Leserbriefe

„Offenbarungseid der Bildungswaltung“

Leser zu den neuen Lehrplänen für Berliner und Brandenburger Schüler ab dem Schuljahr 2016/17

Der künftige Berliner „Rahmenleerplan“ ist ein Offenbarungseid der Bildungsverwaltung. Hier werden politische Experimente zulasten einer ganzen Schülergeneration und des Technikstandorts Deutschland gemacht. Für die vorprogrammierten Ergebnisse dieser Stümperei wird dann die Bildungssenatorin nicht mehr zuständig sein.

Peter Traichel, per E-Mail

Die Unterrichtung nach neuen Lehrplänen ab 2016/17 greift zu kurz. Generell müssten die Lehrpläne von Überflüssigem entrümpelt werden, eine Verschiebung der Lehrinhalte von einem Fach auf das andere hilft hier nicht weiter, zumal man sich über die Details sicher streiten kann. Ob man Kältemischungen in der Physik oder Chemie behandelt, ist sicher egal. Das, was im Kern eines Atoms vor sich geht, gehört aber eindeutig in die Physik und nicht in die Chemie. Es werden wissenschaftliche Dinge durcheinandergeworfen, die geeignet sind, an den Schulen für noch mehr Konfusion zu sorgen. Es wäre besser, wenn die Politik die Schulen mit solchen unausgegorenen Reformen in Ruhe lassen und ihnen mehr Freiraum bei der Unterrichtsgestaltung geben würde. Was sollen die Lehrer noch alles machen? Sie werden ständig mit neuen Reformen konfrontiert und haben den schwierigen Umgang mit Schülern, die zu Gewaltausbrüchen neigen. Themenfelder wie Demokratie- und Medienbildung sind ja nicht grundsätzlich neu. Vielleicht sollte man sich zunächst um die naturwissenschaftliche Bildung kümmern, denn dort liegt vieles im Argen. Auch müsste die schlechte Computerausstattung und die Methodik/Didaktik angegangen werden.

Christian Lukner, per E-Mail

Erneut wird ein Experiment auf dem Rücken der Kinder ausgetragen, nachdem unlängst erst das jahrgangsübergreifende Lernen grandios gescheitert ist. Acht Niveaustufen, neue Verwaltungsvorschriften: Ja glaubt man denn wirklich, dass die Lehrer nicht schon genug Zeit mit der Verwaltung von Verwaltungsvorschriften verplempern? Das Nächste, was im Schulbereich grandios scheitern wird, ist die Integration von behinderten Kindern in normale Klassen ohne zusätzliche Lehrkräfte. Die früher vorhandenen Kräfte im Behindertenbereich wurden eingespart. Jetzt sitzen die Lehrer mit Klassen von bis zu 30 Schülern da und werden mit diesen zusätzlichen Kindern allein gelassen. Wie sollen sie da den übrigen Kindern gerecht werden?

Regina Kröning, Spandau

Menschen ohne Geschichtswissen können besser manipuliert und unterdrückt werden. Nur wer Geschichte versteht, kann die Gegenwart und Zukunft besser gestalten.

Dr. med. Bernd Nowacki, Moabit

In der Tat hat das Gerede von den Kompetenzen dazu geführt, dass von Schülern kein abfragbares Wissen mehr gefordert werden kann und soll. Mit dem Ergebnis, dass sie nicht einmal mehr das kleine Einmaleins beherrschen. Den Umgang mit dem Computer und anderen neuen Medien muss die Schule den Kindern nicht beibringen, das beherrschen sie. Es macht ja auch mehr Spaß, irgendwelche Tasten zu drücken als Vokabeln zu pauken. Leider benötigt der Mensch aber für das selbstständige Erarbeiten von neuem Wissen grundlegende Fertigkeiten wie das Lesen, Schreiben und Rechnen und den nötigen Hintergrund, die Quellen des neuen Wissens auch kritisch einzuschätzen und zu beurteilen. Stattdessen werden kritiklos Wikipedia-Artikel abgeschrieben. Grundfertigkeiten müssen nun einmal mühevoll erlernt werden. Diese Anstrengungsbereitschaft fehlt den Kindern und Jugendlichen. Alle Experimente und Reformen, die eine Lehrkraft in den vergangenen 30 Jahren an Schule erleben durfte, rächen sich nun in geballter Form.

Susanne Held, Spandau

Niemand sollte wegen seines Geschlechts bevorzugt werden

Zum Artikel: „Frauenpower für die Chefetage“ vom 27. November

Das Quotenfrauengesetz widerspricht unserem Grundgesetz. Danach darf niemand wegen seines Geschlechts benachteiligt oder bevorzugt werden. Das Quotenfrauengesetz zwingt Dax-Unternehmen, Frauen bei der Besetzung von Aufsichtsratsposten zu bevorzugen, bis eine Quote von 30 Prozent erreicht ist. Wohin ist es mit den Politikern und Parlamentariern gekommen, wenn sie unser Grundgesetz missachten zu können glauben? Ich hoffe, dass unsere von den Parteien eingesetzten Verfassungsrichter so viel Unabhängigkeit und Mut bewahrt haben, dass sie dieses Gesetz kassieren.

Elmar Oberdörffer, Heiligenberg