Leserbriefe

„Sinn für die Realität verloren“

Leser zu dem erneuten bundesweiten Lokführer-Streik, den Gewerkschaftschef Claus Weselsky angekündigt hat

Wieder einmal ist es soweit: Bereits zum siebten Mal in dieser Verhandlungsrunde wird ein großer Teil der Bevölkerung bei der Benutzung der Bahn das Nachsehen haben, wobei es keine wesentliche Rolle spielen dürfte, ob 24 Stunden vorher über den Streik informiert wird. Der Schaden, der durch derartige provozierte Streiks eintritt, ist immens für die Bevölkerung. Ich kann mich des Eindruckes nicht erwehren, dass es um einen Machtkampf zwischen GDL-Chef Claus Weselsky und Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber geht. Da sich dieser Zustand schon seit Langem und immer wieder so darstellt, sollte vielleicht daran gedacht werden, diese beiden Köpfe durch sensiblere und kompromissbereitere auszutauschen. Beide können ja wohl offensichtlich nicht ordentlich miteinander umgehen.

P. Markowiak, Marienfelde

Es ist unfassbar, dass Weselsky erneut mit Streik droht. Für mich ist er ein Profil-Neurotiker, der den Sinn für die Realität verloren hat und in die Schranken verwiesen werden muss.

Hans-Peter Möller, per E-Mail

Ich habe Mühe, bei dieser Streikandrohung der GDL meine aufkommende Wut im Zaum zu halten. Die Kunden der Bahn sollten ihrerseits überlegen, wie sie ihren Unmut zum Ausdruck bringen können. Lassen wir sie spüren, dass uns diese Streikerei auf den Senkel geht!

Wolfgang Heller, per E-Mail

Das G36 ist nur Mittel zum Zweck, um das Ansehen zu schädigen

Zum Artikel: „Vertuscht und verheimlicht“ vom 18. April

Das G36 wurde vor fast 20 Jahren in die Bundeswehr eingeführt. Zuvor wurden die Anforderungen an ein neues Gewehr definiert, und anschließend wurde es entwickelt. Das G36 ist also Stand der Technik von etwa 1990. Daraus folgt, dass das Gewehr nicht mit Maßstäben und Erkenntnissen gemessen werden darf, die 25 Jahre später vorliegen. Wird ein Gewehr im Feuerkampf im Präzisionsschuss eingesetzt, so erfolgen Einzelschüsse, maximal kurze Feuerstöße. An diesem Sachverhalt muss die Waffe gemessen und beurteilt werden. Und wenn tatsächlich Mängel in der Treffsicherheit erst 2012 festgestellt wurden, so bedeutet auch dies, dass über 17 Jahre keine Beanstandungen vorlagen. Mit dem jetzigen Hin und Her wird der Eindruck erweckt, dass es nicht um ein gutes Gewehr für unsere Soldaten geht. Es geht vielmehr darum, Regierung und die Bundesministerin der Verteidigung in ihrem Ansehen zu schädigen. Da ist das G36 nur Mittel zum Zweck.

Oberstleutnant a.D. Joachim Weiß, Kladow

Es ist erstaunlich, wie in der Politik, offenbar auch mit Wissen der militärischen Führung, getrickst und dabei wohl noch gegenseitig die Verantwortung untereinander zugeschoben wird. Wie konnte man in Kenntnis des unzulänglichen Waffeneinsatzes die Soldaten mit dem G36 in die weltweiten Einsätze schicken?

Harry Döring, per E-Mail

Nur gemeinsam mit Russland ist eine friedliche Lösung möglich

Zum Artikel: „Front gegen Moskau“ vom 16. April

Nach der Münchner Sicherheitskonferenz hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel mit ihrer Feststellung, dass es Sicherheit in Europa nur mit und niemals gegen Russland geben könne, vorsichtigen Optimismus aufkeimen lassen, dass auf diesem Wege auch der Ukraine-Konflikt gelöst werden könne. Nun geht es verbal wieder gegen Moskau, und man könnte sich fragen, ob denn die alten kalten Krieger niemals aussterben. Wann begreifen EU, Nato und G7, dass es in der Ukraine und anderen globalen Konflikten nur echte Lösungen unter Beteiligung von Russland geben kann und nicht ohne Russland? Das setzt allerdings voraus, dass sich der Westen darüber klar wird, dass er in der Vergangenheit Fehler in seiner Russland-Politik gemacht hat und Konsequenzen daraus zieht. Russland mit Sanktionen unter politischen Druck setzen zu können und so zu „disziplinieren“, ist ein Irrglaube mit fatalen Auswirkungen. Solange keine Bereitschaft besteht, Russland auf Augenhöhe und mit Respekt unter Berücksichtigung seiner legitimen Sicherheitsinteressen zu begegnen, wird es keine Fortschritte bei der Lösung internationaler Probleme geben. Notwendig wäre es auch, die Ukraine zu ermahnen, sich endlich der Lösung seiner ureigenen innenpolitischen Probleme zu widmen, die seit über 20 Jahren schwelen. Die ukrainischen Forderungen nach Waffenlieferungen, um die EU-Länder vor Russland schützen zu können, sind lächerlich.

Dr. Helmut Pöltelt, Ahrensfelde