Leserbriefe

„Nicht alle hatten Spaß mit ihm“

Leser zum Interviewversuch mit dem scheidenden Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit

Man hat nun viel gehört und gelesen, was Klaus Wowereit als Regierender Bürgermeister alles gemacht und nicht gemacht hat. Bis jetzt wurde aber noch nie erwähnt, dass wir Wowereit den Erbschaftssteuerkompromiss zu verdanken haben. Bei der Entscheidung im Bundesrat sollte Ende 2008 über die Gesetzesvorlage der großen Koalition abgestimmt werden. Eine Stimme war für die Mehrheit und damit für den Kompromiss erforderlich. Und diese eine Stimme kam ausgerechnet vom Regierenden Bürgermeister, obwohl er das nicht hätte machen dürfen. Denn in der Berliner Koalitionsvereinbarung mit der Linkspartei war vermerkt, dass, wenn nicht beide Koalitionäre einer Meinung sind, und sie waren entgegengesetzter Meinung, sich der Bundesratsteilnehmer der Stimme enthalten muss. Das gehört auf Wowereits Negativ-Liste.

W. Diller, per E-Mail

Nach all den Querelen und den in letzter Zeit nicht gerade guten Sympathiewerten hatte Wowereit die Schnauze voll und hat seinen Rücktritt verkündet. „Es hat mir Spaß gemacht“, war sein Resümee. Ob das alle Berliner so sehen, ist fraglich. Doch wie gehabt wird Wowereit auch im Ruhestand Partygänger bleiben.

Thomas Hansen, Reinickendorf

Wenn sich dieser Trend fortsetzt, wird es ein böses Erwachen geben

Zum Artikel: „Kaum noch Luft nach unten“ vom 8. Dezember

Hertha BSC befindet sich auf direktem Weg auf die Intensivstation der Bundesliga – die Prognose sieht nicht gut aus. Mit diesem destruktiven Spielsystem von Hertha wird es sehr schwer werden, in den verbleibenden Spielen vor der Winterpause noch Punkte zu holen. Die wären aber bitter nötig, wenn man nicht im Tabellenkeller überwintern möchte. Man fragt sich, warum der Trainer immer wieder eine einigermaßen auftretende Mannschaft – wie gegen Köln oder Bayern – auseinander reißt. Jos Luhukay verzockt sich bei der Mannschaftsaufstellung zunehmend, nur so ist der Abwärtstrend zu erklären. Hinzu kommen haarsträubende, individuelle Fehler der Spieler, wobei man über deren Qualität nachdenken sollte. Hertha BSC hat vor Saisonbeginn mehr als 18 Millionen Euro für neue Spieler ausgegeben, das entspricht dem Gesamtetat von Paderborn, die aber mehr Punkte erspielten mit No-Name-Spielern. Den von Hertha gespielte Angsthasenfußball kennen wir schon aus vorherigen Abstiegsjahren.

Claus-Peter Paege, Reinickendorf

Heizer schieben aktuell immer noch mehr Kohle nach, ohne umzusteuern

Zum Artikel: „Die Gradwanderung“ vom 7. Dezember

Im Artikel wurden die magischen „zwei Grad“ 14 Mal genannt. Sich an diesem symbolischen Wert allein zu orientieren, kann aber nicht der Maßstab künftigen Handelns sein. Die Polkappen schmelzen schon jetzt stärker als erwartet und beeinflussen damit die Meeresströmung. Die einzigen verpflichtenden Maßnahmen, nämlich die Reduzierung der Treibhausgasemissionen, derer sich die Industrienationen verschrieben haben, sind auch nur bedingt Teil der Lösung. China und Indien als größte Schwellenländer werden sich nicht vorschreiben lassen, mit welchen Energieträgern sie ihre Wirtschaft ankurbeln und die wachsende Bevölkerung versorgen. Die jährlich stattfindenden Klimakonferenzen haben daran nichts geändert. Das wird auch in Lima nicht anders sein. Auf künftige Technologien vertrauen, die auf emissionsärmere Energieerzeugung aufbauen, ist sicherlich denkbar, doch wenn ein schwerfälliges Schiff mit Volldampf auf einen Eisberg zusteuert, muss frühzeitig umgesteuert werden. Ist es dafür nicht bereits zu spät? Denn unsere Heizer schieben aktuell immer noch mehr Kohle nach, ohne umzusteuern.

Rainer Szymanski, Grünheide

Alle mittelbaren und unmittelbaren Kosten müssen erfasst werden

Zum Artikel: „Straßenbau sprengt den Kostenrahmen“ vom 7. Dezember

„Invalidenstraße wird sechs Millionen Euro teurer – aber der Dauerstau hat bald ein Ende.“ Die sechs Millionen Euro sind ja nur die halbe Wahrheit. Was nicht in dieser Kostenrechnung steht: Der Ärger und die verdeckten Kosten durch die jahrelangen Umleitungen und die damit verbundenen Staus. Haben die Verantwortlichen mal etwas von doppischer Planung gehört? Danach sollt jeder Haushalt so aufgestellt sein, dass alle mittelbaren und unmittelbaren Kosten erfasst und erkannt werden.

Bernd Kaczmarek, Tempelhof