Leserbriefe

„Jede Gewalt verletzt die Seele“

Leser zur Äußerung von Papst Franziskus, wonach er indirekt Schläge als Erziehungsmaßnahme befürwortet

Der Papst ist ein älterer Herr, moralische Maßstäbe ändern sich mit der Zeit. Auch hat er sich ja klar für die Begrenzung von Gewalt in der Kindererziehung ausgesprochen. Die Frage aber bleibt, mit welchen (Straf-)Maßnahmen Kinder zu erziehen sind. Viele Eltern sind heute verunsichert, da alle möglichen Experten ihren Senf zur Kindererziehung dazugeben. Auf jeden Fall müssen Kinder konsequent zu verantwortungsvollen Menschen erzogen werden, müssen Disziplin lernen, Rücksichtnahme auf andere und bedingt auch Gehorsam. Zu fragen ist, ob ein leichter Schlag auf den Hintern nicht humaner ist, als wenn die Eltern ihre Kinder anbrüllen oder ihnen ins Gesicht sagen: „Ich hab dich nicht mehr lieb!“ Dass nun selbst die vatikanische Kinderkommission den Papst öffentlich kritisiert, ist ein Zeichen für die wachsende innerkirchliche Demokratie.

Christian Fuchs, Gutenstetten

Da sagt ein Vater, er würde sein Kind „nur ein bisschen“ und nie ins Gesicht schlagen. Bedeutet diese Aussage, den Gürtel nicht zu kräftig zu führen und aufzupassen, dass später keine Spuren erkennbar sind? Jede körperliche und verbale Gewalt verletzt die Seele von Kindern, Frauen, Männern. Bei Papst Franziskus offenbaren sich große Empathiedefizite. Vielleicht setzt er sich mal in eine Gruppentherapie einer psychotherapeutischen Klinik. Er würde spüren, wie verheerend die Folgen von Erniedrigungen für die Seele sind. Meine seelischen Verletzungen sind selbst nach 50 Jahren nicht immer leicht zu handeln.

Daniela Ehlke, per E-Mail

Papst Franziskus hat recht. Wenn Kinder gesund aufwachsen sollen, müssen sie bei Vergehen auch Strafe akzeptieren lernen. Dabei ist ein Klaps auf den Po richtiger, als zum Beispiel der Liebesentzug, den geistig beschränkte Ideologen vorschlagen. Der nämlich richtet erheblichen seelischen Schaden an. Und mit Gewaltanwendung hat diese erzieherische Handlung überhaupt nichts zu tun. Der jetzt aufbegehrende Shitstorm sollte lieber dagegen protestieren, dass täglich im engsten Familien- und Erziehungsbereich Tausende Kinder brutal sexuell missbraucht werden.

Herbert Gaiser, per E-Mail

Durch das Kirchgeld zur Kirchensteuer herangezogen

Zum Artikel: „Mehr als 200.000 Protestanten verlassen die Kirche“ vom 8. Februar

Was geht die Kirche das Privatvermögen von Menschen an? Ein größerer Skandal ist die Erhebung von Kirchgeld. Meine Ehefrau war katholisch, ich bin konfessionslos. Durch die gemeinsame Veranlagung zur Einkommensteuer musste ich Kirchgeld zahlen. Meine Frau wurde dadurch gezwungen, aus der Kirche auszutreten.

Dr. Bernd Nowacki, Moabit

Bekämpfung der Alltagskriminalität darf nicht vernachlässigt werden

Zum Artikel: „Es fehlt Zeit für die Kriminalitätsbekämpfung“ vom 23. Januar

Die in Zielvereinbarungen für die Polizeieinsätze festgelegten Schwerpunkte der Kriminalitätsbekämpfung 2014 sind richtig. Sie werden nachträglich nicht dadurch infrage gestellt, weil nach Gewerkschaftsangaben zur Erreichung der Zielvorgaben das Einsatzpersonal fehlte. Die Bekämpfung der Alltagskriminalität ist eine wichtige Aufgabe der Polizei. Jede Einsatzstunde in diesen Konfliktbereichen stärkt die Innere Sicherheit in der Stadt und fördert das Sicherheitsempfinden der Berliner. Die Bekämpfung der Alltagskriminalität darf angesichts der Personalprobleme bei der Berliner Polizei nicht vernachlässigt werden.

Joachim Jetschmann, Wilmersdorf

Eine Versorgung mit Wohnraum muss unbedingt Vorrang haben

Zum Artikel: „Sommerhaus, Aus“ vom 9. Februar

Dieser überbordene Egoismus ist unerträglich.

Unzählige Menschen und Organisationen setzen sich für mehr Zuwanderung ein, ohne daran zu denken, dass eine entsprechende Wohnungsversorgung erfolgen muss. Da ist es nicht hinnehmbar, wenn mit allen Mitteln versucht wird, die eigene Scholle vor einem notwendigen Zugriff zu schützen. Entweder erklärt man die Kleingartenkolonien zu Siedlungsgebieten oder räumt die Flächen für den Wohnungsbau. Wir können es und auf Dauer nicht leisten, dass einige wenige Menschen Sommerhäuschen haben, während andere dringend eine Wohnung suchen. Hier ist soziale Verantwortung gefragt und die Bereitschaft abzugeben.

Wolfgang Heller, per E-Mail