Leserbriefe

„Tief betroffen und traurig“

Leser zum Absturz einer Germanwings-Maschine, bei dem 150 Menschen ums Leben gekommen sind

Wer die Menschen einst fliegen lehrte, hat alle Grenzsteine verrückt.“ Dieses Zitat des Philosophen Friedrich Nietzsche macht uns tief betroffen und traurig, wenn wir dabei an die Opfer des Flugzeugabsturzes von Flug 4U9525 in den französischen Alpen denken. In den Trümmern des Germanwings-Airbusses auch 72 deutsche Opfer, darunter eine Schulklasse aus Haltern am See. Für die Angehörigen der Toten und uns Trauernde hat die Karwoche bereits jetzt begonnen. Aber warum? Der Grenzstein im 21.Jahrhundert heißt Innovation durch Technik. Allzu vertrauensselig verlassen wir uns auf Autopiloten, Computer, Navigationsgeräte und demnächst sogar auf Autos, die selbstständig fahren, während wir auf dem Rücksitz des Autos gemütlich schlafen. Lassen wir uns von der Technik nicht in die Irre führen. Was letztlich zählt, ist allein der Mensch, der nicht der Technik, sondern nur Gott ausgeliefert sein sollte.

Ronald Frede, per E-Mail

Das Unglück ist tragisch und das Leid der Betroffenen unbeschreiblich. Aber muss dieser Absturz zu einem Medienspektakel umfunktioniert werden? Wenn schon der Fernsehberichterstatter Theo Koll davon spricht, dass mehr Reporter als Helfer anwesend sind, frage ich mich, ob nicht eine andere Organisation angebracht wäre. Auch der kleine Ort ist schon allein durch die verständlicherweise anreisenden Angehörigen voll ausgelastet, dann die Regierungschefs und zusätzlich die Mitarbeiter aller Medien – muss das sein? Information und Erklärung ist wichtig, aber ich habe dabei ein flaues Gefühl im Magen, dass es nicht nur um Mitgefühl geht. Viel wichtiger ist zur Zeit die Hilfe für die Hinterbliebenen. Davon liest man bisher wenig, ist ja auch nicht so spektakulär.

Lothar Otterstätter, Mariendorf

Eine Information lässt mich stutzen: Sieben komplette Crews von Germanwings haben am Tag nach dem Absturz den Dienst aus „privaten Gründen“ verweigert. Das wirkt seltsam. Wussten die mehr als andere? Weiter irritiert mich, dass von einem in den Bergen abgestürzten Flugzeug bis auf ein größeres Teil nur winzige Fragmente übrig blieben. Wenn ein Flugzeug gegen einen Berg fliegt, bleiben doch immer große Teile zurück, warum dort nicht? Ich habe die Hoffnung, dass sich das alles aufklärt.

Regina Kröning, Spandau

So erschütternd und traurig diese Katastrophe auch ist, eine Frage darf, muss man stellen: Gleich nach Bekanntwerden des Unglücks machten sich Außen- und Verkehrsminister auf den Weg, um über die Absturzstelle zu fliegen, Um sich ein Bild zu machen, heißt es. Was soll das? Die eingesetzten Hilfskräfte mit den Hubschraubern haben genug zu tun. Jeder Hubschrauber ist zu wichtig, als dass er für einen solchen unsinnigen Einsatz abgezogen wird.

Wolfgang Pickert, per E-Mail

Warum gab die Crew keinen Notruf ab? Die Auswertung der Blackbox sollte dazu dienen, künftig solche verheerende Katastrophe zu vermeiden.

Thomas Hansen, per E-Mail

Rüge wäre bei Importüberschüssen und Haushaltsdefiziten angebracht

Zum Artikel: „Riskanter Exportüberschuss – EU-Kommission rügt die Bundesregierung: Ausfuhren übertreffen die Importe zu stark“ vom 24. März

Die jahrzehntelange Erfahrung der deutschen Wirtschaft – und ähnlich auch der Schweiz – belegt: Nur höchste internationale Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit ermöglichen erst dauerhaft hohe Exporte sowie Export- und Leistungsbilanzüberschüsse. Auch wenn aktuell der schwache Euro, nicht zuletzt durch die dennoch zweifelhafte EZB-Gelddruckmentalität, die Exporte zusätzlich fördert. Soll sich nun Deutschland für seine international anerkannte Leistungsfähigkeit entschuldigen? Denn ohne diese wäre ein langfristig hohes Exportniveau nie zu halten. Wie wäre es, wenn die EU-Kommission zur Abwechslung diejenigen Staaten rügen würde, die wegen mangelnder Konkurrenzfähigkeit fortlaufend Importüberschüsse und Haushaltsdefizite erzielen? Die USA sorgen sich deshalb sogar um die globale Finanzstabilität. Auch das US-Finanzministerium prangerte die Überschüsse wiederholt als Risiko für die weltweite Finanzstabilität an. Liegen nicht etwa wesentliche Ursachen der Finanzkrise 2008-2010 darin, dass die US-Notenbank jahrelang eine expansive Dollarschöpfung betrieb, die in keinem Verhältnis zum Wachstum der Realwirtschaft stand? Und wurde nicht das internationale Währungssystem durch das seinerzeitige US-Kreditvergabesystem sowie das spekulationsorientierte Investmentbanking destabilisiert?

Dr. sc. oec. F. Latka, Mitte