Leserbriefe

„Kontrolle Fachleuten überlassen“

Leser zur andauernden Sanierung der Staatsoper und der Erhöhung der Baukosten um 93 Millionen Euro

Was soll man von einem Ausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses halten, der sich derart vorführen lässt. Eine Senatsbaudirektorin lädt ein, um den anscheinend ahnungslosen Abgeordneten Zahlenwerke und Begründungen für die Mehrkosten von 93Millionen Euro zu erklären. Haben die Abgeordneten, die von der Bevölkerung gewählt worden sind, um auch das Geld des Landeshaushaltes treuhänderisch zu verwalten, in den zurückliegenden Monaten nicht mitbekommen, was auf der Baustelle der Staatsoper passiert? Wozu gibt es eigentlich einen Bauausschuss? Ich finde, dass eine Diskussion darüber stattfinden sollte, ob derartige Kontrollaufgaben nicht lieber Fachleuten anstelle von überforderten Abgeordneten überlassen werden sollten.

Detlef Schrader, per E-Mail

Die Berliner haben sich wohl schon daran gewöhnt, dass das Flughafenprojekt BER nun schon ein Dauerbrenner geworden ist und der Eröffnungstermin bekanntlich um Jahre verschoben werden musste. Wenn dabei eine Verdoppelung der ursprünglich angesetzten Kosten auf nun schon fünf Milliarden Euro genannt wird, so haben wir das wohl auch noch hinzunehmen, denn das Vorhandensein eines Großflughafens für die Bundeshauptstadt Berlin sollte ja auch nicht zur Diskussion gestellt werden. Wenn nun die Sanierung der Staatsoper Berlin als nächste Problembaustelle genannt werden muss, eine Erhöhung der Sanierungskosten von 93 Millionen Euro kalkuliert wird, so sind doch Zweifel an der Planung und Bauvorbereitung auch dieses Objektes angebracht. So muss man den Befürwortern und Planern unterstellen, dass die geplanten Baukosten bewusst niedrig gehalten werden, um die Zustimmung für ein solches Großobjekt zu erhalten. Wenn dann gesagt wird, dass sich auch der Bund finanziell beteiligen wird, dann ist das für den steuerzahlenden Bürger kein Trost, handelt es sich doch auch bei den Bundesmitteln um Geld, das ebenfalls aus dem Steueraufkommen der Bürger kommt. Nebenbei sollte auch die Frage gestellt werden, ob Berlin drei Opernhäuser haben muss, die auch alle subventioniert werden müssen. Abschließend kann man nur die Hoffnung aussprechen, dass wir Steuerzahler dann auch die Karte für eine Aufführung in der aufwendig sanierten Staatsoper Unter den Linden bezahlen können.

Frank Petzsch, Prenzlauer Berg

Die häusliche Harmonie und Kommunikation ist nachhaltig gestört

Zum Artikel: „Berlin muss Regeln für Arbeit am Sonntag anpassen“ vom 28. November

Obwohl ich keiner Konfession angehöre begrüße ich das Engagement insbesondere der Kirchen und natürlich auch der Gewerkschaften, wenigstens einen Tag in der Woche als Feiertag für die Familie weitgehend zu erhalten. Auf die Bundes- oder Landesregierungen können wir in diesem Falle nicht zählen, vertreten sie doch zumeist die Interessen der Wirtschaft und nicht die der Bürger. Sicherlich hat sich in den vergangenen Jahrzehnten eine Menge positiv verändert, doch das Zusammenleben ist durch die Ausweitung der Ladenöffnungszeiten schwieriger und komplizierter geworden. Das schöne Familienleben der 50er- und 60er-Jahre gehört der Vergangenheit an, weil hauptsächlich die berufstätigen Frauen im Einzelhandel kaum noch Zeit für die Familie haben. Die häusliche Harmonie und Kommunikation ist nachhaltig gestört, weil falsche Prioritäten gesetzt werden, nur noch der Konsum zählt. Armes Deutschland. Wo soll das nur noch hinführen?

Thomas Henschke, Reinickendorf

Vage Schätzungen und Annahmen, die stark variieren können

Zum Artikel: „Erster ausgeglichener Haushalt seit mehr als 40 Jahren“ vom 15. November

Wenn ein Kaufmann oder ein anderer zur Buchhaltung und Bilanzierung Verpflichteter so mit den Zahlen tricksen würde wie es Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble macht, würde er sich vermutlich strafbar machen. So gibt Schäuble an, im kommenden Jahr 299,1 Milliarden Euro einzunehmen und behauptet sodann, dass er eben auch nicht mehr als diese Einnahmen wieder ausgeben wird und begründet so den ausgeglichenen Haushalt. Die vorgenannten Zahlen sind Schätzungen und vage Annahmen, die sowohl nach oben wie auch nach unten variieren können und auch werden. Nun wissen wir heute noch nicht, welche Summen 2015 tatsächlich eingenommen werden, wissen aber heute schon bestimmt, dass auch 2015 noch ein enormer Berg an Bundesschulden von 1,3Billionen Euro besteht, für den wir allein 25,5 Milliarden Euro Zinsen zahlen müssen.

Herbert Flügel, Lüchow