Leserbriefe

„Der Natur freien Lauf lassen“

Leser zum Entwurf für ein neues Berliner Hundegesetz, das Leinenpflicht und Kotbeseitigung regelt

Schön, das Berlins Senat ein neues Hundegesetz plant und damit jeden Hundebesitzer verpflichtet, Hundekotbeutel bei sich zu tragen. Nur haben die Senatoren ein wichtiges Detail vergessen. Es gibt leider keine Mülleimer in den Außenbezirken der Stadt, um die entsprechenden Tüten dann auch zu entsorgen. Keinem Hundebesitzer macht es Spaß, stundenlang mit einer vollen Tüte umher zu laufen. Also werden dann statt der Haufen in Zukunft überall die Beutel rumliegen. Vielleicht sollte man da einfach mal ansetzen und erst einmal wenigstens in den Wohngebieten alle 500 Meter einen Mülleimer aufstellen. Aber ich vermute, dafür ist kein Geld da.

Rosemarie Mathiske, Altglienicke

Der Senat vergiftet die Atmosphäre in unserer Stadt durch intolerante und tierfeindliche Verordnungen und Gesetze und will sogar eine Leinenpflicht einführen. Wissen die Politiker überhaupt, was das bedeutet? Tierschutz bedeutet Auslauf, freie Bewegung bedeutet ab und an der Natur freien Lauf zu lassen. Kein Hundebesitzer plant dies auf einem Kinderspielplatz oder auf einer Liegewiese zu tun. Wir Hundeliebhaber wissen, was wir tun und wann wir es tun. Wir reden mit Menschen, die Angst vor Hunden haben, und sind immer mit der Leine bestückt, falls wir sie mal brauchen. Wir Hundehalter sind Steuerzahler und Wirtschaftsfaktor. Viele Geschäfte könnten ohne uns nicht existieren. Und vergessen wir nicht die 120 Euro Hundesteuer pro Jahr. Dafür fordern wir nicht einmal kostenlose Kotbeutel. Das Geld steckt die Stadt aber auch nicht in Hundeauslaufgebiete. Davon gibt es etwa 15 Quadratmeter im Volkspark Friedrichshain oder verrottete Flächen am Mauerpark und an der Revaler Straße. Wahnsinn, aber wir beschweren uns nicht.

Juliane Beck, per E-Mail

Wichtiger ist eine glaubwürdige soziale Botschaft

Zum Artikel: „Erst Hamburg, dann vielleicht Berlin“ vom 7. Februar

Das Porträt über Hamburgs Ersten Bürgermeister Olaf Scholz greift zu kurz. Die Chancen der SPD bei der Bundestagswahl hängen weniger vom Kandidaten ab als vielmehr davon, dass man endlich wieder eine glaubwürdige soziale Botschaft transportiert, dass man den wirklich Bedürftigen hilft, statt nach Vorbild der FDP Klientelgeschenke an Besserverdienende zu verteilen. Die Bilanz von Scholz ist keineswegs makellos, denn Hamburg hat wie kaum eine andere (Medien-)Metropole den digitalen Wandel verschlafen und damit die Kompensierung wegfallender Jobs in den alten, traditionellen Verlagen verspielt.

Rasmus Ph. Helt, per E-Mail

Geld allein wird das Problem nicht lösen

Zum Artikel: „Schüler gehen ohne Abschluss von der Schule“ vom 4. Februar

Dass in Berlin die Quote der Schüler ohne Abschluss immens angewachsen ist, ist eine Bankrotterklärung der Bildungsverwaltung. Seit 1995 wird der Schulbereich von SPD-Senatoren geleitet. Da stellt sich schon die Frage, warum die SPD nicht in der Lage ist, die Schüler zu einem Schulabschluss zu führen. Aber auch die Eltern müssen sich die Frage stellen lassen, warum sie so versagen. Dass es nicht nur von der Herkunftssprache abhängt, zeigt sich darin, dass die Mädchen einiges besser als die Jungen sind. Folglich müssen auch beratungsresistente Eltern konsequent zur Rechenschaft gezogen werden. Geld allein wird das Problem nicht lösen.

Klaus Okrafka, per E-Mail

Hohes Einstiegsgehalt kein Argument im Vergleich zur Verbeamtung

Zum Artikel: „Schulleiter machen Vorschläge gegen den Lehrermangel“ vom 3. Februar

Ich habe eines der begehrten Mangelfächer auf Lehramt studiert und befinde mich derzeit im Referendariat an einer Berliner Schule. Ich werde mir danach Alternativen zu Berlin suchen müssen, denn gerade weil ich ein Mangelfach studiert habe und gut ausgebildet bin, werde ich mich mit dem, was mir Berlin bieten kann, nicht zufrieden geben. Ich fühle mich hier nicht wertgeschätzt, obwohl ich mich vor dem Studium mit Leidenschaft entschlossen habe, Lehrer zu werden. Berlin kann nicht mit den Rahmenbedingungen anderer Bundesländer konkurrieren. Und das hohe Einstiegsgehalt ist kein Argument im Vergleich zur Verbeamtung, die fast alle anderen Bundesländer bieten. Übrigens ist diese Ungleichbehandlung von Angestellten und Beamten auch den Quereinsteigern bekannt, die sich mit den Mangelfächern auch für Beamtenstellen in anderen Bundesländern bewerben.

Keven Mass, per E-Mail