Leserbriefe

„Eine politische Verlegenheitslösung“

Leser zur Wahl von Karsten Mühlenfeld zum Nachfolger von BER-Chef Hartmut Mehdorn

Für die Fertigstellung des BER scheint die Wahl von Karsten Mühlenfeld auch mehr eine politische Verlegenheitslösung der beiden Länderchefs von Berlin und Brandenburg zu sein. Es spricht nicht unbedingt für Mühlenfeld als verlässlichen Partner, wenn er sich nach etwa einem Monat als Chef der Entwicklungsabteilung bei der Firma Bombardier(Schienenfahrzeughersteller) nun als Job-Hopper für eine völlig andere Aufgabe beim BER engagieren lässt. Für ihn spricht, dass er in ersten Interviews zugegeben hat, sich erst einmal über den tatsächlichen Bauzustand und die weiteren Planungsschritte informieren zu müssen. Er versteht sich wohl auch mehr als Motivator und Koordinator des Flughafens. Die Frage bleibt, ob man sich nicht doch, wie es der Bund vorhatte, nach einem Fachmann umsehen sollte, da man ja bereits bei allen vorherigen Chefs keine so glückliche Hand hatte.

H. Germer, Lankwitz

Neben Pfusch am Bau, der zu nicht behobenen technischen Mängeln führte, ist die komplizierte Eigentümer-Konstellation im Aufsichtsrat das größte Übel. Dies zeigte sich erneut bei der kontrovers verlaufenen Ernennung des Mehdorn-Nachfolgers. Darüber hinaus stellt sich die Frage, wozu ein Kontroll-Gremium eigentlich taugt, wenn es zur Überwachung der Geschäftsleitung ein externes Team anheuern muss.

J. Weniger, per E-Mail

Die Fertigstellung des BER hat die politische Führung nunmehr der zweiten Managementreihe übertragen und hofft so, den schwarzen Peter los zu sein. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller versucht sich aus der Verantwortung zu stehlen, Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke eiert mit seinen Aussagen um die grundsätzlichen Probleme herum. Beide hoffen nun mit dem Neuen als Koordinator, Vermittler und Sprachrohr, vom eigentlichen Dilemma des BER ablenken zu können. Hartmut Mehdorn hat von Beginn an den Finger in die Wunde gelegt und die Probleme auch an- und ausgesprochen – der BER ist in der vorgesehenen Form wirtschaftlich nicht zu betreiben. Seine Vorschläge wurden alle mit großer Entrüstung von der Politik abgelehnt. Wenn die Flughafengesellschaft wirtschaftlich über die Runden kommen will, dann ist der Ausbau des BER zu einem wirklichen Großflughafen notwendig.

Friedrich Ebner, Rahnsdorf

Die Fertigstellung des BER bleibt ein Drama, weil unsere Politiker sich als unfähig erweisen, gemeinsam ein Ziel mit aller Kraft anzusteuern. Persönliche Interessen und Animositäten wiegen für sie scheinbar schwerer als die Beendigung des Trauerspiels BER. Wie soll ein Späteinsteiger in dem vertrackten Job als Flughafenchef denn ohne allgemeine Unterstützung etwas erreichen?

Heide Binner, per E-Mail

Nicht verstanden, Wurzeln, Motive und Ressentiments zu erkennen

Zur Kolumne „Sterben für Danzig?“ von Hellmuth Karasek vom 22. Februar

Wann verstehen wir endlich, dass wir mit Blick auf den Islam, Russland und andere Brandherde nicht weniger, sondern mehr Versteher brauchen? Und zwar nicht im Sinne von Gesundbeterei, Schönfärberei, Beschwichtigung, sondern in Form von Kenntnis und Verständnis anderer Weltanschauungen, Kulturen, Religionen, politischer Systeme? Der Aggressor ist Putin, verabscheuungswürdig waren Saddam Hussein und al-Gaddafi, sind IS, al-Qaida oder Boko Haram. Aber der Westen hat zu Zeiten und bei Gelegenheiten, als man Schlimmeres hätte verhüten oder abmildern können, sträflich versagt, weil er die Gegenseite nicht verstanden hat und nicht einmal versucht hat, deren Motive zu erkennen.

Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Heilmann, per E-Mail

Die Freude der SPD ist vermutlich nur von kurzer Dauer

Zur Kolumne „Bäumchen wechsle dich“ vom 22. Februar

Nein, Wählerbetrug ist das Wechseln von Bezirksverordneten von einer Partei in die andere und das Fortsetzen ihres BVV-Mandats nicht. Die Wähler haben in erster Linie den betreffenden Menschen und erst in zweiter Linie die Partei gewählt. Dass man sich bei der CDU-Führung zerknirscht gibt, ist verständlich. Denn Jahrzehnte war Spandau eine Art Erbhof der dort sehr erfolgreichen SPD. Nun ist der CDU-Wahlerfolg von einst schon wieder Geschichte. Allerdings ist vermutlich auch die Freude der SPD über den Zuwachs nur von kurzer Dauer.

Ralf Drescher, Lichtenberg