"Auf die Bühne zu gehen, ist so ähnlich wie reisen"

Die Schauspielerei liegt ihr wirklich im Blut. Man muss ziemlich schnell denken können, wenn man ein Gespräch mit Suzanne von Borsody führt.

Die Schauspielerei liegt ihr wirklich im Blut. Man muss ziemlich schnell denken können, wenn man ein Gespräch mit Suzanne von Borsody führt. Sie reiht keine platten Sätze aneinander. Und sie beantwortet Fragen nicht einfach so. Dass, was sie sagen möchte, drückt sie bildhaft aus. Beispiel, gestern Nachmittag im menschenleeren Café des Renaissance-Theaters. Wir wollen wissen, wie sie sich auf eine Rolle vorbereitet. Suzanne von Borsody steht auf, läuft ein paar Schritte, murmelt etwas, dreht sich um, ruft: "Ich habe keine Zeit. Soll ich meine Haushälterin bitten, Ihnen einen Tee zu machen?" Pause. Sie wiederholt die Szene. "So könnte man das spielen, aber ist es das, was eine Frau sagt, die was verbrochen hat, die Polizei im Haus hat und eigentlich nur ihre Papiere holen und abhauen will? Was denkt diese Frau? Was sagt sie, um möglichst unverdächtig rüber zu kommen?" Das Bild muss stimmen, die Situation authentisch sein. Das beschäftigt Suzanne von Borsody, wenn sie in die Rolle eines anderen Menschen schlüpft. Ob im Film oder auf der Bühne. Dieser Anspruch ist es, der neben ihrem unbezweifelten Talent ihren Erfolg ausmacht. Ab morgen steht sie wieder in Berlin auf der Bühne: mit Schauspieler Friedrich Schoenfelder , im Renaissance-Theater, in der Wiederaufnahme des Stücks "Verdammt lang her", das im vergangenen Jahr an jedem Spielabend ausverkauft war. In der Komödie (bis 6. Januar, außer am 23. und 24. Dezember sowie 1. und 2. Januar) spielt Borsody die kurzsichtige Lady Driver, Ehefrau des Rektors eines Colleges, in dem sich die Absolventen nach 25 Jahren treffen, um die alten Zeiten wieder aufleben zu lassen. Als Lady Driver auftaucht, kochen die Emotionen hoch. Es gab damals keinen Schüler, der nicht in sie verliebt war...

Ob sie Lampenfieber habe? "Manchmal schon. Auf die Bühne zu gehen, ist so ähnlich wie eine Reise. Die Koffer sind gepackt, die Zähne geputzt. Du steigst ins Taxi und bist aufgeregt. Am Bahnhof siehst du viele Menschen, hörst Stimmengewirr. Du weißt nicht, was sich auf der Reise ergibt." Am 23. Dezember fliegt Suzanne von Borsody nach Frankfurt/M. Zusammen mit ihrer Mutter, der Schauspielerin Rosemarie Fendel , und ihrem Verlobten Jens Schniedenharn , feiert sie Weihnachten. Sie wird einen Benjamino als Weihnachtsbaum schmücken. Die Krippe besteht aus drei Trollen, die sie geschenkt bekam, als sie vier Jahre alt war. Und aus Holzengeln, die ihre Mutter früher mit der Laubsäge selbst gemacht hat. "Nur Dinge, die das Familienleben begleitet haben. Man weiß ja auch nicht, wie Jesus, Maria und das Kindlein aussehen." Suzanne von Borsody glaubt an Gott. "Und an gute Hirten, aber nicht an falsche Propheten." Am 26. Dezember steht sie wieder auf der Bühne in Berlin. Bei dieser Vorstellung darf der Applaus nicht gar zu lange dauern. Wenn der Vorhang nämlich fällt, läuft ihr neuer Film im ZDF (21.20 Uhr): "Am Anfang war es Liebe". Den hat sie selbst auch noch nicht gesehen.

Franziska v. Mutius