Leserbriefe

„Gemeinsames Handeln notwendig“

Leser zu dem Brandanschlag auf eine geplante Flüchtlingsunterkunft in Tröglitz in Sachsen-Anhalt

Der Brandanschlag in der kleinen Ortschaft Tröglitz in Sachsen-Anhalt sollte niemanden überraschen. Asylbewerberheime werden in Deutschland leider nicht erst seit heute angezündet. Seit den berüchtigten Pegida-Demonstrationen in Dresden sollte es jedem bewusst sein, dass Ausländerfeindlichkeit hierzulande weit verbreitet ist. Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) zeigt sich dennoch überrascht von diesem Anschlag und hält eine seiner bekannten Sonntagsreden über die Gefahren für die Demokratie in seinem Bundesland, in dem schon heute jeder Zweite nicht mehr zur Wahl geht. Die Wunde von Tröglitz als Hinweis auf ausländerfeindliche Gewaltbereitschaft sollte nachdenklich stimmen. Denn was bleibt, ist die bittere Erkenntnis, dass dort, wo Häuser vorsätzlich angezündet werden, auch deren künftige Bewohner in Gefahr sind.

Albert Alten, per E-Mail

Fremdenfeindliche, hinterhältige Morde und feige Gewalttaten gegen wehrlose Flüchtlinge, gegen die Schwächsten der Schwachen, beginnen in Deutschland Alltag zu werden: Mordanschläge in Mölln, Solingen, Brandstiftungen in Rostock, Hoyerswerda und nun auch in Tröglitz. Trauriger Höhepunkt ist die Nichtaufklärung der rassistischen NSU-Mordserie mit zehn regelrechten Hinrichtungen (fünf Türken, drei Kurden, ein Grieche und eine deutsche Polizistin) und dem nicht endenden mysteriösen Zeugensterben. Einige Politiker der sogenannten demokratischen Mitte und irgendwelche „Protestbewegungen“ haben durch ihre Äußerungen und Aktivitäten dazu beigetragen, dass der braune Mob sich in diesem Sumpf sicher fühlt. Als Motivation für diese Schandtaten geben diese verbrecherischen braunen Kulturbereicherer regelmäßig Überfremdungs- und Versagensängste an, auch müsse die deutsche Kultur vor irgendjemand oder gegen irgendwas „geschützt“ werden. Zur Bekämpfung der leider immer noch resistenten, rassistischen Tendenzen in unserer Gesellschaft ist ein gemeinsames, solidarisches Handeln aller gesellschaftlichen Gruppen notwendig.

Dogan Yildiz, Neukölln

Romantische Einstellung gegenüber Wildtieren schießt übers Ziel hinaus

Zum Artikel: „Lichtenberg will sich weiter für seine Wildtiere einsetzen“ vom 31. März

Eine Tierart vor dem Aussterben zu bewahren, ist eine Sache, ihre ungehemmte Ausbreitung zu gestatten oder sogar zu fördern, eine andere. Der Biber fällt immer wieder Bäume, um an ihre Zweige und Blätter zu gelangen. Damit zerstört er Anlagen, die mit viel Aufwand geschaffen wurden. Im Oderbruch beschädigt er Deiche und Gräben und bringt die Menschen dort in Not und Gefahr. Der Wolf bleibt nicht einsam im Wald, sondern verbreitet Angst in kleinen Dörfern und dringt in Rudeln in die Viehhaltung ein, reißt Schafe und Jungtiere. Ausgewilderte Urrinder verursachen Schäden im Wald durch Verbiss und Rindenschälen. Die romantische Einstellung gegenüber Wildtieren schießt über das Ziel hinaus.

Friedrich F. Zuther, Lichterfelde

Obdachlosen wird mit temporären Maßnahmen nicht wirklich geholfen

Zum Artikel: „Notunterkunft für Obdachlose vollständig belegt“ vom 8. April

14.000 Übernachtungen in der Traglufthalle sind ein mehr als zweifelhafter Erfolg, sicherlich nichts, worauf wir als Wohlstandsgesellschaft stolz sein können. Die eigentliche Schande ist, dass wir überhaupt noch Obdachlose haben. Es geht hier nicht darum, warum Menschen aus welchen Schicksalsschlägen heraus ohne Wohnung sind oder sich gar frei für diese Lebensführung entscheiden. Tatsache ist, dass den Obdachlosen mit der gut gemeinten temporären Hilfe nicht wirklich geholfen wird – sinnvoll ist nur die Integration in die Gesellschaft, und dazu gehört ein fester Wohnsitz und eine sinnvolle Beschäftigung. Wer dies dann nicht annimmt, begibt sich bewusst in die Abhängigkeit als Wohlfahrtsempfänger und steht außerhalb der Gesellschaft. Dass die Errichtung von solchen Hallen dann noch als Erfolg gefeiert wird, ist eigentlich makaber. Es stünde Sponsoren besser zu Gesicht, sich für die dauerhafte Integration stark zu machen – aber anscheinend ist dies dann eine Tätigkeit, die sich weniger werbewirksam einsetzen lässt. Erfreulich ist es allein, dass es noch Organisationen wie die Stadtmission gibt, die sich mit ihren festen und freiwilligen Mitarbeitern um Menschen in Not kümmern. Die Umsetzung der Hilfe allein bedarf der Verbesserung, damit der Einsatz der Mittel dauerhaft Früchte trägt.

Klaus Emge, Friedenau