Leserbriefe

„Eine Schande für Berlin“

Leser zu den Problemen der Anbindung des BER an das öffentliche Verkehrsnetz von und nach Berlin

Die kürzeste Verkehrsanbindung vom Flughafen BER zur Berliner Stadtgrenze ist der Ortsteil Rudow mit seinem U-Bahnanschluss. Dass diese Variante in keine Planung einbezogen wurde, ist für mich unverständlich. Dabei könnte der neue Berliner Senat diese Verbindung zum Prestigeobjekt machen und zeigen, dass man auch schneller planen und bauen kann. Von der Stadtgrenze zum BER könnte man aus Kostengründen eingleisig überirdisch eine Verlängerung direkt in den Bahnhofsbereich oder darüber hinaus zu einem Endpunkt führen. Die heutige Signaltechnik ermöglicht eine zehnminütige Verkehrsfolge für die etwa vier Kilometer lange Strecke.

M. Liebreich, per E-Mail

Wer glaubt denn, dass der BER 2017 fertig ist? Also, wozu die unnötige Eile. Dass die Trasse der Anhalter Bahn über Lichterfelde ab 2017 nicht mehr für den Airport-Express zur Verfügung steht, weil dies durch vermehrte ICE unmöglich ist, scheint ein Ammenmärchen zu sein. Auch wenn eine Verbindung über die Trasse der Dresdner Bahn über Lichtenrade existieren würde, so fädelt diese Verbindung in Höhe Priesterweg wieder auf die Trasse der Anhalter Bahn ein und erreicht Südkreuz, Potsdamer Platz und Hauptbahnhof. Wo ist das Problem? Oder will uns die Deutsche Bahn einreden, dass ausgerechnet das kurze Stück von Großbeeren bis Priesterweg nicht möglich ist und der Rest von Priesterweg bis Hauptbahnhof genutzt werden kann? Derzeit und künftig erreichen zwei Regionalexpress- und eine Regionalbahn- sowie zwei S-Bahnlinien Schönefeld. Wenn man zügig die U-Bahn von Rudow zum BER verlängert, wäre es perfekt. Zumal die Nordbahn am BER erneuert wird und ein U-Bahntunnel problemlos dort gebaut werden kann.

Bernd Lange, per E-Mail

Die Nachricht konnte eigentlich nicht überraschen. Wurde doch schon der Flughafen Tegel zehn Jahre lang geplant und zehn Jahre gebaut. Als er fertig war, kam die Überraschung: Man hatte den U-Bahnanschluss vergessen. Der neue Hauptbahnhof sollte schon 2000 statt erst 2006 fertig sein. Die Straßenbahnanbindung zum Hauptbahnhof war für 2006 geplant; sie wurde am 14. Dezember 2014 eröffnet. Der BER soll nun statt 2012 erst 2017 eröffnet werden. Der Wiederaufbau der Dresdner Bahn ist schon seit Anfang der 90er-Jahre geplant, bis heute aber nicht begonnen worden. Jetzt steht fest, dass es die versprochene schnelle Verbindung von Hauptbahnhof zum BER auf absehbare Zeit nicht geben wird. Aber vielleicht verschiebt sich ja die Eröffnung des BER noch weiter, bis die Bahnanbindung endlich vorhanden ist.

Dietrich Wust, per E-Mail

Die Pannenmeldungen zum BER reißen nicht ab. Wieder eine Schlappe. Die Bahnanbindung macht Probleme, das Erreichen vom Flugplatz ist nur über eine Nordanbindung möglich. Seit 15 Jahren wissen wir, dass ein Flugplatz eröffnet werden soll, doch das Thema Bahnanbindung ist nicht gelöst. Eine Schande für Berlin.

Horst Röhnert, per E-Mail

Ohne karitatives Engagement geht es bei Prominenten kaum noch

Zum Artikel: „Helfen und glücklich werden“ v. 3. März

Die Überschrift enthält genau das Problem der „Aktion Tagwerk“. Solche Initiativen verfestigen das verheerende Bild, dass Afrika es nicht alleine schaffen kann. Hat denn Nora Tschirner die besondere Kompetenz, um den Afrikanern zu helfen, sich aus der dauerhaften Abhängigkeit ausländischen Beistands zu befreien? Die Überzeugung, dass Afrika hilflos ist, ist leider weit verbreitet und wird durch solche Aktionen weiter befördert. Hilfe macht abhängig, die eigenen Antriebskräfte fehlen dadurch allzu oft. Was passiert mit den Menschen, wenn die Unterstützung eines Tages nicht mehr weiter geht? Leider haben sich viele Afrikaner damit abgefunden, dass für sie gedacht und entschieden wird. Es geht nicht mehr, dass Prominente in der Öffentlichkeit ohne karitatives Engagement da stehen. Andere wie Sönke Wortmann helfen diskret. Der Erlös seines Filmes „Deutschland. Ein Sommermärchen“ kam den SOS Kinderdörfern zugute. Henry Lubega, ein Journalist aus Kampala (Uganda), hält nichts davon, wenn Europäer aus Empörung bestehen und vermeintlich für soziale Gerechtigkeit in Afrika kämpfen: „Die wahre Arroganz, der wahre Kolonialismus wird nicht von den Unternehmern an den Tag gelegt, sondern von den Philanthropen. Sie sollten tun, worauf sie spezialisiert sind: Popmusik machen oder Parteipolitik. Afrika ginge es ohne ihre ständigen Nachstellungen jedenfalls besser.“

Volker Seitz, Botschafter a.D., Bonn