Leserbriefe

„In Bayern ticken die Uhren anders“

Leser zur Forderung der CSU nach einer Deutschpflicht für Migranten im privaten Bereich

Endlich widmet sich mal einer dem wichtigsten Thema der Neuzeit, wie und was in deutschen Wohnzimmern gesprochen wird. Nicht nur die ignoranten Asylanten oder andere Minderheitsgruppe sollte man zum großen Glück, die deutsche Sprache sprechen zu dürfen, zwingen. Überall, in jedem deutschen Haushalt, sollte man Deutsch sprechen. Dass die Uhren in Bayern anders ticken, ist bekannt, aber dass die Uhren im 21. Jahrhundert und im Zuge der allgemeinen Globalisierung so weit nach gehen, beunruhigt mich doch ein wenig.

Bärbel Hartenstein, per E-Mail

Ich finde den CSU-Vorschlag nicht so abwegig. Vor vierzig Jahren befanden sich meine drei Kinder in einer ähnlichen Situation als wir nach Deutschland kamen. Es wurde von Anfang an Deutsch gesprochen, in der Schule, im Kindergarten und selbstverständlich auch zu Hause. Alle drei hatten Erfolg in der Schule und es bis zum Abitur gebracht. Das ist aber nicht die Regel. Oft sind die Bequemlichkeit der Eltern, deren sprachliches Unvermögen oder auch deren nicht vorhandene Bereitschaft, ein Teil der Gesellschaft werden zu wollen, Hinderungsgründe für bessere Sprachkenntnisse ihrer Kinder. Deswegen mein Vorschlag: Zwei Jahre Kindergartenpflicht für alle Kinder mit Migrationshintergrund und eine Kürzung des Kindergeldes bei Nichterfüllung dieser Pflicht.

John-Christopher Dobson, per E-Mail

Es stellt sich die Frage, ob die CSU diese Forderung zur Deutschpflicht in der Familie ernsthaft so gemeint hat. Dann haben sie die Watsche mit Recht verdient. Wenn die CSU aber einen Weckruf starten wollte, ist das als Signal zu begrüßen. Die Äußerungen von SPD, Grünen und Linken diesbezüglich sind verständlich. Aber auch die dürfen nicht die Augen davor verschließen, dass es ein immer größeres Problem in Deutschland diesbezüglich gibt. Es ist doch nicht hinnehmbar, dass etwa in Berlin rund ein Drittel der Migrantenkinder ohne ausreichende Sprachkenntnisse eingeschult wird und rund 12 Prozent der jugendlichen Migranten in Berlin die Schule ohne Abschluss verlassen. Das es dann auch auf dem Arbeitsmarkt schwer wird, einen Arbeitsplatz zu finden, ist doch logisch. Was läuft falsch, wenn viele in der zweiten und dritten Generation immer noch nicht richtig Deutsch sprechen können? Wer nach Deutschland kommt, um hier zu bleiben, muss ein Interesse daran haben, seinen Teil dazu beizusteuern. Dazu gehört auch, sich nicht abzukapseln und in der neuen Heimat Deutschland, weiterhin nur in seiner alten Heimatsprache zu sprechen. Wenn die CSU diesbezüglich eine Diskussion anregen wollte, ist das lobenswert.

Klaus Okrafka, per E-Mail

Seit etwa 20 Jahren macht die Deutsche Bahn immer neue Fehler

Zum Artikel: „Neue Bahncard soll ICE-Flotte retten“ vom 5. Dezember

Erst den Interregio abgeschafft, dann Kundenbeiräte eingeschläfert und nun nicht erkannt, dass die Fernbusse nicht nur dem ICE, sondern auch dem Regionalverkehr massiv schaden. Niemand im Management erkennt, dass die Reisenden mit der bahn in vielen Fällen schneller, komfortabler und preiswerter fahren als mit dem Fernbus. Seit etwa 20 Jahren macht die Deutsche Bahn immer neue Fehler. Der schlimmste aber ist, ständig die Fahrpreise über der Inflationsrate zu erhöhen. Am deutlichsten wird dies am Schönes-Wochenende-Ticket. Konnten Mitte der 90er-Jahre noch fünf Reisende für 15 DM 50 Stunden lang fahren, wird dieser Preis ab 14. Dezember auf 60 Euro für 27 Stunden steigen. Das sind in 20 Jahren 293 Prozent oder pro Jahr durchschnittlich etwa 15 Prozent Preissteigerung. Wirkungsvoller kann man Kunden nicht vergraulen.

Jürgen Czarnetzki, Spandau

Sammelsurium von Spielern, die nicht erstligatauglich sind

Zum Artikel: „Kaum noch Luft nach unten“ vom 8. Dezember

Die Enttäuschung über das bisherige Abschneiden von Hertha BSC ist groß, überraschend ist das Dilemma nicht. Hat die Vereinsführung nicht nach dem Einstieg des Investors KKR agiert, wie es Neureiche typischerweise tun? Man hat Spieler zusammengekauft, die andernorts ausgemustert wurden? Trainer Luhukay ist weniger vorzuwerfen, dass es ihm nicht gelingt, aus seinem Kader eine schlagkräftige Mannschaft zu formen. Den großen Fehler hat er vor Saisonbeginn begangen, als statt gezielter Verstärkungen ein Sammelsurium von nicht erstligatauglichen Spielern zu Hertha geholt wurde.

W.-R. Heilmann, per E-Mail