Rock-Röhre Ina Deter feiert ihr Comeback

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Feminismus wird wieder in - in neuer Manier und mit modernem Programm. Statt auf der Straße findet die aufmüpfige Damenwelt ihre Foren heute vielmehr in Magazinen - allen voran "Emma"-Herausgeberin Alice Schwarzer -, aber auch im Fernsehen und auf der Bühne.

Feminismus wird wieder in - in neuer Manier und mit modernem Programm. Statt auf der Straße findet die aufmüpfige Damenwelt ihre Foren heute vielmehr in Magazinen - allen voran "Emma"-Herausgeberin Alice Schwarzer -, aber auch im Fernsehen und auf der Bühne.

Erst dieser Tage regte Ex-Viva-Moderatorin Charlotte Roche mit ihrem Romandebüt "Feuchtgebiete" eine neue Diskussion um die sexuelle Identität der Frauen an. Jetzt meldet sich auch die Sängerin und bekennende Emanze Ina Deter wieder zurück: Neue Zeiten braucht das Land, findet die heute 61-jährige Rockröhre, die 1982 mit dem Single-Hit "Neue Männer braucht das Land" ihren Durchbruch in Deutschland schaffte. Nach mehr als sieben Jahren singt die gebürtige Berlinerin morgen Abend wieder über das Leben, die Leiden und Leidenschaften der Frauen.

Ab 21 Uhr tritt Deter in der Berliner Wabe mit bekannten, neu arrangierten sowie bislang unveröffentlichten Liedern auf. Als die studierte Grafik-Designerin, die rund zwei Jahrzehnte in Köln lebte, in der deutschen Hauptstadt das letzte Mal auftrat, war sie noch pink und punkig gekleidet, beinahe 13 Jahre ist das mittlerweile her.

Morgen wird es weniger provozierend laut zugehen, eher anregend, verspricht Ina Deter. "Wir wollten das Bombastische weghaben, das Keyboard und das Schlagzeug. Wir sind eben alle ein wenig älter geworden", erklärt die Musikerin.

Für ihr jüngstes Album nahm sie elf ihrer bekanntesten Hits aus der Schaffensperiode von 1976 bis 2007 neu auf. "Ich wollte nach über 24 Jahren mal wieder was mit Micki Meuser machen", erzählt sie. Meuser hatte den Song "Neue Männer", bis heute einer der Klassiker der Neuen Deutschen Welle, produziert.

Der eigentliche Grund für das Comeback aber ist "ein Wunder": 2002 an Brustkrebs erkrankt, hatte Deter 28 Chemotherapien zu überstehen. "Ich habe mich mit dem Krebs unterhalten", erzählt sie. Herausgefordert würde es besser treffen. "Jetzt wollen wir doch mal sehen, wer die Stärkere ist", habe sie dem Tumor als Ansporn an ihren Kampfgeist gesagt.

Dass sie seit einem Jahr aber als geheilt gelte, sei "ein Wunder", glaubt sie.

Deswegen ist auch ihr neuestes Album unter dem Titel "Ein Wunder" erschienen. Die gleichnamige Single auszukoppeln sei aber gefloppt, räumt der bekennende Grönemeyer-Fan ein.

Den Text zu "Ein Wunder" hat Deter, die Ende der 60er zusammen mit der grünen Friedensaktivistin Petra Kelly mehrere Male "auf die Straße ging", bereits 1984 geschrieben. Er beschreibt die Folgen des Klimawandels. "Das läuft im Radio nicht so gut. Man stößt mit solchen Liedern auf taube Ohren in dieser Zeit", moniert sie. Dabei "müssten wir mal wieder was machen, demonstrieren oder so", sagt Deter. "Aber heute geht das anders."

Eben: Mikrofon statt Megafon. Lauschangriffe via Media und Musik, das ist 40 Jahre nach der Frauenbewegung für Feministinnen hierzulande die beste Chance auf Gehör.

Ina Deters raue Stimme wird daher statt von Keyboard und Schlagzeug bei dem Konzert morgen Abend von eher ruhigen Klängen eines Cellos, eines Cajóns und vom Bass begleitet. Die Tonart Deters aber wird wieder harsch sein, wie eh und je: Geprägt von zahlreichen Werken der französischen Schriftstellerin Simone de Beauvoir, steht die Deter auf der Bühne, singt gegen Kapitalismus, für Emanzipation und "die Befreiung aus der Vormundschaft der Männer". Sonja Vukovic