Leserbriefe

„Nicht sicher, nicht schnell“

Leser zum Plan von Verkehrssenator Andreas Geisel, neue Strecken für Straßenbahnen bauen zu lassen

Endlich hat ein Verkehrssenator den Mut, für den Bau neuer Straßenbahnlinien zu werben. Wenn ich an die vielen brachliegenden Flächen denke, auf denen früher die Straßenbahnen gefahren sind – die gammeln alle so dahin. Der Stau der Busse könnte durch mehr Straßenbahnen gelindert werden. Auf einigen Strecken liegen die freien Flächen genau neben den Straßen, auf denen sich der Busverkehr staut. Sinnvoll wären auch, einige kurze Verlängerung von U-Bahnstrecken, ich denke da an die U1 an der Warschauer Straße zum Ostkreuz, an die U2 von Ruhleben nach Spandau, an die U3 von Krumme Lanke zum Mexikoplatz, an die U7 von Rudow zum Flughafen Schönefeld.

Karl-Heinz Hoffmann, per E-Mail

Die Pläne von Senator Geisel mögen bis auf einen Fall realisierbar sein: Die Linie zum Potsdamer Platz ist es nicht. Die Leipziger Straße ist doch in ihrem westlichen Abschnitt viel zu eng und angesichts ihrer Verkehrsbelastung für einen funktionierenden, d.h. staufreien Trambetrieb völlig ungeeignet. Zu bedenken ist auch, dass das heute mögliche Linksabbiegen an allen Kreuzungen entfallen würde, weil die dafür notwendigen und eingerichteten Ausfädelspuren jeweils zur Hälfte auf dem Tramgleis der Gegenrichtung liegen. Auch die im Bericht angedeuteten Ausweichstrecken sind kein Ersatz für die Leipziger Straße.

Harro Prior, Babelsberg

Eine Straßenbahn in einer dicht besiedelten Hauptstraße ist nicht ökologisch, nicht ökonomisch, nicht sicher, nicht schnell und auch nicht hilfreich. Sie macht Lärm, ist eine Gefahr für Passanten, gefährdet Radfahrer durch die Schienen, verschandelt das Straßenbild mit Drähten und Ampelmasten voller Signale und behindert den restlichen Verkehr beim Abbiegen. Jeder Großstadtplaner weiß, dass die Tram, wenn schon innerstädtisch, dann als Unterpflasterbahn gebaut werden muss, siehe Köln, Düsseldorf, Hannover, Frankfurt. Aber unser neuer Senator will eine Tram durch die Leipziger Straße und durch Moabit fahren lassen.

Hans-Henning Romberg, Wilmersdorf

Der minimale Straßenbahnausbau in Richtung Berlin (West) ist kein Durchbruch zu dem Straßenbahnnetz von 1952 in Berlin (West). Durch eine verbesserte Vorrangschaltung an Ampeln für Bus und Pkw und eine durchgehende Befahrung aller Hauptstraßen mit Tempo 50 km/h wäre schon viel erreicht. Dass der BVG-Bus und die BVG-Tram seit Jahren immer langsamer werden, liegt doch auch daran, dass die Busspuren durch Falschparker, Fahrradfahrer und Tempo-10-km/h- und Tempo-30-km/h-Regelungen blockiert werden.

Thomas Splittgerber, per E-Mail

Im ehemaligen Ost-Berlin fahren die Straßenbahnen vorbildlich und das Netz ist gut ausgebaut. Unter anderem, weil die U-Bahn nicht so gut ausgebaut ist wie im Westteil der Stadt. U- und S-Bahn sind im Westen ausreichend vorhanden, auch Buslinien. Das Problem liegt doch ganz woanders. Und zwar im Umland, wo die Pendler auf das Auto zurückgreifen müssen, weil z.B. der Bus zur Bahn nur einmal stündlich fährt oder gar nicht. Die Pendler werden mit einer neuen Straßenbahntrasse in Berlins City West nicht herausgehalten. Die Verkehrsbetriebe und die Stadt sollten enger mit dem VBB zusammenarbeiten, um Konzepte für die Pendler zu entwickeln und den Verkehr so auf die Schiene oder Bus zu verlagern.

Martin Jordan, per E-Mail

Ehe die nicht billige Planung für den zweigleisigen Ausbau der Tram in Mahlsdorf aufgenommen wird, einfach mal die Fahrpläne von vor 30 Jahren ansehen. Da fuhr die Tram nur im Berufsverkehr im 10-Minuten-Takt auf der eingleisigen Strecke, völlig ausreichend um die Berufstätigen in das damals noch vollbeschäftigte Industriegebiet von Oberschöneweide zu bringen. Man brauchte kein zweites Gleis, die vier Ausweichstellen am Hultschiner Damm reichten dafür. Heute fährt die Bahn zwischen 9 und 15 Uhr fast leer im 20-Minuten-Takt durch Mahlsdorf, warum später dann alle zehn Minuten? Es gibt genug Straßen in Mahlsdorf, die das Geld nötiger haben.

Jürgen Glombitza, per E-Mail

Was bin ich dankbar, dass West-Berlin noch weitgehend frei von schienengebundenen Straßenbahnen ist, die nicht nur den Verkehrsfluss erschweren, sondern auch zu tragischen Unfällen geführt haben. Ich weiche im Ostteil der Stadt allen Straßen aus, in denen die Tram fährt.

Horst Steindorf, per E-Mail