug für eine solche Region tun." Persönlich war sie noch nie in Haiti, aber gedanklich schon oft. Sie ist mit Rose-Anne Clermont , der Organisatorin des Abends befreundet. Die in Berlin lebende Journalistin stammt aus Haiti, ist in den USA aufgewachsen und Vorsitzende der "Jacques A. Clermont Memorial Foundation". Die Stiftung wurde 1995 in Gedenken an ihren Vater, den Arzt Jacques A. Clermont gegründet. 2003 eröffnete die Stiftung ein Waisenhaus in dem über 20 Kinder zwischen fünf und 18 Jahren ein Zuhause fanden. Bis am 12. Januar die Erde bebte.

"Ich freue mich über das Engagement", sagte Haitis Botschafter Jean Robert Saget , "aber die Hilfe vor Ort müsste flüssiger sein. Es fehlen Zelte, Decken, Nahrungsmittel." Auch Maybrit Illner zeigte sich skeptisch: "Noch ein paar Wochen wird Haiti im Fokus der Öffentlichkeit sein, aber dann wird es wieder vergessen." Sie hatte leider Recht. Viele Plätze im Saal blieben bereits gestern leer.