Leserbriefe

„Offenheit nicht überstrapazieren“

Leser zu der Milliardenhilfe des Bundes für Flüchtlinge und die Debatte zur deutschen Einwanderungspolitik

Es ist kein Zufall, dass Flüchtlinge nach Deutschland wollen, ebenso wenig, dass andere EU-Staaten sie oft nicht aufhalten oder aufnehmen, sondern allzu gern weiterziehen lassen. Deutschland bietet nicht nur einen intakten Arbeitsmarkt, sondern auch einen gut funktionierenden Sozialstaat und Toleranz, Tausende werden geduldet. Wenn einmal doch die Polizei anrückt, um abzuschieben, bilden sich vielerorts Hilfsinitiativen und Gemeinden bieten Kirchenasyl an. Deutschland hat gerade erst verabredet, eine Milliarde Euro zusätzlich auszugeben, um Flüchtlinge aufzunehmen. In vielen Bundesländern gibt es Härtefälle-Kommissionen, die im Ergebnis nur einen Zweck haben: in Konfliktfällen humanitäre Lösungen zu finden. Das muss man sich in Erinnerung rufen, wenn der Innenminister nun die Abschiebepraxis verschärfen will. De Maizières Gesetzesinitiative ist eine Mischung aus Zuckerbrot und Peitsche. Aber das Zuckerbrot überwiegt.

Miguel Sanches, per E-Mail

Es wird Geld vom Bund freigegeben, um die überforderten Kommunen finanziell bei der Unterbringung und Versorgung der Flüchtlinge zu entlasten. Man glaubt, wenn Geld da ist, lösen sich alle Probleme bei der Flüchtlingsaufnahme und Unterbringung wie von selbst. Wann wird die Regierung endlich wach und versteht, dass die Grenzen erreicht sind und die Akzeptanz in der Bevölkerung sinkt. Hier wird die an sich offene Einstellung der Deutschen zur Flüchtlingsproblematik überstrapaziert. Man darf sich nicht wundern, wenn irgendwann die Stimmung umschlägt und die herbeigeredete Willkommenskultur in Ablehnung umschlägt. Dann wird wieder über den hässlichen Deutschen hergezogen. Englands Premierminister David Cameron fordert ja nicht ohne Grund angesichts des Wählerzulaufs der europakritischen Parteien eine Richtungsänderung bei der Zuwanderung. Jedem muss einleuchten, dass nur eine konsequente Abschiebung abgelehnter Asylantragstellern und das Verhindern von Armutszuwanderung aus der EU die Bevölkerung nicht den Glauben an eine funktionierende Asyl- und Flüchtlingspolitik und an die EU verlieren lässt.

O. Freund, per E-Mail

Experten müssen viele Fragen aus der Bevölkerung beantworten

Zum Artikel „Sozialsenator Czaja holt sich neue Berater“ vom 25. November

Vier Altpolitiker aus Berlin sollen in der Hauptstadt schlichten, wenn es um die Standorte für Flüchtlingsheime geht und Bürger dies aus verschiedenen Gründen kritisch sehen. Von der Sache her ist das erst mal gut, reden und anhören ist gut, trifft aber nicht voll den Kern. Wichtig ist, bevor die Altpolitiker ihre Arbeit aufnehmen, dass sie verstehen und erkennen, dass nicht alle Demonstranten gegen Flüchtlingsheime Nazis beziehungsweise rechtslastig sind. Wichtig ist auch, dass die Experten erkennen, dass es in der Bevölkerung brodelt und es viele unbeantwortete Fragen gibt: Wie soll das mit dem Flüchtlingszustrom weitergehen und wo kommen die Millionen Euro, die für die Flüchtlinge benötigt werden, her? Werden Preise, Mieten, Fahrkosten, Sozialbeiträge, Steuern steigen? Grundsätzlich hat wohl niemand etwas gegen Kriegsflüchtlinge aus Syrien oder Afghanistan. Aber besorgt ist die Bevölkerung über die Flüchtlinge/Asylsuchende, die über Italien nach Deutschland kommen und hier Forderungen stellen und sich das Recht nehmen, in den Hungerstreik zu treten, Dienststellen, den Fernsehturm oder die Zentrale des Deutschen Gewerkschaftsbundes zu besetzen, um das deutsche Asylrecht auszuhebeln.

Wolfgang Priese, per E-Mail

Weder Verein noch Trainer haben eine ernsthafte Alternative

Zum Artikel: „Rohes Fest“ vom 2. Dezember

Wenn über die Zukunft von Trainer Jürgen Klopp bei Borussia Dortmund spekuliert wird, werden die naheliegendsten und stärksten Motive beider Seiten erstaunlicherweise meist übersehen. Beim Verein: Welche Alternativen hat er denn? Soll er Hitzfeld reaktivieren oder den 350-Millionen-Euro-Kader von einem Jugendtrainer betreuen lassen? Bei Klopp: Soll er sich als Gescheiterter, der ein Spitzenteam auf den 18. Tabellenplatz hinuntergewirtschaftet hat, davonschleichen, der auf absehbare Zeit keine vergleichbare Position bekommen und daher – last but not least – seine höchst lukrativen Werbeverträge verlieren wird?

W.-R. Heilmann, per E-Mail