Leserbriefe

„Ein Desaster für die CDU“

Leser zum Erfolg der SPD bei der Bürgerschaftswahl in Hamburg und dem Abschneiden der anderen Parteien

Die unspektakuläre und fast inhaltslose Bürgerschaftswahl in Hamburg hat die SPD mit ihrem Ersten Bürgermeister Olaf Scholz klar gewonnen. Das Erfolgsrezept von zwei Siegertypen: Olaf Scholz im Stile Angela Merkels. FDP-Spitzenfrau Katja Suding brachte Sex in the City of Hamburg und hauchte der FDP neues Leben ein. Eigentlich das ideale Paar für Hamburg, denn mit der FDP ist sogar im Gegensatz zu den Grünen die Elbvertiefung zu machen, was der Wirtschaft und Olaf Scholz nützt. Einziger Knackpunkt bei der Hamburger Wahl ist die niedrige Wahlbeteiligung.

Ronald Frede, per E-Mail

Das Wahlergebnis ist ein einziges Desaster, vor allem für die CDU. Aber auch sonst ist das Resultat wenig geeignet, damit sich in dem Stadtstaat viel ändert. Die FDP ist noch zu schwach und mit sich selbst beschäftigt. Und die streitsüchtige AfD wird weiter herumstänkern – ohne Programm und Profil. Blieben die Grünen als möglicher und wahrscheinlicher Koalitionspartner. Die werden krampfhaft an ihren ökologisch-ideologischen Prinzipien festhalten und versuchen, Sinnvolles zu verhindern.

Christoph Luban, per E-Mail

Weil die SPD seit Gerhard Schröder keinen auf Bundesebene erfolgreichen Politiker mehr hervorgebracht hat (außer Frank-Walter Steinmeier), entsteht jedes Mal, wenn ein sozialdemokratischer Lokalpolitiker oder Provinzfürst ein überzeugendes Wahlergebnis erzielt, eine Diskussion darüber, ob hier nicht der künftige Parteivorsitzende und/oder Kanzlerkandidat heranreift. Ob Kurt Beck, Hannelore Kraft, Matthias Platzeck, Klaus Wowereit oder Olaf Scholz: Aus dem Umstand, dass sie in ihrer Region erfolgreich und populär sind, wird die Vermutung abgeleitet, dass sie auch auf Bundesebene Wahlen für die SPD gewinnen können und sogar das Zeug zum Bundeskanzler haben. Dabei lehrt die Geschichte: Der einzige Ministerpräsident, der aus dem Stand heraus eine Bundestagswahl gewann und Kanzler wurde, war Gerhard Schröder. Dagegen scheiterten Johannes Rau, Oskar Lafontaine und Rudolf Scharping, die zuvor in ihren Ländern große Wahlerfolge erzielt hatten.

W.-R. Heilmann, Schöneberg

Dass die rechtspopulistische AfD nun auch im westdeutschen Raum Fuß zu fassen beginnt, ist besorgniserregend. Dass nur etwas mehr als die Hälfte der potenziellen Wähler von ihrem Grundrecht Gebrauch machte, alarmierend. Bürgernahe und transparente Politik muss wieder zu einem Hauptthema gemacht werden. Ständiges Hin und Her in den Positionen mancher Amtsträger, immer mehr Beschlussfassungen hinter verschlossenen Türen, kurzsichtiger Aktionismus und Verhaltensweisen komplett an der Basis vorbei schaffen Politikverdrossenheit und machen selbst altehrwürdige Parteien unwählbar.

Constanze Thietz, Steglitz

Die Bürgerschaftswahlen würde ich nicht als Testwahl bezeichnen. Sie waren auf die dortigen Repräsentanten der Parteien bezogen und hatten nichts von richtungweisendem Charakter. Die wie stets flachen Kommentare der Parteispitzen auf Bundesebene gingen wie immer am Wesentlichen vorbei: Eine Wahlbeteiligung von 53 Prozent ist ein mehr als trauriges Zeichen dafür, dass fast die Hälfte der Wahlberechtigten von der Politik nicht mehr erreicht wird. Trist ist, dass dieses Faktum in keiner der üblichen Lobreden auch nur am Rande Erwähnung gefunden hat. Anstatt die gewohnten Erbsen zu zählen, sollten sich Politiker dieses Themas annehmen, denn nur durch die Wiedergewinnung der immer weiter wachsenden Schicht der Wahlverweigerer können stabile Mehrheitsverhältnisse erreicht werden.

Robert Nickel, Lichtenrade

Die CDU in Hamburg hat zum zweiten Mal ihren Status als Großstadt- und Volkspartei nach einer Wahl verloren. Sie spielt in der Elbmetropole als Splitterpartei ab jetzt in der gleichen Liga wie die Grünen. Die größten Wahlsieger des Abends sind aber die Nichtwähler. Politik- und Parteienverdrossenheit nehmen leider nicht nur in Hamburg zu.

Albert Alten, per E-Mail

Es ist gut, dass es die FDP in Hamburg wieder geschafft hat. Nun muss man sehen, ob deren Vorsitzender Christian Lindner aus der Vergangenheit etwas gelernt hat. Die Selbstherrlichkeit eines Guido Westerwelle sollte der Vergangenheit angehören. Allerdings wurde Westerwelle bis zum Schluss von Christian Lindner mitgetragen.

Lutz-Peter Schmitz, Mitte