Leserbriefe

„Bildung schützt nicht vor Torheit“

Leser zur Studie der TU Dresden, wonach der „typische“ Pegida-Demonstrant aus der Mittelschicht kommt

Als Erstes muss man sagen, dass auch gute Bildung nicht vor Torheit schützt. Ein Teil der SED-Funktionäre war auch gut gebildet, hatte – allerdings selbst verliehene – Professorentitel. Trotzdem hängen nicht wenige von denen noch 25 Jahre nach Untergang des SED-Staates der Ideologie des Marxismus-Leninismus an. Wenn Pegida-Anhänger entsprechend Bildung haben, könnten sie sich seit Jahren in das demokratische System der Bundesrepublik einbringen. Das haben sie vermutlich nicht getan, wenn sie keine Anhänger einer politischen Partei sind. Und für demokratische Spielregeln haben sie auch nichts übrig, sonst würde es die unsäglichen Sprechchöre „Lügenpresse“ nicht geben. Wenn ihnen der Inhalt des Spektrums der Medien von linksextrem bis rechtskonservativ nicht passt, könnten Pegida-Fans es doch mit einer eigenen Zeitung probieren. Die pauschale Hetze gegen sämtliche Einrichtungen unserer Demokratie ist fehl am Platze, egal, welchen Bildungsgrad der jeweilige Schreihals nun hat.

Ralf Drescher, per E-Mail

Alle bisherigen Pegida-Demonstrationen in Dresden und anderswo sind im Vergleich zu den 62 Millionen Wahlberechtigten in Deutschland eine politische Randerscheinung. Sollte die Anzahl der teilnehmenden Demonstranten in den nächsten Monaten allerdings steigen, hat die Allmacht der Parteien in Deutschland bald ein Ende. Denn diese Demonstrationen sind ein medienwirksames Ventil, um Politik-, Parteien- und Medienverdrossenheit auf der Straße und nicht in den Parteien zu artikulieren.

Albert Alten,per E-Mail

Die Politik tut sich schwer mit diesem Phänomen, denn die Versäumnisse der Verantwortlichen in den vergangenen Jahren sind doch die Ursache für die Veranstaltungen. Wenn man dabei die rechten Wirrköpfe außer Acht lässt, sind doch sehr viele Teilnehmer aus der Mitte der Gesellschaft dabei. Jeder in Deutschland hat doch Mitleid mit den Kriegsflüchtlingen, was man auch an dem hohen Spendenaufkommen erkennen kann. Die Flüchtlinge erhalten hier Sicherheit und Zuwendung. Bedenken in der Bevölkerung bei muslimischen Zuwanderern sind für viele nachvollziehbar. Es wird Zeit, dass die Politiker nicht mehr beschönigen, beschwichtigen oder schweigen, sondern offen und realistisch die Situation darstellen. Den Pegida-Demonstranten das Licht abzuschalten ist geradezu lächerlich, wenn man hier in Berlin sieht, wer alles für und gegen irgendetwas demonstriert. Da müssten wir im Dunkeln leben.

Max Meier, Schöneberg

Verführer! Das hatten wir doch schon mal. Eine interessante Studie hat ermittelt, dass die meisten Mitläufer bei Pegida oder ähnlichen Demos dem gut verdienenden Mittelstand angehören und 40 bis 50 Jahre alt sind. Also Personen, die man als Nachkriegskinder bezeichnen könnte. Menschen, die den Aufmarsch brauner Rattenfänger der Jahre 1932 bis 1945 und die schrecklichen Folgen mit Millionen Ermordeten und Abermillionen Kriegstoten nicht selbst erlebt haben. Von erwachsenen, denkenden Menschen erwarte ich aber, dass sie erkennen, wo so etwas hinführen kann. Ich rufe ihnen deshalb zu: „Leute, werdet endlich wach und erkennt, wozu ihr missbraucht werdet!“

Wolfgang Bartel, 79, per E-Mail

Auf Anti-Pegida-Veranstaltungen vernimmt man vermehrt Parolen, die ein „weltoffenes und tolerantes“ Deutschland fordern. Irritiert frage ich mich: Sind wir das denn nicht längst? Sprechen denn nicht Scharen von Touristen und eine Vielzahl von Zuwanderern dafür, dass es so ist, und dass Deutschland grundsätzlich so wahrgenommen wird? Kann man sich ein Deutschland ohne diese Vielfalt noch vorstellen? Ohne ausländische Restaurants? Hat denn nicht mittlerweile jeder – vielleicht abgesehen von einigen Menschen in Sachsen – in seinem Freundes-, Bekannten- und Kollegenkreis mit Personen verschiedener Ethnien und Religionen zu tun, und ist das nicht der ganz normal gelebte Alltag in Deutschland? Niemals würde ich auf die Idee kommen, dass muslimische Freunde irgendwie mit islamistischen Terroristen sympathisieren. Genau wie diese wissen, dass ich den NSU-Terror verurteile. Vielleicht sollte man sich einfach mal besinnen und diese überwiegend gelebte Normalität herauskehren, dann müsste man vielleicht weniger Furcht vor einer beschworenen Spaltung der Gesellschaft haben. Genauso normal sollte es allerdings sein, guten Freunden auch kritisch die Meinung zu sagen. Nur zusammen werden es alle Einwohner in Deutschland schaffen, dass dieses ein tolles, lebenswertes und vielfältiges Land bleibt.

O. Berger, per E-Mail