Leserbriefe

„Ein Rückzieher vom Versprechen“

Leser zum Interview mit SPD-Fraktionschef Saleh, der die Forderung der Bezirke nach mehr Personal ablehnt

Der Berliner SPD-Fraktionsvorsitzende Raed Saleh hat Forderungen der zwölf Bezirksbürgermeister nach 1200 Stellen für die Bezirksämter als unverantwortlich zurückgewiesen. Gleichzeitig mahnte er aber den Senat an, sich verstärkt um die Personalentwicklung im öffentlichen Dienst zu kümmern. Das ist ein Widerspruch in sich und unverantwortlich. Aber es ist die typische Reaktion eines tief enttäuschten und verbitterten Politikers, der gerne Regierender Bürgermeister geworden wäre. Aber diese Blockadehaltung entspricht nicht dem Standpunkt der Koalition, sondern nur der Haltung eines SPD-Mannes.

Peter Hirsch, Wilmersdorf

Als sich Saleh zur SPD-internen Wahl zum Regierenden Bürgermeister gestellt hatte, versprach er mehr Personal, auch in den Bezirken, weil die Bevölkerung wächst und dadurch ein Aufgabenzuwachs eintritt. Jetzt, nachdem er das schlechteste Ergebnis von allen drei Bewerbern erzielt hat, scheint er so verbittert zu sein, dass er das Versprochene nicht mehr politisch durchsetzen will. Scheinbar hat er auch vom Regierenden Bürgermeister und vom Finanzsenator einen Wink bekommen, einen Rückzieher zu machen. Da braucht man sich doch nicht zu wundern, dass der Bürger immer politikverdrossener wird, weil die Politiker das Blaue vom Himmel versprechen und Aussagen Makulatur sind, wenn es ernst wird.

Thomas Splittgerber, Wilmersdorf

Über die Entrüstung kann man sich nur wundern

Zum Artikel: „‚Edathy ist unsachlich und unverschämt’“ vom 2. Januar

Die staunende Entrüstung von Eva Högl, der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der SPD im Bundestag, über ihren Parteifreund Sebastian Edathy muss verwundern, ist doch das nicht der erste ruchbare Fall dieser seltsamen sexuellen Neigung unter ihren Parteikollegen. Unter den für Edathy sicher nicht angenehmen Umständen ist dessen Chuzpe nicht ungeschickt, Angriff als beste Verteidigung. In der Tat sind die Vorhaltungen im Verhältnis zum dem, was sonst in diesen Kreisen passiert, eher harmlos. Und vielleicht dachte der Beschuldigte wirklich, er bewege sich noch im Rahmen einer noch nicht strafrechtlich relevanten Grauzone. Aber der Fall Edathy hat auch sein Gutes, er wirft ein Schlaglicht auf diese Abgründe, über die man sonst nicht spricht und aus denen ein weltweit agierender, profitabler Wirtschaftszweig geworden ist.

Klaus Jänicke, Steglitz

Geldverlust löst im Gehirn gleiche Reaktionen wie bei Schmerzen aus

Zum Artikel: „Gratis-Girokonten vor dem Aus“ vom 4. Januar

Durch die Finanzpolitik von EZB-Chefs Mario Draghi verlieren wir Deutsche immer mehr Geld. Nun sollen wir die Banken auch noch dafür bezahlen, dass sie auf unsere Ersparnisse ,,aufpassen“. Finanzminister Wolfgang Schäuble kritisiert zwar die Geldpolitik der EZB, mehr aber auch nicht. Wir Deutsche müssen bluten, weil einige südeuropäische Länder ihre Schulden nicht in den Griff bekommen. Griechenlands Staatsverschuldung hat eine unvorstellbare Höhe von rund 318 Milliarden Euro erreicht. Griechenland wird niemals in der Lage sein, seine Schulden abzubauen. Dass die Solidarität in Deutschland für Europa immer mehr schwindet, darf einen da doch nicht mehr wundern. Durch die Globalisierung, wie Immigration und wirtschaftliche Unsicherheit werden immer mehr Menschen in die Arme von populistischen Parteien und Strömungen getrieben, die Solidarität geht mehr und mehr verloren. Britische Hirnforscher haben herausgefunden, dass Geldverlust im Gehirn die gleichen Reaktionen auslöst wie Schmerzen.

Klaus Okrafka, per E-Mail

Trotz optischen Etiketten-Schwindels weiterhin nicht wählbar

Zum Artikel: „Ein Hauch Purpur – FDP will mit neuem Logo in die Offensive“ vom 7. Oktober

Nach dem Motto „alter Wein in neuen Schläuchen“ präsentiert die FDP auf ihrem Dreikönigstreffen in Stuttgart ein neues Parteilogo. Neben den traditionellen Farben Gelb und Blau gibt es nun auch die Farbe Magenta. Die frischen Optik macht die Liberalen 15 Monate nach dem Bundestags-Rauswurf nicht sympathischer und wählbarer. Zu viele gebrochene Wahlversprechen lasten auf der FDP. Sie bleibt eine außerparlamentarische Splitterpartei, die nun auch noch optischen Etiketten-Schwindel betreibt.

Albert Alten, per E-Mail