Leserbriefe

„Ohne Sanktionen ändert sich nichts“

Leser zum Hundeverbot am Schlachtensee, das mit Beginn der Badesaison in Kraft tritt

Die Entscheidung, ein klientel-politischer Rundschlag und daher falsch, überrascht nicht. Die Stimmung an einem der schönsten Seen Berlins zwischen frustrierten Anwohnern, rücksichtslosen Badegästen, eiligen Radfahrern und zum Teil unfähigen oder überforderten Hundebesitzern, ist in den vergangenen Jahren zunehmend angespannter geworden. Hunde gehören nicht an öffentliche Badestellen mit kleinen und großen Menschen, die EU-Verordnung gibt es zu Recht. Der Bezirk hat mit seiner Entscheidung die Beschwerden der Anwohner und damit das Thema „Schlachtensee“ nun vom Tisch – das Problem bleibt. Das absolute Hundeverbot löst keinesfalls die wesentlich komplexeren Herausforderungen der vollkommenen Überfüllung, der Vermüllung und der Verunreinigung des Wassers durch menschliche Fäkalien. Ein saisonales Hundeverbot wäre eine Entscheidung mit Augenmaß gewesen.

Cristina Bastian, Zehlendorf

Wir leben in Zeiten, wo sich jeder von jedem belästigt fühlt und in der sich die Grünen als Verbotspartei profilieren. Was kommt als nächstes? Ein Reitverbot im Wald und die Umwidmung von Reitwegen zu Fahrradwegen? Es ist schade, dass durch die Gedankenlosigkeit einiger weniger Hundebesitzer nun alle anderen mitleiden müssen. Es liegt aber auch in der Natur der Sache, dass Hundebesitzer nicht durch jedes Unterholz kriechen können, um die Hinterlassenschaft der Vierbeiner aufzusammeln. Zumal es keine Behältnisse zur Entsorgung gibt und am Grunewaldsee inzwischen sämtliche Zäune mit Tütchen vollgehängt sind.

Rainer Girbig, per E-Mail

„Wenn es Ihnen nicht passt, dass wir mit unserem Hund schwimmen, dann schwimmen Sie doch woanders.“ „Der See ist ja groß genug.“ „Haben Sie sich nicht so, nur weil unser Hund Sie beim Schütteln nass gemacht hat.“ „Sie hassen wohl Hunde.“ „Kommen Sie ruhig aus dem Wasser. Der Hund tut nichts. Er will nur spielen.“ – Das sind die höflichen Kommentare von Hundebesitzern. Die anderen verschweige ich lieber. Im Paul-Ernst-Park wird die Anleinpflicht nur von wenigen Hundebesitzern beachtet. Dort hilft nur ein generelles Verbot. Wenn die SPD sich querstellt, ist dies reiner Populismus. Etwas, was die SPD immer den anderen Parteien unterstellt.

Klaus Piepereit, Schlachtensee

Eine gute Nachricht für alle Erholungssuchenden. Aber viele Hundebesitzer werden auch dieses Verbot ignorieren. Bisher gab es schon eine Leinenpflicht, etwa an der Krummen Lanke, aber etwa jeder dritte Hundehalter hielt sich nicht daran. Am Wochenende, wenn die meisten Vierbeiner unterwegs sind, ist vom Ordnungsamt nichts zu sehen. Und so wird es wohl auch bleiben, was auch die Hundehalter wissen. Wo es keine Sanktionen gibt, ändert sich nichts.

Mirko Wenzlaewski, Zehlendorf

Mich ärgert, dass man ein Verbot allein gegen die Hundebesitzer durchdrückt und alle anderen Umstände unberücksichtigt lässt. Ich bin Hundebesitzerin und ärgere mich über die Badegäste. Ich meide in den Sommermonaten das Schlachtensee-Ufer, weil zum Teil laute, saufende und grillende (im Wald- und Naturschutzgebiet) Badegäste den See eingenommen haben. Hinzu kommen Hunderte Jogger und Radfahrer, die rücksichtslos die Wege für sich nutzen. Außerdem laute Musik und nächtliche Partys. Wenn man am Morgen die Natur genießen möchte, muss man aufpassen, nicht in diverse Müllberge oder gar Scherbenhaufen zu treten. In den April- und Maiwochen haben die Wasservögel Junge, die Rückzugsgebiete sind extrem begrenzt. Und überall springen Menschen ins Wasser oder schwimmen durch den See – zu jeder Tageszeit. Hinzu kommen noch die Bootsfahrer und Badegäste, die Springvorrichtungen in die Bäume bauen. Und dann noch die Nacktbader überall. Wenn ich ein Kind hätte, würde ich nicht wollen, dass hinter jedem Busch ein Mann steht, der sein Geschlecht jedem zur Schau stellt. Wenn, wie gesagt, diese Missstände auch angegangen werden, sind bestimmt auch viele Hundebesitzer bereit, Einschränkungen zu akzeptieren.

Andrea Nitschke, Zehlendorf

Das Hundeverbot am Schlachtensee ist schön und gut, aber Priorität hat eigentlich der jedes Jahr von Menschenhand angerichtete Schaden und Dreck durch die Stürmung des Schlachtensees von Jugendlichen der ganzen Stadt. Sicher und sauber geht es schon seit Jahren am See nicht mehr zu. Dafür gibt es aber bisher anscheinend keine greifende Lösung. Die Anwohner sollen sehen, wo sie bleiben.

T. Perlick, Schlachtensee