Leserbriefe

„Arztpraxen stören weniger als Ferienwohnungen“

Zum Artikel: „Bezirke spüren Hunderte illegale Ferienappartements auf“ vom 15. Juni

Mal abgesehen davon, dass ein Ferienwohnungsanbieter den Gutachtenauftrag erhalten hat, halte ich seine Hauptargumente für die angebliche Verfassungswidrigkeit des Gesetzes für falsch. Erstens geht der Vergleich von Ferienwohnungen mit Arztpraxen oder Anwaltskanzleien unter mehreren Gesichtspunkten fehl. Denn derartige Nutzungen sind vergleichsweise arm an Belästigungen der Mieter in umliegenden Wohnungen, sie machen weder nennenswert Lärm noch Schmutz. Ganz anders als Touristen in Ferienwohnungen, die tags und vor allem nachts leider häufig Lärm verursachen. Zusätzlich tun das auch die Putzkolonnen, und zwar vorzugsweise in der Mittagszeit, wenn Mieterwechsel stattfindet, gern auch sonntags. Sie entsorgen ihren Müll nicht ordnungsgemäß, weil sie sich nicht ausreichend zurechtfinden, und auch die Sicherheitslage in den Häusern wird erheblich verschlechtert, weil man die Mieter, die zu jeder Tages- und Nachtzeit ein- und ausgehen, nicht kennt – sie wechseln schließlich alle paar Tage. Außerdem ist der Betrieb einer Kanzlei oder Praxis für den betreffenden Arzt/Anwalt die Existenzgrundlage – was für den Betrieb von Ferienwohnungen in zweckentfremdeten Wohnhäusern nicht gilt. Und schließlich ist es ein entscheidender Unterschied, ob in einem Haus mit 24 Wohneinheiten eine Anwaltskanzlei ist oder es 18 Ferienwohnungen gibt und nur noch wenige Dauermieter. Und außerdem ist es ebenso ein Unterschied, ob jemand, der seine Zweitwohnung grundsätzlich selbst nutzt, diese gelegentlich untervermietet, oder ob eine Wohnung ständig an wechselnde Mieter vermietet wird.

Henrike Kaesler, per E-Mail

Gelungene Beilage mit Informationen zur Euro-Krise

Leser zur Beilage „Der Hauptstadtbrief“ vom 5. Juni

Die Beilage zur Euro-Problematik – war spitze! Vielen Dank und weiter so!

Dr. sc. oec. Frank Latka, Mitte

Nicht nur ethische Gründe sprechen gegen Tierversuche

Zum Artikel: „Schonende Forschung – FU-Präsident Peter-André Alt über Alternativen zu Tierversuchen“ vom 7. Juni

Prof. Alt möchte in bester Absicht Berlin zum Vorreiter einer Forschung machen, die ethischen Ansprüchen und technologischen Innovationen gerecht wird. Dazu bedarf es viel Geld. Doch gerade dieses wird fast ausschließlich für Tierversuche ausgegeben. Das 3R-Prinzip zieht eine wirkliche Abkehr vom Tierversuch nicht in Erwägung, soll diese aber akzeptabler machen. Angewandt werden muss dieses Konzept seit mehr als 20 Jahren auch in der Tierversuchskommission, die der Genehmigungsbehörde für Tierversuche beratend zur Seite steht. Dennoch steigen Tierzahlen und Tierversuchsanträge, Versuchslabore schießen wie Pilze aus dem Boden. Es sind beileibe nicht nur ethische Gründe, die gegen Tierversuche sprechen. Auch aus Fachkreisen wird die Kritik lauter. Viele Forscher, besonders in den USA, gehen erfolgreich neue tierversuchsfreie Wege. In Deutschland wird tierversuchsfreie Forschung kaum gefördert. Aktuelle Forschungsergebnisse belegen, dass Expertensysteme die Wirkung von Medikamenten im Menschen viel besser prognostizieren als präklinische Tierversuche. Selbst jahrzehntelange Krebsforschung hat trotz Tierversuchen keine großen Durchbrüche gebracht.

Christiane Neuhaus, Zehlendorf