Kaviarsause und Wohltätigkeit: Die Society tanzt den Zarenball

Russlands Präsident Wladimir Putin und Bundeskanzler Gerhard Schröder hatten die Initiative ergriffen für das «Russlandjahr in Deutschland», das 2003 die Beziehungen zwischen den beiden Völkern intensivieren soll. Als Auftaktveranstaltung wollten die Freunde Russlands in Berlin gestern Abend ihren vierten internationalen Zarenball feiern. Mit höfischer Pracht, livriertem Service-Personal und einem typisch russischen Menü (bei dem roter Kaviar, Wodka und Champagner nicht fehlen durften) samt Dessertfeuerwerk um Mitternacht wollte Organisator Alexander Kozulin im Ballsaal des Adlon die höfische Pracht und Kultur des Zarenhofes aufleben lassen.

Vor dem Hotel sollten ein Spalier aus Darstellern in historischen Uniformen und ein Hofmeister die Gäste am Roten Teppich begrüßen. Die Veranstaltung, zu der unter anderen Schauspielerin Marie-Luise Marjan , die Boxer Wladimir und Vitali Klitschko sowie Eduard Prinz von Anhalt und Maja Prinzessin von Hohenzollern erwartet wurden, stand unter dem Motto «Alexander I.» Der Zar lebte von 1777 bis 1825 und wurde vor allem durch seinen Sieg über Napoleon berühmt.

Der Zarenball ist der Mittelpunkt eines dreitägigen Benefizwochenendes, das am Freitagabend mit einem Konzert zugunsten musisch hochbegabter, aber mittelloser Kinder aus Russland im Russischen Haus der Kultur begann. Nach der langen Ballnacht im Adlon gibt es heute ab 10 Uhr für die Partygäste zum Ausklang ein Zarenfrühstück im Adlon. Schirmherrin ist Irina von Bismarck , die mit einem Nachfahren des «Eisernen Kanzlers» Otto Fürst von Bismarck, Alexander von Bismarck , verheiratet ist und im Schloss Döbbelin in der Altmark lebt.

Die gebürtige Russin und ausgebildete Musikerin Irina von Bismarck (spielte sieben Jahre lang die erste Bratsche im Orchester von «Philharmonie der Nationen»-Dirigent Justus Frantz ), erklärt, warum der Zarenball keine überflüssige Party und für Berlin wichtig ist: «Mit dem Zarenball feiern und pflegen wir die alten Zeiten, die Traditionen und auch die Freundschaft zwischen Deutschland und Russland. Es ist kein Kostümball mit irgendeiner Show. Der Zarenball ist unser Neujahrsfest, mit dem wir an Zar Alexander I. erinnern wollen, der zur Befreiung Europas beigetragen hat. Aber wichtiger als die Monarchie sind die Werte, die sie uns mitgegeben hat.»

Irina von Bismarck will in Erinnerung dieser Werte vor allem eines: ihren Mitmenschen helfen. Mit Tränen in den Augen berichtete sie gestern von ihrem schwer kranken Schützling, dem 15-jährigen Wundergeiger Kolja Altinov aus Moskau. Der junge Musiker hat Lymphdrüsenkrebs und muss schnellstmöglich operiert werden. Für die lebensrettende OP fehlen Irina von Bismarck noch 70 000 Euro. Wer helfen möchte, spendet an: Deutsche Lebensbrücke e.V., Dresdner Bank München, Konto 300 100 300, BLZ 700 800 00, Stichwort: «Kolja». mut