Leserbriefe

„Ausstellung ist Gewinn für Berlin“

Leser zum Urteil des Landgerichts, dass die Plastinate von Gunther von Hagens ausgestellt werden dürfen

Obwohl das Urteil noch nicht gesprochen wurde, äußerte sich Mittes Bezirksbürgermeister Christian Hanke (SPD) erfreut über das ergangene Urteil zugunsten des Bezirks Mitte mit den Worten: „Ich bin immer davon ausgegangen, dass die Ausstellung der sogenannten Plastinate gegen das Bestattungsgesetz des Landes Berlin verstößt.“ Und eine Vertreterin des Bezirksamtes meinte sogar, dass das eine effekthascherische Zurschaustellung sei, die gegen die Menschenwürde verstoße. Und nun, dass Verwaltungsgericht hebt das Ausstellungsverbot des Bezirks Mitte auf. Eine Klatsche für Hanke, die er allemal verdient hat für seine Voreiligkeit. Der Bezirk Mitte sollte sich genau überlegen, ob er in Berufung geht, denn das könnte auch das Medizinhistorische Museum der Charité treffen. Beide Ausstellungen sind ein Gewinn für Berlin.

Klaus Okrafka, per E-Mail

Es gibt, unabhängig von weltanschaulichen Grundeinstellungen und vom Berliner Bestattungsgesetz, so etwas wie Menschenwürde und ein Gebot der Totenruhe. Eine solche erkennbar auf Voyeurismus und vermutlich auch auf pathologische Grenzbereiche bis hin zur Nekrophilie zielende Veranstaltung ist ein krasser Verstoß gegen einen Grundkonsens darüber, wie in würdiger Weise mit den Körpern Verstorbener umzugehen ist. Geradezu lächerlich ist das Argument „wissenschaftliches Interesse“. Kein seriöser Wissenschaftler benötigt von Hagens Wanderausstellung, um zu vertieften Erkenntnissen zu kommen. Mit der gleichen Begründung könnte man eine Porno-Messe rechtfertigen, weil sie vermeintlich die Erkenntnisse der Sexualwissenschaft fördert. Und auch noch das Argument hinterherschieben, der Besuch sei doch schließlich freiwillig.

W.-R. Heilmann, Schöneberg

Tegel weiter als innerstädtischen Flughafen offen halten

Zum Artikel: „20 Millionen Euro für den weiteren Betrieb von Tegel“ vom 15. Dezember

In den Flughafen Tegel sollen weitere 20 Millionen investiert werden. Nach 17,5 Millionen Euro im vergangenen Jahr sind das dann innerhalb von zwei Jahren bereits 37,5 Millionen Euro. Bei dem derzeitigen Verkehrsaufkommen in Tegel ist dies sicherlich erforderlich und notwendig. Es werden mit Sicherheit bis zur Eröffnung des BER nicht die letzten Investitionen dort sein. Wäre es da nicht sinnvoll und angebracht, über die Zukunft Tegels neu nachzudenken? Der BER ist schon heute zu klein. Statt einer Erweiterung des BER sollte man Tegel weiter als innerstädtischen Flughafen offen halten. Die jetzt bewilligten Millionen wären damit eine Investition in die Zukunft. Die Mittel für die Erweiterung des BER könnten dann anderweitig genutzt werden.

Lilo Hecker-Schmidt, Lichterfelde

Jede Hauptstadt oder bedeutende Stadt auf der Welt besitzt mehrere Flughäfen, von denen jeder Einzelne meist noch größer ist als unser Milliardengrab BER. Wenn dieser Flughafen überhaupt einmal fertig werden sollte, ist er nachweislich schon jetzt zu klein und durch das ausgeweitete Nachtflugverbot nur eingeschränkt nutzbar. Wenn nun nach einer irgendwann erfolgten Eröffnung des BER der erfolgreiche Flughafen Tegel auch noch geschlossen werden sollte, ist das totale Chaos programmiert. Deshalb ist das Offenhalten des Flughafens Tegel eine Alternative, die nicht außer Acht gelassen werden darf. Sollte der Flughafen doch geschlossen werden, so darf nicht voreilig einer Entwidmung zugestimmt werden, denn bei später auftretenden Problemen beim Betrieb des BER kann diese nicht wieder rückgängig gemacht werden. Berlin sollte die Finger vom BER lassen und sich in dieser Situation nicht auch noch um Olympische Spiele bewerben.

Wolfgang Reuer, per E-Mail

Langzeitarbeitslosigkeit ist hierzulande Dauerproblem geblieben

Zum Artikel: „‚Hartz IV ist ein Erfolg’“ vom 19. Dezember

Am 1. Januar 2005 trat die unsozialste Arbeitsmarkt- und Sozialreform Hartz IV in Kraft. Sie hat den Steuerzahler bisher 400 Milliarden Euro gekostet. In der Summe ist Hartz IV ein Misserfolg. Langzeitarbeitslosigkeit ist hierzulande ein Dauerproblem geblieben. Nur in einem Punkt hat diese Arbeitsmarktreform traurigen Erfolg gehabt: Sie stigmatisiert und kriminalisiert Arbeitslose in den Jobcentern und droht Millionen Arbeitnehmern mit einem sozialen Abstieg für den Fall, dass sie von Arbeitslosigkeit betroffen sind und ihre sämtlichen Ersparnisse und Einkünfte unverzüglich bis auf den letzten Cent offenlegen müssen.

Albert Alten, per E-Mail