Leserbriefe

„Vor Scham im Boden versinken“

Leser zu den Problemen bei der Fertigstellung des BER und mit dem Lärmschutz für die Anwohner

Ein weiteres trauriges Kapitel neben dem Fertigstellungsgrad des BER ist die gesamte Problematik rund um den Schallschutz. Unsere erste Kostenerstattungsvereinbarung (KEV) haben wir vor vier Jahren erhalten: 4174 Euro. Nach Einspruch eine neue KEV im Juni 2011 mit 19.900 Euro. Schon der Sprung in der Kostenerstattung lässt Rückschlüsse auf die Qualität der Arbeit zu. Schallschutz, „wie es ihn nirgendwo auf der Welt gibt“, schreibt Mehdorn, sollen wir erhalten. Dazu wäre eine saubere ingenieurtechnische Erfassung des Bautenzustandes gemäß der Vorlage vom Verband Deutscher Grundstücksnutzer (VDGN) erforderlich. Aber die wird nicht durchgeführt.

F. Niedergesäß, Bohnsdorf

Wenn es nicht so ernst und teuer wäre, könnte man die bisherige Geschichte des Berlin-Brandenburger Flughafens BER als mehdornsche Luftnummer (er ist nicht allein verantwortlich) abtun. Was ist aus Deutschland geworden? Ein gutes Beispiel ist der Hauptbahnhof Leipzig. Grundsteinlegung war am 16. November 1909, Eröffnung am 15. Dezember 1915, vor nunmehr fast 100 Jahren. Der vorgegebene finanzielle Rahmen wurde exakt eingehalten. Hätten die heute für den neuen Flughafen Verantwortlichen damals den Auftrag zum Bau des Leipziger Bahnhofs gehabt, es würde wahrscheinlich auch heute dort noch kein Zug fahren. Für die heute für den BER Zuständigen bleibt alles ohne Konsequenzen. Sollte es wirklich eines Tages zur Eröffnung des BER kommen und Menschen von diesem Flughafen abfliegen, werden sich diese „Macher“ wie üblich gegenseitig auf die Schulter klopfen und bestätigen, was für eine tolle Leistungen sie vollbracht haben. Eigentlich sollten sie vor Scham im Boden versinken.

Achim Schramm, Kühlungsborn

Leistungen von Torhütern mit denen von Feldspielern kaum zu vergleichen

Zum Artikel: „Nüchtern auf das Podium“ vom 12. Januar

Nun ist Manuel Neuer doch nicht Weltfußballer des Jahres geworden. Es ist generell schwierig, sportliche Leistungen zu vergleichen, die nicht in Metern, Kilogramm und Sekunden gemessen werden können. Gänzlich ausgeschlossen ist es, die Leistungen von Torhütern mit denen von Feldspielern in objektiver Weise zu vergleichen. So ist ein Verteidiger, der einen Klasse-Torhüter hinter sich hat, sehr viel schwerer durch angetäuschte Schüsse zu düpieren als ein Verteidiger, dessen Torwart auf der Linie schwächelt. Ein Torhüter, der den Strafraum beherrscht, ermöglicht es seinen Abwehrspielern, viel besonnener zu reagieren als einer, der an der Torlinie klebt. Diese Qualitäten eines Torwarts werden diesem aber nur selten zugerechnet, weil sie für Experten nur schwer zu erkennen und zu bewerten sind.

W.-R. Heilmann, per E-Mail

Massiver Krippenausbau für Babys und Kleinkinder war ein Fehler

Zum Artikel: „10.000 neue Kitaplätze für Berlin“ vom 11. Januar

Es wird die Notwendigkeit von 10.000 neuen Kitaplätzen in Berlin, besonders in sozial schwierigen Lagen, erklärt. Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) sagt: „Wir müssen sowohl Plätze schaffen, als auch die Eltern überzeugen, ihre Kinder in einer Kita anzumelden.“ Aus dem Artikel geht hervor, dass sie dabei die Eltern im Visier hat, die ihre Kinder unter drei Jahren noch nicht für einen Krippenplatz angemeldet haben. Und ihre Begründung lautet sinngemäß, dass vor allem in Brennpunkt-Gegenden dafür gesorgt werden müsse, dass dort die Kinder ausreichende frühkindliche Förderung erhielten. Es mag zutreffen, dass in manchen Einzelfällen Kleinkinder in einer Kita besser gefördert werden als in der eigenen Familie. Doch lassen wir uns nicht einreden, dass die Förderung in einer Krippe grundsätzlich besser ist als im Elternhaus. Namhafte Kinder- und Jugendpsychologen weisen immer wieder eindringlich darauf hin, dass ein Kind bis zum dritten Lebensjahr von niemandem besser gefördert werden kann als von der Mutter. Nur hier wächst das Urvertrauen, das die Voraussetzung für eine gute Entwicklung ist. Das Geld für den Kita-Ausbau sollte also, von begründeten Einzelplätzen abgesehen, besser dafür verwendet werden, Eltern zu ermöglichen, in den ersten drei Jahren selbst für ihr Kind da zu sein. Inzwischen wurde auch eingesehen, dass die Einschulung mit fünfeinhalb Jahren nur Nachteile hatte und man rudert zurück. Wie lange wird man im Senat und anderswo brauchen, um einzusehen, dass der massive Krippenausbau für Babys und Kleinkinder ein Fehler war?

Edith Buhse, Konradshöhe