Rainer Hunold: Gestern Anwalt, heute Arzt, morgen Ankläger

Vom Rechtsanwalt zum Arzt zum Staatsanwalt - solche Berufswechsel sind nur in der Filmwelt möglich. Als Rechtsanwalt löste Schauspieler Rainer Hunold in der ZDF-Serie "Ein Fall für Zwei" verzwickte Fälle. Dann wechselte er zur ARD und übernahm die "Praxis Bülowbogen" von Günter Pfitzmann . Am 10. Januar startet der 55jährige eine neue Karriere: Im ZDF-Fernsehfilm "Der Staatsanwalt - Henkersmahlzeit" spielt er den Oberstaatsanwalt Bernd Reuther.

"Der Staatsanwalt" ist zunächst nicht als Reihe vorgesehen. Doch Hunold hat durchaus Hoffnung: "Wir sind auf dem Prüfstand mit dem Film. Wenn die Quote gut ist, dann wird es sicherlich weitere Folgen geben. Wenn nicht, dann bleibt es wahrscheinlich bei einem Film." In dem Streifen muß er sich nicht nur mit einem spannenden Fall, sondern auch mit seinem Sohn und der Familienvergangenheit auseinandersetzen.

Die Arztrolle in "Dr. Sommerfeld - Neues vom Bülowbogen" brachte es mit sich, daß Hunold im Fernsehen auch in Werbespots für ein Magnesium-Präparat zu sehen war. An sich ein Kuriosum, denn einen ernährungsbewußten Eindruck macht Hunold nicht.

"Ich bin eben nicht dünn gemeint, das weiß ich", steht der Schauspieler zu seinen Pfunden. Stolze 40 Kilo habe er mal abgenommen. Danach sei er mit sich jedoch überhaupt nicht mehr zurechtgekommen. "Meine Ausstrahlung war weg, ich kam mit dem Beruf nicht mehr klar." - Rainer Hunold legte "mit großer Lust" wieder zu.

Neben der Schauspielerei findet der am 1. November 1949 in Braunschweig geborene Wahlberliner immer noch Zeit für vielfältiges soziales Engagement. Er ist als Botschafter für die SOS-Kinderdörfer unterwegs und macht bei "Gesicht zeigen! Aktion weltoffenes Deutschland" mit. In seiner Freizeit düst der verheiratete Vater zweier Kinder gern mit dem Motorrad durchs Berliner Umland.

Den Durchbruch schaffte Hunold 1978 an der Seite von Ursela Monn und Mathieu Carrière im ZDF-Mehrteiler "Ein Mann will nach oben" nach dem gleichnamigen Roman von Hans Fallada. Hunold hatte erst kurz zuvor seine Schauspielausbildung an der Max-Reinhardt-Schule in Berlin beendet, nachdem er es noch mit einem Studium der Kunstpädagogik und Germanistik versucht hatte. 1982 wurde er für seine Hauptrolle in "Kollege Otto" mit dem Adolf-Grimme-Preis in Gold ausgezeichnet.

Auf die Theaterbühne allerdings zieht es Hunold nicht mehr. "Ich halte die Fernseh- und die Theaterschauspielerei für zwei verschiedene Berufe", erklärt er. Er sei eben schnell ins Fernsehgeschäft reingerutscht und werde auch dabei bleiben. Die Vorteile seien nicht von der Hand zu weisen. "Beim Theater wird immer abends gespielt. Und ich freue mich eben, daß ich abends Zeit für meine Familie habe", grinst Hunold.

Und außerdem leide er immer noch an Lampenfieber. "Und wenn ich dann morgens aufstehen würde und wüßte, ich muß abends auf einer Bühne stehen - das ginge gar nicht."

BM