Leserbriefe

„Ursachen des Konflikts bleiben“

| Lesedauer: 4 Minuten

Leser zu den internationalen Bemühungen für eine friedliche Lösung der Krise in der Ostukraine

Wenn die in Minsk getroffenen Friedensvereinbarungen in der Praxis funktionieren, haben Angela Merkel und François Hollande den nächsten Friedensnobelpreis verdient.

Dr. Bernd Nowacki, Moabit

Der von Angela Merkel und François Hollande vereinbarte Kompromiss wird scheitern, weil sich keine Partei an das Abkommen halten wird. Auch wenn es mir nicht gefällt, es muss die Ukraine vom Westen ausreichend mit Waffen und freiwilligen Soldaten ausgestattet werden, um die russische Invasion dauerhaft abzuwehren. Putin wird sich durch die Sanktionen nicht in die Knie zwingen lassen.

Thomas Splittgerber, per E-Mail

Es gibt Kräfte auf dieser Welt, die keinen Frieden wollen, weil dann die Rüstungsindustrie weniger Aufträge hätte. Außerdem gibt es in allen Teilen der Welt Staaten, deren Grenzen nicht durch den Willen der Völker zustande gekommen sind, sondern durch den Willen von Diktatoren und Kriegsherren. Wir haben also Grund zu der Annahme, dass es Staaten gibt, in denen Bevölkerungsteile zusammenleben, die nichts voneinander wissen wollen – aus welchen Gründen auch immer. Fernsehübertragungen von sich prügelnden Abgeordneten im ukrainischen Parlament sind ein Beleg dafür. Es scheint voreilig zu sein, Wladimir Putin als Ursache allen Übels zu betrachten. Wer ihm unterstellt, dass die Bevölkerung der Ostukraine ausnahmslos aus Marionetten besteht, die nach seiner Pfeife tanzen, irrt. Ebenso wahrscheinlich ist es, dass eine Bevölkerung, die von Petro Poroschenko monatelang mit Artilleriefeuer belegt worden ist, die Nase von ihm voll hat und endlich in zwei neuen ostukrainischen Staaten zur Ruhe kommen will. Dass Poroschenko monatelang sein Volk hat beschießen lassen, haben wir relativ gelassen hingenommen. Genauso gelassen sollte der Westen den Wunsch der ostukrainischen Bevölkerung nach zwei eigenen Staaten betrachten. Bundeskanzlerin Merkel scheint die Einzige zu sein, die in diesem von Hass und anderen Leidenschaften erfüllten Kommunikationschaos einen kühlen Kopf behält und sich als einzige Vernünftige gegen Waffenlieferungen an Poroschenko stemmte. In Anbetracht der noch nicht zur Ruhe gekommenen Leidenschaften kann man dem vereinbarten Waffenstillstand nur wünschen, dass er eingehalten wird.

Otfried Schrot, per E-Mail

Eine Frage, die bisher nicht geklärt zu sein scheint, betrifft den künftigen Status der Ostukraine. Das Thema ist heikel und könnte am Ende den gefundenen Kompromiss zum Einsturz bringen. Putin sagte, Teil der Vereinbarung sei „eine Verfassungsreform, in der die gesetzlichen Rechte der Menschen im Donezk-Gebiet gewahrt werden müssen“. Poroschenko hingegen bestritt vehement, dass es eine Vereinbarung über weitgehende Autonomie in der Ostukraine gegeben habe. Die politische Kurzsichtigkeit und auch Engstirnigkeit Poroschenkos ist erschreckend. Die Angst vor seinen Nationalisten im eigenen Land und die USA im Hintergrund scheinen die Beweggründe für solche Äußerungen und sein Handeln zu sein. Das ist sehr gefährlich.

Peter Krisch, per E-Mail

Merkel tut gut daran, nicht den USA zu folgen. Waffenlieferungen in die Ukraine würden den Krieg verschärfen. Man muss jetzt die Gespräche mit Putin verstärken und die Sanktionen zurücknehmen, da diese nur den USA helfen.

Bernd Bosecki, per E-Mail

Verbot signalisiert Sexkäufern, dass sie sich strafbar machen

Zum Artikel: „Kondompflicht für Freier“ vom 5. Februar

In ihrer Naivität, dass Bordellbetreiber nur das Beste für die Frauen wollen, führte die rot-grüne Bundesregierung 2001 ein eingeschränktes Weisungsrecht in das Prostitutionsgesetz ein. So sollte gewährleistet werden, dass Frauen mit Kondomen arbeiten. Realität ist aber, dass Zuhälter und Bordellbetreiber den Frauen vorschreiben, Sex ohne Kondom anzubieten. Das ist lukrativer, weil viele Männer nach Sex ohne Kondom fragen und auch bereit sind, dafür mehr zu bezahlen. Zu glauben, dass im Rotlichtmilieu mit Freiwilligkeit etwas zu erreichen ist, ist wieder einfach nur naiv. Natürlich kann ein Verbot kaum kontrolliert werden, es signalisiert den Sexkäufern aber zumindest, dass sie sich strafbar machen, wenn sie auf Sex ohne Kondom bestehen. Und die Bordellbetreiber müssen zumindest ihre diesbezüglichen Hausregeln streichen.

Gerhard Schönborn, Spandau