Fernsehen

Horrmann wird RTL-Hotelinspektor

Wenn Heinz Horrmann die Augenbraue hebt oder die Stirn leicht kräuselt, ahnt der Kellner bereits, dass er gleich ein Problem hat. Mit Horrmann ist das nämlich so: Der Berliner Autor genießt einen hervorragenden Ruf als Hotelkritiker und Restauranttester, und auch wenn er im Designer-Anzug, mit Einstecktuch und perfekten Manieren ein Haus betritt, spart er nicht mit pointierter Kritik und einem Finger in der Wunde.

Berühmt ist er für seine Gastrokolumnen, unter anderen jede Woche in der Sonntagsausgabe der "Berliner Morgenpost", und als Autor von mehr als 30 Büchern. Zur Zeit schreibt Horrmann am vierten Band seines Erfolgs-Werkes "In fremden Betten". Jetzt bekommt er eine eigene Fernseh-Show.

Am 5. April startet, zur besten Sendezeit, um 19.05 Uhr, auf RTL sein neues Format "Der Hotelinspektor", zunächst mit acht Folgen, die sicherlich ebenso ausgeweitet werden wie die "Kocharena" auf Vox, in der Horrmann als Jury-Mitglied über das Können von Sterne- und Hobby-Köchen befindet.

Als Hotelinspektor ermittelt Horrmann die Schwachstellen in Herbergen, die kurz vor dem Ruin stehen und sich von der Beratung Horrmanns die Rettung in letzter Minute versprechen. Aus 80 Bewerbungen von Problem-Hotels hat RTL acht Häuser im Drei bis Vier-Sternebereich ausgesucht, sieben davon in Deutschland, eines auf Mallorca. "Ich habe gnadenlos alle Schwächen und Fehler aufgedeckt und angesprochen. Nach vier Wochen bin ich dann wieder hingefahren und habe mir angeschaut, ob sie meine Anregungen umgesetzt haben. Ob ich ein Wohlfühlaroma wahrnehme", berichtet Horrmann. Das genau sei es, auf was es ankäme in einem gut geführten Haus: "Ich schaue mir zu allererst an, ob das Hotel eine Persönlichkeit ist, an die ich gern denke. Ob der Gast im Mittelpunkt steht oder nur im Weg", verrät Horrmann aus seinem sonst gut gehüteten Testbogen.

Da ihn in der Top-Hotellerie und in den Sterne-Restaurants jeder kennt, wird schon bei Anreise versucht, aufs Feinste zu drehen. Da ist dann wie zufällig die schönste Suite frei, der beste Tisch, der erfahrenste Kellner. Doch Horrmann lässt sich nicht blenden. "Wenn ich in einer Suite untergebracht bin, die eine Fotoschönheit ist, gehe ich früh morgens mit der Brigade der Zimmermädchen los und lasse mir die Problem-Zimmer zeigen. Etwa die neben dem Fahrstuhl oder neben der Küche. Da sehe ich dann gleich, welches Herz hier schlägt." Natürlich schaue er sich auch die Hardware an, ganz wichtig: Die Badezimmer. "Ich prüfe, wie gut sie gelüftet und gereinigt sind, wie leicht man in die Dusche kommt und wieder raus. Ich schaue auch immer sofort, ob ich Ränder an Spiegel oder Zahnputzbechern finde."

Für den "Hotelinspektor" besuchte Horrmann unter anderen ein Familien-Hotel an der Nordsee, in dem ein tragisches Unglück zu großen Problemen führte. "Der Vater war plötzlich verstorben, der Sohn hat geerbt, doch er hatte keinerlei Erfahrung mit Hotellerie", berichtet Horrmann. "Ich habe mit ihm einen Schnelllehrgang absolviert und ihm dabei die wichtigsten Details erläutert." So etwa, dass der Gast so oft wie möglich mit Namen angesprochen werden sollte, damit er sich geehrt fühlt. Dass ein herzliches Willkommen auch beinhalten sollte, dass man mit den Gästen Blickkontakt hält. Oder ein Frühstücksbüfett nicht viel Geld kosten, aber hübsch angerichtet sein muss. "Nichts Abgepacktes, sondern filetiertes, frisches Obst und individuell zubereitete Eierspeisen à la minute."

Sieben von acht Hotels haben die Pleite dank Horrmann umgehen können, so viel darf verraten werden. "Nur in einem Fall kommt das Staatsbegräbnis."