Prominente

Ein poetischer Sonntag mit Iris Berben

Die Autofahrt vom Wannseebadweg zum "Würth Haus Berlin" auf der Insel Schwanenwerder geht vorbei an schneebedeckten Bäumen. Die Sonne scheint. Wenig später verbreitet im Foyer der Berliner Repräsentanz der Würth-Gruppe an der Inselstraße der Kamin mit seinen brennenden Holzscheiten wohlige Wärme

: Stimmungsvoller konnte die Voraussetzung für die Veranstaltung "Ein poetischer Sonntagmorgen auf Schwanenwerder" gestern Vormittag wohl kaum sein. Hausherr Manfred Kurz , Berliner Repräsentant der Würth-Gruppe, hatte in Kooperation mit dem Verein "Gesicht zeigen!" zur Sonntags-Matinee mit Iris Berben und Uwe-Karsten Heye geladen. Der Ex-Regierungssprecher hatte die Initiative im Jahr 2000 mit dem inzwischen verstorbenen Paul Spiegel, dem damaligen Präsidenten des Zentralrates der Juden, mit dem Ziel gegründet, gegen rechte Gewalt aktiv zu werden und für ein weltoffenes Deutschland einzutreten. Zu den Prominenten der ersten Stunde gehört Schauspielerin Iris Berben , die sich seit der Gründung für "Gesicht zeigen!" einsetzt. Für die Matinee-Veranstaltung mit 180 Gästen (unter ihnen Bahnchef Hartmut Mehdorn mit Ehefrau Hélène , Friede Springer , TV-Moderator Ulrich Meyer und seine Frau Georgia Tornow , Ex-BDI-Hauptgeschäftsführer Ludolf von Warten berg ) verzichtete sie auf einen Großteil ihres einzigen drehfreien Tages.

"Ich drehe seit acht Wochen den ZDF-Dreiteiler ,Die Krupps', spiele die Rolle der Bertha Krupp. Meinen Sohn Alfried verkörpert Benjamin Sad ler . Zurzeit drehen wir in der Nähe von Weimar", erzählte die Schauspielerin, die von ihrem Freund Heiko Kiesow begleitet wurde. "Ja, er ist heute auch hier", bestätigte sie und schwärmte von ihren Rollen: "Gerade erst habe ich die Kaufmannsfrau und Konsulin Betsy Buddenbrook spielen dürfen. Der Film kommt an Weihnachten in die Kinos. Zwei interessante Frauenfiguren hintereinander, das ist ein Glücksfall." Gestern Vormittag sorgte Iris Berben mit ihren lebendig vorgetragenen Erinnerungssplittern persönlicher Lebensgeschichten aus der Biografie der Medienwissenschaftlerin Helga Keller , und aus dem Buch von Cioma Schönhaus "Der Passfälscher", für berührende und spannende Momente. Beeindruckend auch die filmische Inszenierung von Regisseur Robert Thalheim , die auf einer großen Leinwand gezeigt wurde: In dem Kurzfilm "Poesiealbum" wird jene wahre Geschichte der inzwischen in New York lebenden Berliner Jüdin Marion House und ihrer Schulfreundin, die sich plötzlich von ihr abwendet, nacherzählt. In den Gesichtern der Geladenen war Betroffenheit zu erkennen.

Der Film gehört zu dem neuen Ausstellungsprojekt, das Sophia Oppermann , Geschäftsführerin von "Gesicht zeigen!" anlässlich der Matinee vorstellte. Das Projekt, das im Frühjahr 2010 zunächst in Berlin präsentiert werden soll, wird gelebte Erfahrungen aus Geschichte und Gegenwart für Jugendliche von heute nahbar machen. Oppermann: "Es soll künstlerische Installationen geben, Inszenierungen und Bühnenbilder."

Übrigens: Für Heiterkeit an dem so nachdenklichen Vormittag, der mit einem Stehempfang endete, sorgte Uwe-Karsten Heye: Weil er seine Lesebrille vergessen hatte, half Jeanette Tüngler vom Lions Club Glienicker Brücke gern aus. Doch ihre modische Lesehilfe war mit Strass besetzt und für weibliche Trägerinnen gedacht. Heye setzte die Brille etwas zögernd auf, erklärte: "Weil sie strassbesetzt ist, soll das kein frühes Outing sein..."