Leserbriefe

Unvernünftige Tarifpolitik des Senats

Leser zu den am 11. März geplanten Warnstreiks der Beschäftigten im öffentlichen Dienst Berlins

Es hat ja lange genug gedauert, ehe die Gewerkschaften mal endlich etwas gegen die unvernünftige Tarifpolitik der staatlichen Arbeitgeber mit konsequenten Streikmaßnahmen unternehmen. In Berlin regiert der Senat nach Gutsherrenart und hält sich moderne Sklaven in seinen Amtsstuben, denen er ab und zu winzige Lohnerhöhungen zubilligt, die aber noch immer weit unter Bundesniveau liegen. Lehrer, Polizisten, Feuerwehrleute, Beamte und andere Beschäftigte haben immer mehr Schwierigkeiten, davon ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, auch weil gerade in Berlin die Wohnungsmieten enorm steigen. Doch die Landesregierung verpulvert lieber das Geld für den BER oder träumt von Olympia.

Thomas Henschke, Reinickendorf

Der geplante Warnstreik ist Erpressung, Nötigung und Geiselnahme. Die Politiker sollten endlich das archaische Streikrecht abschaffen, das aus Klassenkampfzeiten von Karl Marx stammt und in einer modernen Gesellschaft überflüssig geworden ist. Es gibt bessere Formen der Auseinandersetzung und der Erarbeitung von Kompromissen.

Dr. Klaus Pade, per E-Mail

Es ist unfassbar. Da wird einerseits auf der Titelseite der Morgenpost vom angekündigten Streik im öffentlichen Dienst berichtet, und anderseits ist gleich darunter ein Artikel abgedruckt, in dem Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) mit Haushaltsüberschüssen von jeweils 30 Millionen Euro für die Folgejahre rechnet. Dem Senat ist sein Personal offensichtlich gleichgültig. Ich kann nur die Gewerkschaften unterstützen: Legt Berlin lahm, damit alle Beteiligten endlich merken, was ihnen ohne die Beschäftigten im öffentlichen Dienst fehlt.

Peter Hirsch, Wilmersdorf

Die Geschichte scheint sich vor unseren Augen zu wiederholen

Zum Artikel: „Frau Witzleben statt Herr Witzleben“ vom 2. März

In Charlottenburg soll der Namensgeber von Witzlebenstraße und Witzlebenplatz ausgetauscht werden, weil der ursprüngliche bei einigen Politikern neuerdings Anstoß erregt. Ein derartiges Ansinnen mag manchem Berliner wie ein Schildbürgerstreich im wahrsten Sinne des Wortes vorkommen. Doch derartige Praxis ist keineswegs neu: 1972 wurden in der DDR die einst nach dem Begründer der deutschen optischen Industrie, Johann Heinrich August Duncker, benannten Rathenower Optischen Werke in Herrmann Duncker umbenannt – einem SED-Arbeiterführer, dessen Name zwar auch Duncker lautete, der aber nie etwas mit optischen Dingen zu tun hatte. Auch damals waren es „politische Gründe“. Die Geschichte scheint sich vor unseren Augen zu wiederholen.

Mathias Christiansen, Pankow

Stolz und Freude der Dresdner über ihre Frauenkirche teilen können

Zum Artikel: „Der Volkswille wird ausgebremst“ vom 16. Februar

Die Stadt Potsdam und Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) wollen einen Bürgerdialog zum Wiederaufbau der Garnisonkirche starten. Von der Stadt und einem militanten Grüppchen wird den Potsdamern wider besseren Wissens vorgegaukelt, sie könnten jetzt noch, obwohl seit Jahren alle Entscheidungen demokratisch beschlossen sind, etwas mitbestimmen. Dies ist unredlich und schädlich, da dies nur zur weiteren Politikverdrossenheit beitragen wird. Man muss es den Potsdamern noch einmal deutlich sagen: Es handelt sich hierbei nicht um ein Bauprojekt der Stadt Potsdam, was sehr viele irrtümlich glauben. Bei städtischen Bauvorhaben dürfen und sollen die Bürger mitreden. Aber dort baut die Evangelische Kirche in Deutschland. Und deshalb ist es einzig und allein eine innerkirchliche Angelegenheit und die der gläubigen Christen, auf ihrem Grundstück ein Haus zur Ehre Gottes zu errichten. Es ist im Grundgesetz die freie und ungestörte Religionsausübung garantiert. Dazu zählt auch, ungestört ein Gotteshaus für gläubige Christen zu errichten. Dies ist durch die erteilte Baugenehmigung legitimiert. Der vollständige und originalgetreue Wiederaufbau dieses architektonischen Meisterwerkes von europäischem Rang ist von der Bundesregierung unter Angela Merkel als ein Bauprojekt von nationaler Bedeutung für unser Land gewürdigt worden. Dafür werden Spenden im In- und Ausland gesammelt. Wenn dieses einmalige Meisterwerk des norddeutschen Barock so unserer Stadt und uns Potsdamern geschenkt wird, dann werden wir den Stolz und die Freude der Dresdner über ihre Frauenkirche teilen können.

Frank Paul, per E-Mail