Leserbriefe

Recht auf Kritik nicht rauben lassen

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Leser zu dem brutalen Attentat auf die Redaktion der Satirezeitung „Charlie Hebdo“ in Paris mit zwölf Toten

Das Recht auf freie Meinungsäußerung ist eine starke Säule der Demokratie. Menschen, die sich gegen diese Freiheit stellen, haben in unserem Wertesystem nichts verloren. Die, die diesen feigen Terroranschlag in Frankreich verübt haben, spielen Politikern wie Marie Le Pen in die Hände – zum Schaden aller und vor allem unserer demokratischen Grundwerte. Sollten die etablierten Parteien weiterhin den Fehler machen, die Ängste der Menschen, auch wenn diese noch so diffus sein mögen, weiterhin zu ignorieren, ist dies noch mehr Wasser auf die Mühlen der Populisten. Was ist zu tun? Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg bringt es auf den Punkt: noch mehr Demokratie, noch mehr Offenheit, noch mehr Menschlichkeit.

Pascal Merz, Sursee

Der Terroranschlag in Paris zeigt einmal mehr, wie verwundbar das europäische System ist. Europa braucht endlich eine gemeinsame Linie, die Politik sollte wesentlich entschlossener auftreten. Nicht jammern, reden und klagen, sondern wir müssen schon etwas tun zur Verteidigung unseres Wertesystems. Von selbst wird nichts besser.

Christoph Luban, per E-Mail

Diesmal hat es Frankreich erwischt. Islam-Freunde und Pegida-Gegner in Deutschland würden wohl sagen, es handele sich doch um eine Tat von verrückten Fanatikern, die lediglich einen Bruchteil der überwiegend friedlichen Muslime ausmachen. Stimmt. Aber unter Tausenden Muslimen sind vielleicht ein paar radikale Menschen, bei einer Million sind es bereits Dutzende Gotteskrieger – und die Wahrscheinlichkeit eines Anschlags wächst kontinuierlich. Zwölf Menschenleben wurden ausgelöscht, der Westen trauert, allerorts bekundet man Solidarität mit den Opfern und deren Familien, die Politiker verurteilen die abscheuliche Tat wie immer auf das Schärfste. Die Hunde bellen und die Karawane zieht weiter. Bis zum nächsten Terroranschlag, möglicherweise in Deutschland.

Gerhard Spisla, Haselhorst

Nach der abscheulichen Gewalttat in Paris vermisse ich eine spontane Demonstration der friedliebenden Islamisten gegen dieses sinnlose Morden unschuldiger Menschen.

Wolf-Dietrich Braun, Spandau, per E-Mail

Was geschehen ist, ist entsetzlich. Doch sollten wir bei aller Empörung vernünftig bleiben. Die Gefahr besteht, dass Rechtsextreme den öffentlichen Zorn auf ihre Mühlen lenken und nun noch mehr gegen Einwanderer im Allgemeinen und Moslems im Besonderen agitieren. Die so Angefeindeten sind dann umso anfälliger für die antiwestliche Propaganda radikaler Islamisten. Absolute Sicherheit gibt es zudem nicht, nicht einmal in der Diktatur, um so weniger in einer offenen Demokratie, wo die Freiheit des Einzelnen im Mittelpunkt steht. Natürlich ist zu diskutieren, wie die Polizeibehörden besser zusammenarbeiten, inwieweit Geheimdienste einbezogen werden können. Jedenfalls dürfen wir uns das Recht der freien, kritischen Rede weder von religiösen Fanatikern noch von den Anhängern des Überwachungsstaates rauben lassen.

Christian Fuchs, Gutenstetten

Unser Innenminister fand sehr schnell Worte dafür, dass es in Deutschland derzeit keine Anzeichen für Anschlagspläne gibt. In Frankreich gab es die aber auch nicht. Anscheinend wollen uns unsere Politiker nur beruhigen. Verfassungsschutz und der BND beklagen jetzt schon, dass sie nicht in der Lage sind, alle aus den irakischen und syrischen Kampfgebieten heimkehrenden und kampferprobten IS-Kämpfer zu überwachen. Es wäre also möglich, dass radikalisierte Islamisten nach Deutschland einreisen und hier ein ähnliches Attentat verüben, ohne dass irgendjemand etwas von den Anschlagsplänen mitbekommt.

Bernhard Adomeit, per E-Mail