Leserbriefe

„Unverständliche Bagatellisierung“

Leser zu BVB-Nationalspieler Marco Reus, der jahrelang ohne Fahrerlaubnis im Auto unterwegs war

So richtig Glück hat der gute Marco Reus nun wirklich nicht. Wegen einer Fußverletzung war ihm die WM versagt, er darf sich trotz toller Qualifikationsspiele nicht Weltmeister nennen. Kaum genesen, lag er kurz darauf nach bösen Fouls seiner Gegenspieler gleich zweimal hintereinander wieder im Krankenhaus. Borussia Dortmund taumelte ohne ihn auf einen Abstiegsplatz und er – nun endgültig von allen guten Geistern verlassen – rast ohne Führerschein mit einem Sportwagen durch die Gegend. Um seinen Frust abzuschütteln? Oder fehlt da nur jemand, der für Bodenhaftung des Jungmillionärs sorgt?

Ulrich Hauptmann, Treptow

Marco Reus ist nicht nur sechs Mal, sondern sieben Jahre lang ohne gültige Fahrerlaubnis gefahren – das ist keine Dummheit und kein Kavaliersdelikt, sondern ein kriminelles Vergehen. Die Bagatellisierungen von Klopp und Watzke („Einmal im Leben falsch abgebogen“) sind vielleicht verständlich, gehen aber völlig am Sachverhalt vorbei. Dennoch mag sich Reus grämen, dass er noch nicht zu Bayern München gewechselt ist. Nach den Erfahrungen mit entsprechenden Verkehrsdelikten prominenter Fußballer und Mandatsträger im Freistaat wäre er dort vermutlich straffrei ausgegangen.

Wolf-Rüdiger Heilmann, Schöneberg

Dortmund ist eine der gebeuteltsten Städte der Republik. Offiziell leben über zehn Prozent von Hartz IV, der Strukturwandel ist bis heute nicht bewältigt. Und dann brettert dort ein blondierter Fußball-Bubi jahrelang ohne Führerschein im Aston Martin durch die Gegend, und – ups! – das fällt erst jetzt auf. Schnell wird mal eben von Reus eine halbe Million gefordert. Was für eine Zukunftsperspektive: Auf der einen Seite eine wachsende Zahl Transferleistungsempfänger, auf der anderen ein kleines Häuflein Ferrari und Lamborghini fahrende Fußball-Bubis, die sich größter Verehrung erfreuen und sich entsprechend benehmen.

Martin Mahadevan, Grunewald

Von Europas Fußballer des Jahres 1968, George Best aus Irland, stammt das Zitat: „Ich habe viel von meinem Geld für Alkohol, Weiber und schnelle Autos ausgegeben. Den Rest habe ich einfach verprasst.“ Fußballnationalspieler Marco Reus kann sich dem in puncto Auto nur anschließen: 250.000 Euro für seinen heißen Flitzer und 540.000 Euro Geldstrafe für Fahren ohne Führerschein. Ein größeres Weihnachtsgeschenk hätte er sich kaum machen können.

Roland Klose, per E-Mail

Lernen macht jungen Menschen offenbar keinen Spaß mehr

Zum Artikel: „Mehr Schulschwänzer in Berlin – Senat will härter durchgreifen“ vom 19. Dezember

Die Statistik der Schulschwänzer ist bedrückend. Bedrückend ist der rapide Anstieg, offensichtlich macht das Lernen diesen jungen Menschen keinen Spaß mehr! Wir müssen die Schüler motivieren, damit sie wissen, dass sie nicht für die Schule, sondern für sich selbst lernen. Mit Druck und Verwaltungsmaßnahmen ist hier nichts zu machen. Pädagogik ist ganz was anderes. Trost: Berlin ist kein Einzelfall, die Schule wird überall geschwänzt.

Christoph Luban, per E-Mail

Die Autorität Schule gerät offenbar ins Wanken, die Zahl der Schulschwänzer belegt das. Es scheint halt nicht wenigen jungen Leuten ziemlich egal zu sein, wie und ob überhaupt Lehrer und Eltern darauf reagieren, was sie so treiben oder eben nicht. Das Selbstbewusstsein der Kinder jedenfalls ist erstaunlich groß. Größer als der Einfluss vieler Eltern auf den Nachwuchs. Aus eigener Erfahrung und Gesprächen mit Freunden habe ich den Eindruck gewonnen, dass es den Klassenlehrern an Hebeln mangelt, da wirkungsvoll gegenzusteuern. Insofern sind entsprechende Bußgelder durchaus angebracht. Schließlich geht es hier um das Erlernen und Akzeptieren von Grundregeln, ohne die unsere vitale Gesellschaft sich aufgeben würde.

Johann Gillmeister, Schöneberg

Politiker hätten mehr Charakter zeigen können

Zum Artikel: „Ärger über Henkel: Zwei CDU-Politiker wechseln zur SPD“ vom 16. Dezember

Hätten die beiden Herren nur ein wenig Charakter gezeigt, hätten sie ihr Mandat niedergelegt, wären aus der Partei ausgetreten, und alles wäre in Ordnung. Also kein Wunder, dass sich immer mehr Leute von der Politik abwenden, bei solchen Mauscheleien.

Heinz Koßmann, Rudow