Verzicht auf den Lorbeerkranz

Wer Rupert Scholz fragt, ob er als Politiker je etwas bewegen konnte, erhält die Antwort: "Ja, ein einziges Mal, nämlich 1986, als ich noch Berliner Bundessenator war. Da habe ich das Fußball-Pokalfinale in meine Heimatstadt geholt. Ich bin noch immer stolz darauf, dass mir dies gelang", so der Aufsichtsratsvorsitzende von Hertha BSC. Es ist schon bemerkenswert, dass die Entscheidung über den Austragungsort des Pokal-Endspiels dem Fußballnarren Scholz mehr bedeutet als alles, was er sonst von 1981 bis 1988 als Senator, 1988/89 als Bundesverteidigungsminister und von 1990 bis 2002 als CDU-Bundestagsabgeordneter erreichen konnte. Er hat gewiss mehr Spuren hinterlassen - auch in den 25 Jahren als Rechtswissenschaftler an der Universität München. Scholz, der im Mai 67 Jahre wird, meldet sich in der Fachwelt regelmäßig mit Publikationen zu Fragen des Staats- und Verfassungsrechts zu Wort.

Er und seine Ehefrau Helga Scholz haben zwar auch eine Wohnung in München. Zu Hause sind sie aber in einem schönen weißen Bungalow auf einem Seegrundstück in Grunewald. Sie können ihr 1991 erworbenes Domizil inzwischen weit mehr als in früheren Jahren genießen.

Denn seit der Hausherr im Herbst 2002 aus dem Bundestag ausgeschieden ist, kann er nach seinen Worten "Privatleben und Arbeit auf ideale Weise verbinden". "My home is my castle", ist für das Ehepaar Scholz zum Lebensmotto geworden.

Vor allem Helga Scholz, eine promovierte Juristin, die lange als Bundesrichterin in Karlsruhe und dann bis zum Ruhestand am Bundesverwaltungsgericht in Berlin tätig war, legt wenig Wert auf das gleißende Licht der Öffentlichkeit. Sie ist glücklich, an einem der idyllischsten Flecken der Stadt mit Blick ins Grüne und aufs Wasser leben zu können, umgeben von Gemälden, Biedermeiermöbeln und anderen schönen Dingen.

Auch der Juraprofessor Rupert Scholz kann auf die Selbstdarstellung nach draußen verzichten. Der Zigarillo-Raucher ("bis zu 12 Stück am Tag") schätzt es überaus, dass er seine reichhaltige juristische Privatbibliothek zur Hand hat. Die Studierstube liegt gleich neben dem lichtdurchfluteten Wohnzimmer. An seinem geräumigen Berliner Schreibtisch entstand ein Teil der Aufsätze und Gutachten, mit denen er in jüngster Zeit zum Beispiel als Mitglied der Föderalismuskommission und als Mitglied des Europäischen Verfassungskonvents von sich Reden machte. Scholz denkt schon daran, wie er vor allem die wichtige Arbeit des Mitherausgebers und Mitautors am maßgeblichen Grundgesetzkommentar Maunz Dürig weiterführen kann, wenn er im Sommer 2005 emeritiert ist. Dafür hat er sich vor einem Jahr einen Computer angeschafft. An Ruhestand möchte einer wie Scholz jedenfalls nicht denken. "Ich fühle mich unwohl, wenn ich ohne Beschäftigung bin", sagt er. Innerhalb weniger Monate hat er im vergangenen Jahr ein Buch mit dem doppelsinnigen Titel "Deutschland - in guter Hoffnung?" auf Tonband diktiert. Er sucht noch einen Verleger für das aus der Sicht des Verfassungsjuristen geschriebene 400 Seiten starke Manuskript. "Auf die Idee, Memoiren zu schreiben, käme ich jedoch nie", versichert Rupert Scholz. "Ich will mir keinen Lorbeerkranz aufsetzen. Die Selbstdarstellung liegt mir einfach nicht. " Also dürften manche Anekdoten aus seinem politischen Leben, die er in trauter Runde beim Bier gern erzählt, wohl nie einem breiten Publikum bekannt werden. Vor allem seine eng und herzlich gebliebene Beziehung zu Helmut Kohl stellt für Scholz so etwas wie einen Tabubereich dar. Er redet nicht darüber.

Aber er zeigt Cotta'sche Erstdrucke von Goethe und Schiller vor, die er gesammelt hat. Und er verrät, dass er auch Krimis "ausgesprochen gern" liest. Seit Jahrzehnten hat das Ehepaar Scholz ein Philharmoniker-Abonnement. Beide lieben die bildenden Künste, das Reisen, italienisches Essen und gehen, wenn sie in Berlin sind, möglichst jeden Morgen im Pool eines nahen Hotels schwimmen. Auch sind sie passionierte Skifahrer.