Leserbriefe

„Die EU hat jämmerlich versagt“

Leser zu dem Flüchtlingsdrama im Mittelmeer und den Reaktionen der europäischen Politiker

Für die vielen kriminellen Schleuser und Schlepper sind die rund 800 jetzt ertrunkenen Menschen keine Tragödie, sondern ein einkalkuliertes Risiko ihres perfiden Geschäftsmodells, das sie rund um die Uhr ausüben. Während europäische Politiker darüber philosophieren, wie sie auf die Flüchtlingskatastrophe im Mittelmeer reagieren sollen, sitzen die nächsten 800 oder 1000 Flüchtlinge längst irgendwo in einem Boot und treiben auf Europa zu. Mit mehr Rettungsbooten auf dem Mittelmeer und noch mehr Geld für die Grenzschutzbehörden wird dieses zunehmende Flüchtlingsproblem nicht gelöst, weil die Ursachen nicht bekämpft werden. Die ertrunkenen Menschen bleiben eine Mahnung für die bisher gescheiterte europäische Flüchtlingspolitik.

Albert Alten, per E-Mail

Sie wollen allesamt Kapitäne des Flaggschiffs „Friedensnobelpreisträger Europäische Union“ sein. Den Euro haben sie schon teilweise realisiert, eine gemeinsame EU-Außenpolitik und eine europäische Armee sollen folgen. In der EU-Flüchtlingspolitik haben sie dagegen jämmerlich versagt. Auf eine gemeinsame und einheitliche EU-Flüchtlingsquote konnten sich die EU-Mitgliedsstaaten bisher nicht einigen.

Ronald Frede, per E-Mail

Wir müssen nicht nur die Flüchtlinge gerechter verteilen, sondern vor allem die Ursachen der Flucht bekämpfen. Wir müssen uns für Demokratie, Frieden und soziale Gerechtigkeit in den Heimatländern der Asylbewerber einsetzen, dürfen keine faulen Kompromisse, keine Geschäfte mit Tyrannen machen. Da geht es um unsere Glaubwürdigkeit als Humanisten, aber auch um die Entlastung unserer Gemeinden, die mit der Betreuung der zu uns Kommenden oft überfordert sind. Militäreinsätze dürfen immer nur allerletztes Mittel sein, sind ja an sich moralisch wie völkerrechtlich fragwürdig und haben, was die Beispiele Irak und Afghanistan zeigen, nur sehr begrenzten Erfolg. Wirksamer sind Wirtschafts-, aber auch die leider selten verhängten Sportsanktionen, die Stärkung der liberalen Kräfte vor Ort. Hierzu braucht es einen langen Atem. Alle (Straf-)Maßnahmen der westlichen Welt bleiben fruchtlos, wenn die Machteliten in Schwarzafrika, der arabischen Welt oder Asien versagen.

Christian Fuchs, per E-Mail

Es gibt eine einfache, wirkungsvolle Möglichkeit, zu verhindern, dass künftig Menschen ertrinken, die versuchen, illegal über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen: die australische Version. 2014/2015 hat es dort kein Schiff mit illegalen Einwanderern nach Australien geschafft. Wer als Flüchtling von der australischen Marine an Bord genommen wurde, wurde in Sri Lanka, Indonesien oder Vietnam abgesetzt. Australien ist es gelungen, die Boote zu stoppen.

Olaf Merkle, per E-Mail

Es wäre für viele einfacher zu verstehen, wenn nur Kriegsflüchtlinge aus dem Irak und Syrien kommen würden. Doch es kommen afrikanische Männer aus Somalia und anderen Ländern. Kaum vorstellbar, dass die vor dem IS fliehen oder einem Bürgerkrieg entrinnen wollen. Nein, deren Fluchtgrund ist zumeist von wirtschaftlichen Interessen geprägt. Solange hier alle in einen Topf geworfen werden, wird es keine Lösung des Flüchtlingsproblems geben.

Christian Lukner, per E-Mail

Es ist verantwortungslos, wie das EU-Parlament in Brüssel mit seinen 751 Abgeordneten den Flüchtlingsdramen mit vielen Toten im Mittelmeer und Lampedusa tatenlos zusieht. Ich frage mich auch, wo ist der Aufschrei der EU-Abgeordneten aus Deutschland? Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und Außenminister Frank-Walter Steinmeier kümmern sich mehr um den Konflikt zwischen der Ukraine und Russland. Dass im Mittelmeer gewiss schon mehr Menschen umgekommen sind als in der Ukraine, scheint keiner zur Kenntnis nehmen. Kriegsflüchtlinge brauchen uneingeschränkten Schutz und Hilfe, da darf es keine Abstriche geben.

Wolfgang Priese, per E-Mail

Mein Vorschlag zur humanen Abwicklung des Flüchtlingsproblems: Die EU-Staaten organisieren eine Fährverbindung für die Flüchtlinge über das Mittelmeer. So würden die Schlepper und Schleuser ihr kriminelles Geschäft beenden müssen und die Flüchtlinge – ob arm oder reich – können aus den Kriegsgebieten fliehen. Dann brauchen wir uns nicht vorwerfen zu lassen, dass die Europäer keine Hilfe und diesem Elend auch noch Vorschub leisten. Dies wäre ein ordentlicher Beitrag zur humanitären Hilfeleistung für alle in Gefahr lebenden Menschen.

Wolfgang Borkmann, Reinickendorf