Esoterik im Fernsehen

Maischberger lässt sich Zukunft vorhersagen

Es war ein ziemlich schmales Brett, auf dem sich Sandra Maischberger und ihre Gäste Dienstagnacht bewegten. Zum Thema "Seher und Propheten - Geheimwissen oder fauler Zauber?" entwickelte sich eine wilde Diskussion zwischen der rumänischen Wahrsagerin Viorica Winterling, TV-Pfarrer Jürgen Fliege, Seherin Lilo von Kiesenwetter (vorgestellt als "Deutschlands bekannteste Wahrsagerin"), der "Engeldolmetscherin" Alexa Kriele und den Kritikern Heike Dierbach (Psychologin) und Amardeo Sarma, der Hellsehern wissenschaftlich das Handwerk legen will.

Maischberger, eher Realistin und pragmatisch, distanzierte sich zwar sichtlich von den wilden Äußerungen Alexa Krieses und Jürgen Flieges, die sich darin einig waren, dass Menschen mit Krebs oder Aids ihre Erkrankung selbst verschuldet haben und damit eine Schuld aus einem früheren Leben abarbeiten sollen. Jedoch war sie mutig genug, den beiden Damen, die von sich behaupten, in die Zukunft sehen zu können, aus der Hand lesen zu lassen.

Winterling deutete die Handlinien der Moderatorin sympathischer und mit einer gewissen Distanz, sagte ihr voraus, dass sie weit über 90 Jahre alt und in ihrem Beruf von Jahr zu Jahr besser werden würde. Sie sei kreativ und geradeaus, großzügig und gebefreundlich. Sie, Maischberger, werde immer im Stress sein und niemals aufhören zu arbeiten. Nun gut, das kann man ungeprüft jedem Menschen prophezeien, aber für den Zuschauer war das ganz nett - auch wegen Winterlings leicht betörendem Akzent. Kiesenwetter wiederum trat burschikos auf, mit dicker Perlenkette und monströsen Ringen an den Fingern. "Das nächste Mal, wenn wir uns wieder sehen, tragen sie eine Brille. Das sehe ich." Als Maischberger zaghaft fragte, ob sie weit- oder kurzsichtig werden würde, polterte die "Seherin vom Rhein": "Das weiß doch ich nicht, ich bin kein Arzt." Kiesenwetter sah auch, dass die Moderatorin noch einmal umziehen werde. "Weil mein Haus abbrennt?" Das könne sie nicht sagen, aber es werde jedenfalls in kürzerer Zeit sein, in ein festes Feriendomizil, in das ziehe sie mit Mann und Kind. Darauf Maischberger: "Na ja, es gibt Schlimmeres als ein Ferienhaus." Zu guter Letzt ließ Kiesenwetter das Millionenpublikum wissen: " Angela Merkel wird in diesem Jahr definitiv eine Ehekrise bekommen. Das sehe ich."