Leserbriefe

„Das Urteil ist eine Farce“

Leser zur Geldstrafe gegen den SPD-Politiker Edathy wegen des Besitzes von kinderpornografischen Fotos

Bei der eindeutigen Beweislage ist eine Einstellung des Prozesses gegen Zahlung einer Geldstrafe von 5000 Euro unverständlich. Außerdem ist dies auch ein politischer Skandal, da viele Politiker in der SPD-Spitze in diese Affäre nachweislich verwickelt sind. Die Aufklärung eines solchen Falles muss im Interesse der Allgemeinheit bis zum Ende erfolgen, für die SPD darf es keine Sonderrechte geben. In dieser Affäre musste Hans-Peter Friedrich (CSU), der Ex-Innenminister als Landwirtschaftsminister zurücktreten, weil er die SPD-Spitze, um Schaden für unser Land abzuwenden, davor warnte, Edathy weitere Ämter in der Bundesregierung zu übertragen. Dagegen sind die Politiker an der Spitze der SPD, die Edathy deckten, nach wie vor in Amt und Würden. Es ist unfassbar!

Herbert Gaiser, per E-Mail

In Belgien reichten die Verbindungen der Kinderschänder bis ins Königshaus, bei uns die der Kinderpornografie bis in die Spitzen der SPD. Wie sonst konnte Edathy seinen Laptop und damit die belastenden Beweise in aller Ruhe verschwinden lassen?

Regina Kröning, Spandau

Unser Rechtsstaat verkommt immer mehr zur Bananenrepublik Deutschland, wo man sich gegen Zahlung von Geldbeträgen freikaufen kann. Ein Geständnis kann man nach dem Freispruch öffentlich im sozialen Netzwerk widerrufen. Reue sieht anders aus. Bedauerlicherweise sind nicht einmal Rechtsmittel zugelassen. Eine neue Masche, um die Personalknappheit bei deutschen Gerichten zu kaschieren?

Thomas Splittgerber, per E-Mail

Fassen die deutschen Gerichte Politiker mit Samthandschuhen an? Man muss es fast glauben, wenn man von so manchem Urteil liest.

Oder wie soll man es verstehen, wenn ein Sebastian Edathy, ohne Reue und ohne Entschuldigung, mit einer Geldstrafe von 5000 Euro davonkommt. Edathys Hochmut ist kaum noch zu überbieten. Auf Facebook bekennt er, kein Geständnis abgelegt zu haben. Damit wird das Urteil zur Farce.

Margarete Guth, per E-Mail

Groß wurde in den Medien von einem Politiker berichtet, der kinderpornografisches Material besitzt, Beweise wurden auf einem Rechner gefunden. Es kam zur Anklage. Doch wie geht es den Kindern, die auf den Bildern zu sehen waren? Mit welchen Folgen kämpfen die? Sexueller Kindesmissbrauch hat viele Gesichter, eines davon ist Kinderpornografie. Kinder verstehen nicht, was mit ihnen gemacht wird, groß ist die Angst und Hilfslosigkeit. Erschüttert ist das kindliche Weltbild. Eine Kindheit ist zerstört und kann nicht wieder beschafft werden. Wenn sich ein Täter freikaufen kann, geht dies dann auch bei den Betroffenen? Wie viel muss ich als Betroffene zahlen, um ein unbeschwertes Leben zu bekommen? Sexueller Kindesmissbrauch hinterlässt Folgen, die sich oft durch das ganze Leben der Betroffenen ziehen – das kann man mit keinem Geld der Welt wegschaffen. Ein Täter kann sich freikaufen, wir Betroffenen bekommen lebenslänglich und haben nichts getan. Keine Strafe der Welt kann Betroffenen ihr Leben zurückbringen. Beim Übergriff wurde uns die Würde und der Selbstwert genommen, mühsam müssen wir es uns zurückerkämpfen, doch eine Geldstrafe oder sogar ein Fallenlassen der Anklage ist ein weiterer Schlag ins Gesicht. Wann erhört die Gesellschaft uns Opfer? Machen Sie die Augen auf und schützen Sie Kinder vor Übergriffen!

Stefanie Jaksch, per E-Mail

Berlin hat wegen der Kriege zu wenig historische Bauwerke

Zum Artikel: „Noch mehr Risse im Gebälk“ vom 28. Februar

Es ist schade um die Friedrichswerdersche Kirche. So sollte man mit einem Bauwerk von Karl Friedrich Schinkel nicht umgehen. Schließlich hat Berlin nach den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg zu wenig historische Bauwerke. Jeder Laie hätte vorhersagen können, was die heutigen schweren Baumaschinen beim Ausschachten an einem so alten Bau anrichten können. Ob man vor Baubeginn eine Begehung der Kirche vorgenommen hat? Aber die Investoren und die Stadt Berlin nehmen um eines kurzfristigen Maximal-Gewinns gern in Kauf, wenn ein historisches Gebäude Schaden nimmt. Schließlich verdienen Staat, Investor, Architekt, Baufirmen und Makler bei den horrenden Quadratmeterpreisen in dieser Lage ordentlich. Die in letzter Zeit erteilten Baugenehmigungen gab es überwiegend im hochpreisigen Segment. Bezahlbarer Wohnraum war eher Mangelware.

Edelgard Richter, Wilmersdorf

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