Leserbriefe

Wolkenkuckucksheim in Tegel

Leser zu den Senatsplänen, auf der Fläche des Flughafens ein olympisches Dorf zu errichten

Es ist ja schön und gut, dass der Berliner Senat, nachdem er es jahrelang versäumt hat, nun endlich Wohnungen mit sozialverträglichen Mieten bauen will. Doch was soll die Ankündigung, dass man diese Baumaßnahme auf dem Flughafen Tegel durchführen will? Selbst der Bau des olympischen Dorfes auf diesem Areal ist ein Wolkenkuckucksheim, denn noch ist die Zukunft des Flughafens nicht geklärt, auch wenn es uns die Politiker immer wieder weismachen wollen. Schon jetzt hat sich herausgestellt, dass die Kapazitäten des BER künftig nicht mehr ausreichen werden und man möglicherweise bei Engpässen auf Leipzig ausweichen muss. Deshalb sollte man sich lieber Gedanken um eine vernünftige Aufteilung auf zwei Flughäfen in Berlin machen.

Thomas Henschke, Reinickendorf

Ich bin ein großer Anhänger der Idee, die Olympischen Spiele nach Berlin zu holen. Das Gegenargument, das dafür vorgesehene Geld für andere Zwecke zu verwenden, halte ich für naiv, denn niemals würde das Geld in Schulen oder andere dringende Projekte fließen. Jetzt aber den Flughafen Tegel schon als olympisches Dorf zu verplanen und auch noch zum Teil preisgünstige Wohnungen zu versprechen, halte ich vor der Eröffnung des BER für Phantasterei. Noch ist der neue Flughafen nicht in Betrieb und keiner weiß, ob er funktionieren wird. Wir sind in der glücklichen Lage, mit Tegel noch einen Ausweichflughafen zu haben. Olympia ja, aber bitte mit realistischen Vorschlägen.

Lothar Otterstätter, Mariendorf

Es ist verwunderlich, dass nach der mittlerweile vierten Verschiebung noch allen Ernstes an eine Eröffnung des BER 2017 geglaubt wird, zumal selbst im zuständigen Ausschuss dieser Termin stark angezweifelt wird. Außerdem wäre eine komplette Schließung Tegels recht problematisch, da auf der einzig direkten Verbindung von und nach Schönefeld bereits jetzt in der Hauptverkehrszeit nahezu nichts mehr geht. Millionenstädte wie London haben gezeigt, dass nur mit mehreren Flughäfen hohe Passagierzahlen gestemmt werden können. Dass Wohnungen und Flüchtlingsunterkünfte händeringend gebraucht werden, ist mittlerweile offenbar allen klar. Der Berliner befürwortet offenbar auch das Bauen, nur um Himmels Willen nicht in seiner Nachbarschaft. Man kann sich angesichts solch gegenseitiger Blockaden und egoistischer Denkweisen nur noch schämen.

Constanze Thietz, per E-Mail

Abgesehen davon, dass es für eine wachsende Weltstadt wie Berlin fatal wäre, den funktionierenden Flughafen Tegel zu schließen, ist es interessant zu beobachten, dass es scheinbar jedes Jahr eine neue Idee für das Areal gibt. Bis vor kurzem sollte das Gelände noch Hochschulstandort und Innovationspark werden, nun polt der Senat die ganze Sache wieder um und präsentiert ein neues fragwürdiges Konzept. Nachhaltig wäre aus meiner Sicht, jegliche olympische Aktivitäten auf die Brache Tempelhofer Feld zu verlagern und Tegel von 6 bis 22 Uhr und Schönefeld von 5 bis 24 Uhr weiter als Flughäfen zu nutzen. So würde die Belastung durch Fluglärm verteilt und nicht an einem Standort konzentriert werden. Außerdem müsste der BER dann nicht sofort vergrößert werden.

Kristopher Jurk, per E-Mail

Der Enthusiasmus und die Vorfreude auf Olympische Spiele in Berlin scheint bei einigen Berliner Politikern regelrechte Wahnvorstellungen hervorzurufen. Es werden für das Jahr 2019 Millionen von Euro verplant, die faktisch nicht vorhanden sind. Die dringlichsten Probleme wie marode Schulen und Sporthallen oder auch fehlende Bauten für die zuziehenden Flüchtlinge werden lächelnd übergangen.

Michael Klages, Staaken

Den Flughafen Tegel schließen, Wohnhäuser darauf bauen und die Olympiagäste aus aller Welt mit der Bahn aus Leipzig abholen. Das wirkt auf mich unausgegoren. Hier existiert einer der am besten integrierten innerstädtischen Flughäfen der Welt, um dessen kurze Wege zu ihm und auf ihm uns alle beneiden. Wo bleibt der Mut zu einer Entscheidung für die Offenhaltung des Flughafens Tegel? Bauflächen haben wir an anderen Stellen der Stadt genug.

Dietrich Bornemann, per E-Mail

Es gibt in Berlin genug freie Flächen, wo Wohnungen gebaut werden können, dafür muss kein Flughafen geschlossen werden. Schon in Tempelhof hat der Senat versagt, dieser Flughafen hätte nie geschlossen werden dürfen. Was soll die Spekulation mit Olympia, Berlin sollte erst einmal die Straßenschäden reparieren.

Karl-Heinz Hoffmann, per E-Mail