Leserbriefe

„Mehr Personal statt mehr Gehalt“

Leser zum eintägigen Warnstreik von Angestellten der Berliner Verwaltung, Schulen und Kitas

Die Forderung der Gewerkschaften nach höheren Gehältern und besserer Versorgung geht leider in die falsche Richtung. Die Wartezeiten etwa in den Bürgerämtern, die Bearbeitungsdauer von Anträgen von Wohn- und Elterngeld oder der Bearbeitungsstau in der Verkehrsverwaltung Berlin bleiben auch mit höheren Bezügen unerträglich. Mit besserer Bezahlung wird sich an diesem Problem nichts ändern. Zudem werden weder die Kitagruppen verkleinert noch die maroden Schulen saniert. Es sollte endlich Schluss sein mit Personalkürzungen und immer mehr Belastung für die Mitarbeiter. Mehr Personal, bessere Arbeitsbedingungen – das sollte das primäre Ziel der Gewerkschaftsforderungen sein. Moderne Arbeitsplätze mit motivierten Mitarbeitern in allen Bereichen der Berliner Verwaltung werden den Antragsstau dann auch kurzfristig abarbeiten. Mehr Geld für alle schafft keine bessere Effektivität.

Wolfgang Popp, Hermsdorf

Erneut ein Streik, der auf den Schultern der Bürger ausgetragen wird. Fast könnte man den Eindruck gewinnen, dass sich vor allem privilegierte Gruppen und deren Gewerkschaften dort starkmachen, wo es die Öffentlichkeit trifft. Nun trifft es wieder einmal die Schüler und Eltern. Doch worum geht es eigentlich? Bei der Gruppe der angestellten Lehrer findet der Streik über die Gehaltsfrage auf hohem Niveau statt. Denn im Bundesvergleich steht Berlin gut da, schon allein deshalb, weil stets nach der höchsten Stufe bezahlt wird (mindestens 4072 Euro brutto). In Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Thüringen werden Grundschullehrer in die Entgeltgruppe 10 eingeordnet und verdienen je nach Erfahrungsstufe zwischen 2699 und 3884 Euro – und das mit vergleichsweise besseren Ergebnissen. Somit sollte vielmehr die Frage nach der Qualität der Arbeit als nach der Quantität der Bezahlung gestellt werden. Solange die Institutionen Schule und Gewerkschaft der Lehrer in Berlin nur nach mehr Geld rufen, ohne sich gleichzeitig den Qualitätsanforderungen zu stellen, wird sich der Bildungsbereich in Berlin nicht mit anderen Bundesländern messen können.

Brigitte Dorsch, per E-Mail

Zugegeben. Die Gehälter verbeamteter Lehrer liegen über denen nicht verbeamteter. Ansonsten genießen die angestellten Lehrer die gleichen Vorteile wie die verbeamteten. Leidtragende der Streiks sind unsere Kinder, deren Unterricht so schon in großem Maße ausfällt und uns Eltern an einer echten Vorbereitung für MSA oder Abitur zweifeln lässt. Ich habe kein Verständnis für diese Streiks, solange die Bedingungen für die Schüler nicht vorschriftsmäßig sind. Hier sehe ich aber auch in großem Maße die Schulrektoren in der Pflicht, die für das Einhalten der Stundenpläne verantwortlich sind.

Christopher Dexel, Lankwitz

Der Lehrerstreik war überflüssig. Im Vergleich zu anderen Berufsgruppen sind Lehrer keineswegs unterbezahlt, im internationalen Vergleich schon gar nicht. Es ist eine Zumutung, wenn verbeamtete Lehrer während des Streiks die Aufgaben ihrer Kollegen übernehmen müssen, nur weil sie nicht streiken dürfen.

Christian Lukner, per E-Mail

Vollzug eines stillen Wechsels der Berliner Finanzpolitik

Zum Artikel: „Berliner sollen gute Haushaltspolitik spüren“ vom 13. März

Bei der Beratung des Nachtragshaushalts für 2015 im Abgeordnetenhaus ist der Vollzug eines stillen Wechsels der Berliner Finanzpolitik deutlich geworden. Finanzsenator Kollatz-Ahnen begründete den Haushaltsentwurf des Senats nachvollziehbar, gekonnt sachlich und politisch und im Umgang mit der Opposition sehr rücksichtsvoll. Das Entgegenkommen gegenüber der Opposition bei mindestens drei ihrer grundlegenden Forderungen wurde von deren Rednern nicht anerkannt. Das Versprechen des Finanzsenators, eine erfolgreiche Haushaltspolitik wird man bald im Alltag spüren können, bezieht sich wohl auf die Vorschläge des Senats für neue Investitionsmaßnahmen in den nächsten Jahren. Die an der Umsetzung der Investitionen beteiligten Gesellschaften, Krankenhausbetriebe, Sonderbehörden (Polizei, Feuerwehr), Charité, Kitabetreiber, Senatsverwaltungen und Bezirke sowie die Bäderbetriebe werden sich sputen müssen, um den Geldsegen im Sinne der Investitionszwecke zu verwenden. Den haushaltspolitischen Sprechern der Regierungsparteien fällt eine besondere Verantwortung zu. Sie haben die Berichte des Senats über die Umsetzung im Hauptausschuss zu überprüfen.

Joachim Jetschmann, Wilmersdorf