Eva Gruner: Es tut noch immer sehr weh

Sie hat Wolfgang Gruners Ehe gestiftet und half seiner Witwe Eva über den Schmerz nach dem Krebstod des großen Berliner Kabarettisten. Am Dienstagabend begleitete Gertraude Henschel ihre beste Freundin Eva Gruner bei deren erstem öffentlichen Auftritt nach dem Tod von Wolfgang Gruner am 16. März. Es war ein schwerer Gang. Er führte die Witwe zu den «Stachelschweinen» ins Europacenter, dessen bekanntestes Ensemblemitglied Wolfgang Gruner war.

Vorn rechts in der Loge hatten Eva Gruner und Gertraude Henschel an Tisch 14 Platz genommen, um das Sondergastspiel «Ein flotter Dreier» anzusehen. In der Pause erzählte Eva Gruner, wie sie den Schmerz verarbeitet, was sie bei der Rückkehr zum Ensemble empfindet, wie sie Wolfgang Gruner kennen lernte und warum er fast ein Jahr um ihre Liebe werben musste.

«Es tut sehr weh, heute hier zu sein. All die Erinnerungen», sagt Eva Gruner. «Es ist das erste Mal seit Wolfgangs Tod, dass ich bei den Stachelschweinen bin. Es ging nicht früher. Ich kann noch immer keine Platte von ihm hören, keinen Film sehen, der mit seiner Stimme synchronisiert wurde. Auch das Video habe ich noch nicht angeschaut, dass bei der Trauerfeier aufgenommen wurde.» Nach der Beerdigung wollte Eva Gruner keinen Besuch. Einladungen der Mitglieder der Stachelschweine lehnte sie ab, obwohl sie sich darüber gefreut hat. «Ich bin ein Mensch, der so etwas mit sich selbst ausmacht.» Trost in der schweren Zeit kam von Tochter Stefanie und Freundin Gertraude. Die Rückkehr in das Europacenter birgt eine doppelte Erinnerung für Eva Gruner. «Wissen Sie, hier habe ich Wolfgang zum ersten Mal getroffen. Ich war mit meinem Chef unterwegs und er wollte sich eine Vorstellung anschauen. Anschließend saßen wir mit Wolfgang an einem Tisch. Als ich kurz weg war, hat er zu meinem Chef gesagt: Die blonde Freche, die heirate ich.'» Eva Gruner lächelt. «Zu dem Zeitpunkt aber wollte ich gar nicht heiraten und schon gar nicht den.» Der Gedanke sei ihr unheimlich gewesen, vor allem, weil der Kabarettist damals schon so populär war. «Also bin ich erst mal abgehauen, nach Sylt und nach Hamburg», sagt Eva Gruner. «Und ich sollte dich überall suchen. Ich war der Postillon d'amour», ergänzt Gertraude Henschel mit verschmitztem Blick.

«Wolfgang ließ nicht locker und schickte mir ganze Eimer mit roten Rosen. Besucht hat er mich in Hamburg auch», erinnert sich die Witwe. Ein Dreivierteljahr hat sie ihn zappeln lassen, dann hatte er ihr Herz erobert. Nicht zuletzt wegen seiner einzigartigen Stimme. Die können die Berliner immer noch hören, im Radio, als Werbung für das Unternehmen Thilo Stöhr. «Ich hoffe, dass ich das nicht zufällig hören muss. Das täte mir weh, das ist mir unheimlich», sagt Eva Gruner. «Aber ich bin sicher, Wolfgang würde sich darüber freuen, dass Berlin ihn nicht vergisst.»

Um das Lebenswerk ihres Mannes weiterzuführen, übernahm Witwe Eva Gruner dessen Sitz in der «Stachelschweine GmbH». mut