Leserbriefe

„Junge Leute motivieren“

Leser zu der Situation in den Berliner Unternehmen, die dringend Fachkräftenachwuchs brauchen

Dass die betriebliche Ausbildung ins Hintertreffen geraten würde, ist seit Jahren klar. Kein Wunder, dass 76.000 Facharbeiter fehlen. Wir steuern auf eine „Überakademisierung“ zu, wir brauchen aber Praktiker und nicht nur Leute, die am Computer oder sonst wo rein akademisch-theoretisch tätig sind! Junge Leute müssen motiviert werden, einen betrieblichen Ausbildungsberuf zu erlernen; hierzu bedarf es auch Anstrengungen in der Schule!

Christoph Luban, per E-Mail

Mit zur Lösung des Problems könnte beitragen, sich auch mal von völlig haltlosen Vorurteilen zu trennen. Eine Frau beispielsweise stellt oft für Unternehmen schon einen Makel dar, wenn sie zwar hochqualifiziert und motiviert ist, jedoch ein Kopftuch trägt oder gerade im gebärfähigen Alter ist. Zudem wird auch oft und gern der Bewerber mit ausländisch klingendem Namen rasch aussortiert, ganz gleich, welche Leistungen in Ausbildung und Studium er erbracht hat. Auch leben in Berlin eine Menge gut ausgebildeter Fachkräfte, die jedoch ignoriert werden, weil man sie aufgrund eines ausländischen Abschlusses zwingen möchte, gern das ganze Studium noch mal zu machen und sie dann entnervt aufgeben und lieber Taxi fahren.

Constanze Thietz, per E-Mail

Hertha muss nicht absteigen, Trainer Lukuhay muss liefern

Zum Artikel: „Hertha geht volles Risiko“, vom 29. Januar

Ihre Beschreibung und Analyse der Situation von Hertha BSC verrät sehr viel Skepsis – dieser kann man sich nur anschließen! Hertha hat einen sehr großen – um nicht zu sagen: aufgeblähten – Kader von Spielern, deren Qualität maximal Bundesliga-Durchschnitt ist, wenn nicht sogar deutlich darunter. Deswegen muss Hertha nicht absteigen. Vereine wie Freiburg, Augsburg, Mainz zeigen seit Jahren, dass ein Trainer auch aus mittelmäßigen Spielern eine bundesligataugliche Mannschaft formen kann, wenn er ein Konzept hat und mit seinen Ideen den Ehrgeiz, den Willen und die Einsatzbereitschaft seiner Spieler anzustacheln vermag. Trainer Luhukay, der für die Zusammensetzung des Kaders die Hauptverantwortung trägt, muss jetzt (endlich) liefern.

W.-R. Heilmann, Schöneberg

Unterschiede in der Promille-Grenze sind nicht nachvollziehbar

Zum Artikel: „Dobrindt gegen neue Promille-Grenze für Radfahrer“ vom 29. Januar

Jeder Teilnehmer am Straßenverkehr – also auch ein Fahrradfahrer – ist in Deutschland an die Straßenverkehrs-Ordnung gebunden. Warum gibt es dann Unterschiede bei der Promillegrenze? In Deutschland liegt für Kraftfahrzeugfahrer spätestens ab 1,1 Promille absolute Fahruntüchtigkeit vor. Die Promillegrenze beim Fahrrad beträgt 1,6. Haben Radfahrer eine andere körperliche Konstitution? Nein. Dafür bedarf es keiner Statistik – hier genügt der gesunde Menschenverstand. Von einem deutlich geringeren Gefahrengrenzwert für Radfahrer darf man ähnlich positive Wirkungen wie von der 0,5 Promille-Grenze für Kraftfahrer erwarten: Weniger Alkoholfahrten und Verkehrsunfälle, langfristig ein Rückgang der durchschnittlichen Alkoholpegel bei Verunglückten, weniger verletzte und getötete Radfahrer. Eine Herabsetzung der Promillegrenze für Radfahrer steht somit außer Frage!

Tino Jachmann, Pankow

Die schlechten Umfragewerte müssten die Politiker beschämen

Zum Artikel: Deutsche vertrauen der Polizei, nicht den Parteien vom 29. Januar

Hoffentlich gehört die Berliner Morgenpost bei den Politikern zu den Zeitungen, die in ihrem Presseverteiler vorkommen. Dann hätten die Politiker es schwarz auf weiß, wie die Mehrheit des Volkes über Parteien und Politiker denken. Beim Lesen dieser Umfragewerte müsste den Politikern, von den Ministerien bis hin zu den Bundestags- beziehungsweise den Landtagsabgeordneten, wenn sie ein Gewissen haben, die Schamröte ins Gesicht steigen. Es ist schon traurig, dass die Parteien, die die „Volksvertreter“ stellen, nur das Vertrauen von 23 Prozent der Bevölkerung haben. Beweist aber auch, dass die Mehrzahl der Bevölkerung im Laufe der Jahrzehnte erkannt hat, wie Politiker denken, dass sie Wählerstimmen haben wollen, aber kein Interesse an Volkes Meinung haben. Das beste Beispiel ist immer, wie achtlos und arrogant die Parteien geringe Wahlbeteiligungen akzeptieren.

Wolfgang Priese, per E-Mail