Leserbriefe

„Desaster könnte anhalten“

Leser zu dem Rückzug von BER-Flughafenchef Mehdorn und der Suche nach einem Nachfolger

Mit dem ehemaligen Bahnchef Hartmut Mehdorn verliert die Flughafengesellschaft einen kompetenten Manager vom alten Schlag. Die ständigen Wechsel an der Spitze der Flughafengesellschaft werden keineswegs dazu führen, dass jetzt alles besser wird. Im Gegenteil. Das Desaster könnte anhalten, ein Mann der klaren Worte, wie es Hartmut Mehdorn war, ist für den Fortgang des Projektes besser gewesen als wieder neue Leute, die sich die nötige Erfahrung und Managerkompetenz erst erarbeiten müssen, was auch nicht von heute auf morgen geht. Man wird also abwarten müssen, ob sich die Dinge wie gewünscht entwickeln werden.

Christian Lukner, per E-Mail

Hartmut Mehdorn macht den Abflug, wie zuvor bei Heidelberger Druckmaschinen, der Deutschen Bahn und Air Berlin. Der Neue muss sich nun auch wieder einarbeiten, somit hat man wieder einen Grund für eine noch spätere Fertigstellung des BER. Dieses Dilemma kann man nur noch mit Humor ertragen.

Wolfgang Kunzendorf, per Mail

Warum denn gleich in die Luft gehen, wenn am Boden ständig neue Luftnummern möglich sind? Jetzt ist Hartmut Mehdorn der Kragen geplatzt, obwohl sprachgewandt, mit dickem Fell und Rückgrat versehen. Nachvollziehbar bei diesem chaotischen Umfeld.

Werner Fuehrer, Diedersdorf

Man kann Hartmut Mehdorn zu seinem konsequenten Schritt nur beglückwünschen. Es ist absolut nachvollziehbar, dass eine Führungskraft nicht unter einem Aufsichtsrat arbeiten kann, der das nötige Vertrauen vermissen lässt. Dieser Aufsichtsrat – sowie seine Vorgänger – hat in den vergangenen Jahren eine Vielzahl von Fehlentscheidungen getroffen. Diese Fehlentscheidungen und der ehemalige Geschäftsführer Rainer Schwarz haben zu dem derzeitigen Desaster des BER geführt.

Bernd Wusterhausen, Heiligensee

Ein bekanntes Sprichwort sagt: Die Ratten verlassen das sinkende Schiff. Hartmut Mehdorn ist ein intelligenter Mann und großer Kämpfer. Um so erstaunlicher, dass er nun seinen Rücktritt erklärt hat. Wird er ahnen, dass der erst kürzlich verkündete Eröffnungstermin des BER Ende 2017 kaum zu halten ist? Immerhin stand Mehdorn unter massiven Druck und musste Fakten nennen. Wenn das so ist, dann ist dieser Rückzug wieder einer seiner taktischen Züge, um schnell aus der Schusslinie zu kommen.

Peter Hirsch, Wilmersdorf

Der 2015 scheidende Flughafenchef Hartmut Mehdorn hat einmal davon gesprochen, dass eine Flughafengesellschaft ihre Kompetenz nicht primär im Bau eines Flughafens, also dem BER, unter Beweis stellen muss, sondern bei der reibungslosen Bewältigung des laufenden Flugverkehrs. Und hier hat unsere Flughafengesellschaft durchaus Beachtliches vorzuweisen, man denke nur an die Tatsache, dass der Flughafen Tegel auch das jetzige Passagieraufkommen fast reibungslos bewältigt. Tegel wird bekanntlich auch noch weiterhin benötigt. Und damit hier auch künftig ein reibungsloser Flugverkehr gewährleistet ist, haben unsere Flughafenverantwortlichen unter der Führung von Hartmut Mehdorn weitere 20 Millionen Euro zur Ertüchtigung von Tegel bewilligt. Zwar ist die vorgesehene Sanierung der Vor- und Rollfelder auf dem Airport auch einer Vorgabe der Luftfahrtbehörde geschuldet, aber man denke auch an die vorgesehenen Investitionen zugunsten der Gepäckförderanlage, deren zunehmender Verschleiß ein Risiko bei der zügigen Gepäckabwicklung, beispielsweise für eilige Geschäftsflieger, darstellen würde. Die vorgesehenen Sanierungsmaßnahmen für den Tegeler Flughafen sind auch auf Initiative des neuen Regierenden Bürgermeisters Michael Müller beschlossen worden. Ein gelungener Start in unsere regionale Luftverkehrspolitik.

Holger Voss, Spandau

„Wir stehen selbst enttäuscht und sehn betroffen./ Den Vorhang zu und alle Fragen offen.“ Dieses Brecht-Zitat aus seiner Parabel „Der gute Mensch aus Sezuan“ steht sinnbildlich für die Ausbeutung des Steuerzahlers beim Berliner Hauptstadtflughafen BER in Schönefeld und den frustrierten Rücktritt seines Chaosklubchefs und Überfliegers Hartmut Mehdorn. Wer kann jetzt noch den Willy-Brandt-Flughafen retten und endgültig an den Start bringen? Gerüchten zufolge sollen zwei ehemalige Topmanager wie Wendelin Wiedeking (Porsche) und Thomas Enders (EADS) bereits mit den Hufen scharren.

Roland Klose, per E-Mail