Leserbriefe

„Versäumnisse der Vergangenheit“

| Lesedauer: 4 Minuten

Leser zu der Sperrung mehrerer Unterrichtspavillons an Berliner Schulen wegen Einsturzgefahr

Die Thematik maroder Schulbauten oder seinerzeit errichteter Provisorien ist nicht neu und sollte dem Senat hinlänglich bekannt sein. Auch, dass sich Schüler bereits durch herabstürzende Fenster- oder Gebäudeteile in der Vergangenheit verletzt haben, sollten die zuständigen Behörden wissen. Die nun vom Senat bereitgestellten 100 Millionen Euro aus dem Sondervermögen kommen sehr spät und sind nicht ausreichend, um vorhandene und absehbare Schäden an den so wichtigen Bildungseinrichtungen zu beheben. Die Verantwortung liegt bei der zuständigen Verwaltung von Schulsenatorin Sandra Scheeres (SPD). Dort hat man es bereits in der Vergangenheit versäumt, rechtzeitige Vorsorge zu treffen und entsprechende Planungen zu veranlassen. Die Senatsverwaltung hält sich bedeckt und fördert das Unvermeidbare aus Haushaltsmitteln oder eben Sondervermögen. Weitsicht im Sinne der Bildung unserer Kinder? Weit gefehlt! Man spricht derzeit lieber von „Zuwanderungsmarketing“ und „frischem Steuergeld“ in Milliardenhöhe für den BER.

Michael Klages, Staaken

Schulden verdoppelt, marode Infrastruktur und Schulen, eine nicht funktionierende Verwaltung, der unfertige BER – Chaos ohne Ende. Und immer wieder wird gesagt, wir dürfen nicht auf Kosten unserer Kinder leben.

Bernhard Siegemund, per E-Mail

Mehrbeschäftigung durch effiziente Bildungsprogramme beseitigen

Zum Artikel: „Koalition will Schulleitermangel in Berlin beseitigen“ vom 10. April

Für die Schulleiter und Konrektoren der Grundschulen wird eine leistungsgerechte Gehaltserhöhung um eine Stufe gefordert. Außerdem sollen sie Entlastung durch ein ähnliches Management wie bei Mittelstandsunternehmen erhalten. Schließlich fordert Herr Treptow von der Vereinigung der Oberstudiendirektoren eine generelle Verbeamtung und Reduzierung der Stundenzahl. Die Grundschulleiter vergessen dabei, dass das Management eines mittelständischen Unternehmens für seine Leistung persönlich bis zum Existenzverlust haftet und dabei ebenfalls hoheitliche Aufgaben erfüllt, indem es einen Beitrag zur florierenden Wirtschaft in Deutschland leistet, ohne die jedes Steueraufkommen undenkbar wäre. Meines Erachtens sind die Ursachen der Mehrbeschäftigung des Lehrpersonals durch Schaffung einfacher und effizienter Bildungsprogramme zu beseitigen. Vor allem ist dabei die immer wieder kritisierte „Bildungsvielfalt“ in jedem einzelnen Bundesland einzuschränken. Auch sind soziale Probleme an den Schulen daran schuld. Dies kann weder mit einer Gehaltserhöhung, die augenblicklich wieder in Mode ist, noch mit der Weiterführung eines antiquierten und teuren Beamtentums behoben werden.

Gottfried Hecht, per E-Mail

Unverständlich hoher Aufwand bei häuslichen Todesfällen

Zum Artikel: „Gewerkschaftskritik: Polizei muss bei Toten zu lange auf den Arzt warten“ vom 31. März

Mein Nachbar bat mich ans Totenbett seiner Frau. In Unkenntnis der gesetzlichen Lage glaubte ich, meine Pflicht zu erfüllen und die 112 rufen zu müssen. Ich gab mich als Ärztin zu erkennen und bat um einen Kollegen zwecks Ausfüllens des Totenscheins. Ich bin nicht mehr aktiv und konnte es deshalb nicht selber tun. Ich erklärte dem Mann am Telefon, dass meine Nachbarin – über 84 Jahre alt – schon seit mehr als sechs Stunden tot sei, da sich die Totenstarre bereits löste. Die Glückliche war mitten in der Nacht im Schlaf gestorben. Zuerst erschien der Rettungshubschrauber. Kurze Zeit später kam die Feuerwehr mit dem Defibrillator. Auf meinen Hinweis, ich hätte am Telefon doch ausdrücklich den schon länger zurückliegenden Tod geschildert, bekam ich zur Antwort: „Wir dürfen nicht glauben, was uns am Telefon erzählt wird.“ Dass da eine Leiche ist, hat man aber schon geglaubt. Und dann erschien die Polizei. Alle Anwesenden wurden ins Wohnzimmer getrieben – so hab ich es jedenfalls empfunden – und dort bewacht. Ich wurde dann auch noch erkennungsdienstlich behandelt. Mein Personalausweis wurde von den Beamten gefordert und abgeschrieben. Ich frage mich, warum wurde angeordnet, dass die Polizei zu erscheinen hat? Erst als ein Arzt erschien, der den natürlichen Tod bestätigte, zog die Polizei ab. Ich habe Erkundigungen eingeholt. In anderen Bundesländern kommt bei Leichenmeldung – privat natürlich – kein Rettungshubschrauber und keine Feuerwehr. Da kommt nur der Arzt, der den Totenschein ausfüllt.

Dr. Carmen Busche, Mariendorf