"Deutsche Männer können nicht flirten und sind zu schüchtern"

"Es ist zum Verzweifeln. Die deutschen Männer sind viel hübscher als die Männer auf der Insel", sagt die englische Journalistin Ruth Elkins , "aber sie können einfach nicht flirten." Die Korrespondentin, die für die britische Zeitung "Independent" regelmäßig die Kolumne "Berlin Stories" schreibt (wie die Journalistin Carrie aus der Pro 7-Serie "Sex in the City"), kann es nicht fassen: Seit zehn Monaten lebt die 24-Jährige mittlerweile in Berlin und ist immer noch Single.

Oft, viel zu oft hat sie es probiert: geschaut, gelächelt, selbst nach stundenlangem Blickkontakt hat sich kein Mann getraut, sie anzusprechen. In England oder in anderen Ländern sind die Männer nicht so schüchtern, sagt Elkins. Massenweise Briefpost hat sie bekommen, nachdem sie vor zwei Wochen in dem Nachrichtenmagazin "Focus" die Flirtdefizite der deutschen Männer bemängelte. Einer hat ihr nun sogar einen kostenlosen Urlaub an der Ostsee schenken wollen - mit ihm zusammen, versteht sich.

Die Flirtbereitschaft und Sehnsucht nach einer Beziehung ist also doch vorhanden, schließt Elkins aus den zahlreichen Liebesbriefen. Die Männer trauten sich in Deutschland nur nicht. Es könne auch daran liegen, dass die Frauenbewegung hier zu Lande viel ausgeprägter ist als in England, vermutet Elkins. Daher seien deutsche Männer wohl ein wenig eingeschüchtert und verhielten sich Frauen gegenüber zurückhaltender.

Mit Machos allerdings hat Ruth Elkins wenig am Hut. "Die Italiener mit ihren draufgängerischen Sprüchen und der selbstverliebten Art können mir nicht imponieren", sagt sie. Wie dagegen ein perfekter Flirt sein sollte, kann die Journalistin nicht genauer beschreiben, "es sollte einfach prickeln", sagt sie. Eine gewisse Spannung sollte in der Luft liegen.

"Selbst mit dem simplen Smalltalk tun sich die Männer in Berlin schwer", so Elkins. Mit den meisten von ihnen könne man sich nicht einmal über das Wetter unterhalten, beklagt sie. Auch würde es vielen deutschen Männern an guten Manieren fehlen: "Kaum einer hält einer Frau die Tür auf oder hilft ihr in den Mantel", sagt Ruth Elkins. "Gentlemen sind in Berlin leider eine Seltenheit."

Wer ihr absoluter Traummann sei? Der englische Fußballprofi David Beckham vielleicht? "Nicht unbedingt", sagt sie. Wie wäre es denn mit Popstar Robbie Williams ? "Der sieht gut aus. Aber es sollte schon ein richtiger Mann sein", so Elkins und überlegt.

"Wolfgang Clement, der Politiker", sagt sie auf einmal und lächelt, "das ist ein Mann mit Ausstrahlung."

Philipp Göthel