Leserbriefe

„Selbstgefällige Radler ignorieren die Radwege“

Zum Artikel: „120.000 Radler demonstrieren für bessere Radwege“ vom 15. Juni

Was nützen Proteste und eine Investition von 30 Millionen Euro, wie der ADFC sie fordert, für neue oder bessere Radwege, wenn diese nicht genutzt werden. Die meisten Radler rasen rücksichtslos über Straßen und Gehwege und missachten Verkehrsregeln.

Bernhard Adomeit, per E-Mail

Die Fahrradsternfahrt sollte auch eine Demonstration für mehr Radwege und Fahrradspuren sein. Will ich das eigentlich? Will ich, dass Berlin in Radwege investiert, damit diese dann von selbstgefälligen Radfahrern ignoriert werden? Radwege, die für teures Geld ausgebaut und saniert wurden, dürfen dann aber nicht mit dem blauen Radwegschild markiert werden. Denn wenn irgendwo so ein Schild steht, gibt es Radfahrer, die offensichtlich Spaß an Konflikten haben, und das Schild ignorieren. Dafür habe ich nicht demonstriert, auch wenn meine Teilnahme mitgezählt wurde.

Ulrich Clasen, per E-Mail

Die Forderung des ADFC für bessere Radfahrbedingungen ist eine Frechheit. Ich bin selbst Radfahrer, habe aber kein Verständnis für diese Forderung. Da wurden für viel Geld Radspuren angelegt, doch die werden nur selten genutzt. Es ist immer mehr in Mode gekommen, den Gehweg zu nutzen, egal wie breit oder schmal er ist. Warum sträubt sich der ADFC gegen eine Kennzeichnungspflicht an den Fahrrädern? Statt immer zu fordern, sollten die Radfahrer aufgefordert werden, sich straßenverkehrskonform zu verhalten.

Sylvia Otte, per E-Mail

Der Kudamm benötigt keinen künstlichen Bypass

Zum Artikel: „Kempinski soll abgerissen werden“ vom 11. Juni

Ein Investor plant den Abriss des Hotels „Kempinski“ und den Bau einer Passage zwischen Fasanen- und Uhlandstraße. Schade, dass er sich die falschen Planer und Berater genommen hat, sonst wüsste er, dass künstliche Durchwegungen parallel zum Kudamm keinen Sinn machen. Der Boulevard ist vorn, da sind Stärken zu stärken, nicht durch Wege innerhalb der Blöcke. Aber vielleicht merkt der Investor noch rechtzeitig, dass die Ecke mit dem „Reinhard’s“ pulsiert und das Gebäude eine besondere Ästhetik hat. Das Hotel mag einer Sanierung und Modernisierung bedürfen, der Kudamm benötigt aber keinen künstlichen Bypass.

Klaus-Dieter Gröhler, MdB

Spätis wirken sich positiv auf das Leben im Kiez aus

Zum Artikel: „Kampf um die Spätis“ v. 14. Juni

Das Berliner Ladenöffnungsgesetz ist fast ausschließlich vor dem Hintergrund seines Paragrafen 7 („Schutz der Arbeitnehmer“) und des Arbeitszeitgesetzes zu verstehen. Leider hat der Gesetzgeber dabei übersehen, dass viele Personen dieses Schutzes nicht bedürfen und ihn sogar ablehnen, weil er ihre Berufsausübung und Erwerbstätigkeit massiv behindert, und dies sind nicht nur solche, die einen Kiosk oder einen Späti betreiben. Erst recht hat der Gesetzgeber offenbar kein Gespür dafür, welche positiven Auswirkungen Kioske und Spätis gerade an Sonn- und Feiertagen auf das Leben in einem Kiez haben und wie viel die fleißigen und freundlichen Betreiber von Spätis dazu beitragen, das Flanieren in Berlin auch an solchen Tagen genießen zu können.

W.-R. Heilmann, per E-Mail