Leserbriefe

„Standortnachteile sind kaum wettzumachen“

Zum Artikel „Von der Tundra auf den Himalaja“ vom 3. Juni

Der Berliner Zoo hat einen riesigen Standortvorteil, der Tierpark Friedrichsfelde demgegenüber einen dramatischen Standortnachteil: Weit und breit gibt es außer dem Tierpark nichts, was Touristen oder Kauflustige anzieht. Die Gehege in Friedrichsfelde sind überwiegend eher größer als die im Zoo, und die Gastronomie ist auch nicht schlechter. Ja, manche Wege sind weiter (was auch an der Größe vieler Gehege liegt), aber geht man nicht anderswo (Tiergarten, Grunewald, Friedrichshain) auch spazieren, ohne alle paar Meter auf exotische Tiere zu stoßen? Auch die Parkanlage und der Baumbestand in Friedrichsfelde sind wunderbar, und für kleine Kinder gibt es Bollerwagen. Den attraktiven Masterplan von Zoo-Direktor Knieriem in allen Ehren. Aber die gravierende Standortbenachteiligung wird, so fürchte ich, auch dessen Realisierung nicht wettmachen.

Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Heilmann, Schöneberg

Rugby verbindet und hat eine große Anhängerschaft

Zum Artikel: „Anwohner wehren sich gegen neuen Sportplatz für Rugby Club“ vom 1. Juni

Als Anwohner und Rugby-Fan möchte ich den Artikel nicht unkommentiert lassen. Innerhalb der Bruno-Taut-Siedlung gibt es eine rege Diskussion, die mit Argumenten geführt wird. Ich habe das Gefühl, dass einzelne Schreihälse einen Keil zwischen die Lager treiben wollen, anstatt konstruktiv zu diskutieren, wie und ob dass Ansinnen des Bezirks und des Berliner Rugby Clubs (BRC) verwirklicht werden kann. Denn was passiert, wenn kein Rugby-Platz gebaut wird? Meiner Meinung nach wird die Schule in Kürze ihren Sportplatz sanieren. Es wird dann ein Platz entstehen, auf dem die Schule ihre Fußballrundenspiele abhalten kann. Sobald dieser vorhanden ist, werden sich viele Fußballvereine anmelden, die für ihre Mannschaften auch auf der Suche nach Trainings- und Spielmöglichkeiten sind. Der Bezirk wird dann viele Ausnahmeregelungen ermöglichen. Dann gibt es ein unkontrollierten Spielbetrieb mit allen jetzt befürchteten Problemen, für die es dann aber keine Lösung gibt. Da keiner gegen Sport ist und gegen körperliche Ertüchtigung bei Kindern sowieso nicht, sollte man jetzt diskutieren und eine Lösung finden. Rugby verbindet und hat eine große Anhängerschaft, die Werte schafft und von der unsere Gesellschaft profitieren kann.

Peter Hoffmann, per E-Mail

Verfehlung lag eher im moralischen Bereich

Zum Artikel: „Edathy darf in der SPD bleiben“ vom 1. Juni

Während Thilo Sarrazin durch seine rassistischen Thesen der SPD schadete, was ein Parteiausschlussverfahren rechtfertigte, stand Sebastian Edathy im Verdacht, eine geringfügige Straftat begangen zu haben. Seine Verfehlung lag also im privaten, mehr im moralischen als im juristischen Bereich. Die Justiz hat ihn ja bloß zu einer geringen Geldbuße verurteilt. Die Parteien sollten sich insgesamt überlegen, welches (juristisch relevante) Verhalten, welche Meinungsäußerung einen Parteiausschluss rechtfertigt. Natürlich geht es hier um die Vorbildfunktion eines Politikers, um die Identität einer Partei, aber auch um Ehrlichkeit und Freiheitlichkeit. Da stellen sich Fragen wie: Darf ein Politiker zu einer Prostituierten gehen oder Drogen nehmen oder sich für die Wiedereinführung der Todesstrafe aussprechen?

Christian Fuchs, per E-Mail