Leserbriefe

„Eine krachende Niederlage“

Leser zur Entscheidung des DOSB, mit Hamburg ins Rennen um die Olympiabewerbung für 2024 zu gehen

Berlin wurde eine krachende Niederlage bereitet. Das Berliner Konzept konnte demnach nicht überzeugen. Beim Hamburger Konzept sprach Alfons Hörmann, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), hingegen von einem „faszinierenden und kompakten Olympia-Konzept“. Berlin hatte keine Visionen, war zu bieder und zu brav für die mögliche Ausrichtung der Olympischen Spiele. Selbst die Berliner Homepage „Olympia 2024 Berlin“ war im Gegensatz zu dem Hamburger Auftritt eher langweilig gestaltet. Ich glaube nicht, dass der Berliner Senat einen guten Job gemacht hat, auch wenn Sportsenator Frank Henkel es so sehen will. Der Kelch ist an Berlin vorübergegangen.

Dr. Hans-Dieter Seul, Lichterfelde

Danke DOSB, dass du uns diese überholte Veranstaltung erspart hast und damit viele unnötige Kosten.

Christian Hahn, Friedenau

Ich war ein Fan der Berliner Olympiabewerbung und bin jetzt ziemlich sauer über die Entscheidung. Aber leider muss ich auch versuchen, diesen Entschluss zu verstehen. Zweifel an der Berliner Zuverlässigkeit bei der Durchführung aller Bauten zu festgelegten Terminen bestehen zu Recht, auch an einer guten Organisation. Wenn ich mir das gegenwärtige Straßenbauchaos ansehe, kann ich nicht begeistert sein. Die Organisation der eigentlichen Veranstaltung würde bestimmt bestens werden, das haben wir oft genug bei Großveranstaltungen bewiesen. Das größte Hindernis ist aber bestimmt unser gegenwärtiges pessimistisches Verhalten, wir kritisieren alles und wissen alles besser. Auch benehmen wir uns den Gästen gegenüber nicht gerade freundlich, lassen uns doch immer wieder zu Kritik hinreißen, statt einer gepflegten Willkommenskultur nachzugehen. Noch ist nicht alles verloren, noch finden die Olympischen Spiele nicht in Hamburg statt.

Lothar Otterstätter, Mariendorf

Es war eine Entscheidung der Vernunft des DOSB, Hamburg als möglichen Austragungsort für Olympische Spiele auszuwählen. Solange die Berliner S-Bahn nicht richtig funktioniert, der BER eine Dauerbaustelle ist und die Polizei personell und materiell an ihre Leistungsfähigkeit stößt, solange wäre es unvernünftig, Olympischen Spiele in Berlin auszurichten.

Peter Hirsch, Wilmersdorf

Es ist schon eine kleine Lachnummer: Berlin und Hamburg haben sich um die Austragung der Olympischen Spiele in ihrer Stadt beworben, schaffen es aber nicht, eine Elbphilharmonie (Hamburg) zu bauen oder einen Flughafen (Berlin) fristgerecht zu eröffnen.

Albert Alten, per E-Mail

Kampfmaßnahmen kommen uns letztlich allen zugute

Zum Artikel: „Härtere Streiks im Öffentlichen Dienst angedroht“ vom 16. März

Die heftige Kritik aus der Bevölkerung an den Streiks im öffentlichen Dienst ist unberechtigt. Seit 2001 hat der Senat auf dem Rücken der Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes massiv gespart. Besonders deutlich wurde das bei der Besoldung der Beamten. Berlin steht mit seinen Steuereinnahmen auf Platz 9 aller 16 Bundesländer, bei der Besoldung der Beamten auf Platz 16. Im Vergleich zu den Berliner Beamten erhalten die Beamten des Bundes 12,7 Prozent höhere Bezüge, die bayrischen Beamten sogar eine um 12,9 Prozent höhere Bezahlung. Gleichzeitig wurde in Berlin die Arbeitszeit erhöht. Das trifft besonders auf die Lehrer zu. Seit Jahren weigern sich die Politiker in 15 Bundesländern, die Arbeitszeit der Lehrer realistisch zu regeln. Allein Hamburg hat den Versuch unternommen, ein neues Arbeitszeitmodell einzuführen. Die gestiegene Arbeitsbelastung drückt sich auch in den höheren Schülerzahlen aus. Klassenfrequenzen von 32 Schülern, wie sie an Berliner Gymnasien die Regel sind, wären in der Schweiz undenkbar. Da die Lehrer in Berlin nicht mehr verbeamtet werden, werden sich Schüler und Eltern an deren Streiks gewöhnen müssen.

Dr. Joachim Walther, per Email

Ich kann die Kritik an den Streiks im öffentlichen Dienst, bei der Bahn oder im Flugverkehr nicht mehr hören. Was soll denn ein Streik bewirken, wenn er nicht massiv in unser Alltagsleben eingreift? Wann begreifen das die Kritiker, die oft unreflektiert die Argumente von Arbeitgebern übernehmen. Ich nehme bei Streiks gerne Unannehmlichkeiten in Kauf, denn diese Kampfmaßnahmen der Gewerkschaften kommen letztlich uns allen zugute.

Thomas Henschke, per E-Mail