Leserbriefe

„Gute Idee, aber eine Luftnummer“

Leser zu den Risiken für Berliner Fahrradfahrer und den vielen gefährlichen Stellen in der Stadt

Keine Gruppe von Verkehrsteilnehmern wird in Berlin von den jeweils anderen so wenig ernst- und damit auch wahrgenommen wie die Radfahrer. Fußgänger, und zwar Einheimische wie Touristen, gehen und stehen auf Radwegen und überqueren diese, ohne überhaupt nur daran zu denken, dass Radfahrer kommen könnten. Autofahrer parken auf Radwegen, reißen die Wagentüren auf und biegen ohne Blick in den Seitenspiegel und über die Schulter nach rechts ab. Verkehrsplaner denken bei der Ampelschaltung gar nicht oder zuletzt an die Radfahrer und lassen Radwege abrupt an Baustellen enden. Viele Probleme ließen sich entschärfen, Unfälle vermeiden, wenn sich die Verkehrsteilnehmer vorausschauend und rücksichtsvoll verhalten würden, ohne dass es dazu besonderer Maßnahmen und aufwendiger Umgestaltungen bedürfte.

Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Heilmann, Schöneberg

Senator Geisel und der frühere Ressortchef Michael Müller haben eine sinnvolle Aktion gestartet, ohne die Umsetzung in die Wege zu leiten. Michael Müller wollte zwar Olympia und Herr Geisel neue Straßenbahnlinien, aber für die Beseitigung von Unfallschwerpunkten bei Radfahrern ist offensichtlich weder Geld noch Personal geplant. Schade, dass die gut gemeinte Aktion zur Beseitigung von Gefahrensituationen offensichtlich nur eine Luftnummer ist.

Thomas Splittgerber, Lichterfelde

Das ständige Gejammer der Radfahrer, wie böse man mit ihnen verfährt, sollte eines nicht verschweigen: Es gibt jährlich über 1000 Unfälle mit Fußgängern auf Berlins Gehsteigen – abgesehen von unzähligen Nötigungen und Verbalinjurien dort. Ich begreife nicht, wie jemand auch mit einem Minimal-IQ ein intellektuelles Problem mit dem Wort „Geh“-steig haben kann. Wenn darauf angesprochen, reagieren 95 Prozent dieser unliebsamen, aggressiven Zeitgenossen mit verbalen und beleidigenden Attacken, um über das Unrecht hinwegzutäuschen, oder fahren ruhig und skrupellos weiter. Komisch (bezeichnend) auch, dass der ADFC und andere Organisationen öffentlich nie Stellung zu dieser Unsitte nehmen – spricht ja gegen sie, diese armen verfolgten Radler.

Hans-Georg Reiss, Charlottenburg

Alexis Tsipras’ gefährliches Spiel mit dem Feuer

Zum Artikel: „Tsipras trägt EU-Sanktionen gegen Russland nicht mit“ vom 1. April

Es ist klar, wer untergeht, greift nach dem letzten Strohhalm. Aber das wäre ja gar nicht nötig, wenn sich der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras gegenüber den internationalen Geldgebern, die ja helfen wollen, etwas anders verhalten würde. Stattdessen lässt er sich auf ein höchst riskantes Spiel ein, ein „Spiel mit dem Feuer“. Das Ausspielen von EU und Russland – zwischen den Fronten – kann sehr leicht dazu führen, dass Tsipras am Ende mit leeren Händen dasteht. Man kann nur hoffen, dass das griechische Volk diese „Garde“ recht bald abwählt, bevor es zu spät ist. Zur Finanzkrise käme dann noch eine politische Krise in Europa.

Christoph Luban, per Mail

Berlin braucht ein Kongresszentrum mit den Kapazitäten eines ICC

Zum Artikel: „Alles auf Anfang beim ICC“ vom 24. März

Das kann doch nicht wahr sein, dass dieses Herumgezerre um den Bestand des ICC diese unmöglichen Formen annimmt. Die Messe und Berlin brauchen dringend ein international in Größe und Leistungsfähigkeit voll akzeptiertes Kongresszentrum. Das ICC bietet sowohl entsprechende Kapazitäten für Großkongresse und ist darüber hinaus auch ein weltweites Symbol unserer Stadt. Ganz davon abgesehen, dass es auch eines der modernen „Baudenkmäler“ Berlins ist, ist es ebenfalls ein hervorragender Werbeträger für den Messe- und Kongressstandort. Diese lächerlichen Nachnutzungsvorschläge entbehren jeder Logik und sind nur ein Zeichen für die totale Ideenlosigkeit unserer Stadtregierung. Der Status Tempelhofs beweist ebenfalls die Abwesenheit jeglicher zukunftstauglicher Planung. Eine Sanierung des ICC zur weiteren Nutzung wie bisher würde doch immer Geld in die Kassen Berlin spülen. Während die Staatsoper immer am Subventionstropf hängen wird, hat das ICC das Potenzial, die Sanierungskosten in einer sicher absehbaren Zeit wieder hereinzuholen. Dazu addiert sich der große Nutzen, den Berlin durch die internationalen Großkongresse und anderen vielfältigen Großveranstaltungen hat. Wie bekannt ist, hat die Messe Berlin schon etliche absagen müssen.

Robert Nickel, Lichtenrade